Außergewöhnliche Herde in Ellershausen

Ein bisschen Südamerika an der Lengel

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Wenn Martin Schöneweiß Brötchen in der Hand hält, lassen sich die Lamas gerne von ihm anlocken. Sie kennen ihren Besitzer ganz genau. Handzahm sind die Tiere jedoch nicht. Fotos: Andrea Pauly

Frankenau-Ellershausen - Zwei Meter hoch ist der Zaun, der sich um das anderthalb Hektar große Areal zieht. Nandus sind zwar reine Laufvögel und können nicht fliegen und auch Lamas springen nicht gerade hoch - dennoch will Martin Schöneweiß lieber sicher sein, dass seine außergewöhnliche Herde bleibt, wo sie ist.

Als das Auto des Hobbylandwirtes über den Wiesenweg holpert, schauen die Lamas - sechs Stuten, ein Hengst und ein Wochen altes Fohlen - neugierig auf. Sofort setzt sich die Herde in Richtung Zauntor in Gang: Wenn Martin Schöneweiß kommt, gibt‘s meistens etwas Leckeres. Auch diesmal kommt der Besitzer nicht mit leeren Händen: Er hat einen Eimer voller Brötchen dabei. Allerdings sind die Tiere nicht handzahm, sondern halten immer etwas Abstand.

Schöneweiß ist mit Tieren aufgewachsen: Sie gehörten immer zu seinem Leben und seinem Alltag. Bis heute ist das so geblieben. Auf seinem Hof hält er im Nebenerwerb 20 Schwäbisch-Hällische Schweine und zwei Rinder. Im Sommer kommen Gänse, Puten und Hähnchen hinzu, die im Winter geschlachtet werden.

Vor zwei Jahren hatte Martin Schöneweiß eine anderthalb Hektar große Wiese mit Bach „übrig“. Er wollte gerne ungewöhnliche Tiere haben, wusste aber nicht so recht, welche. Dann kam ihm der Zufall zu Hilfe: In Oberorke waren Lama-Jährlinge abzugeben. Drei Stuten kaufte er, im folgenden Jahr drei weitere. Eines der Lamas war zu diesem Zeitpunkt trächtig - und seit vier Wochen springt ein kleines, niedliches Lama-Stutfohlen, ein sogenanntes Cria, auf seiner Wiese herum und erkundet die Welt.

Geht es nach Martin Schöneweiß, ist dieses Fohlen nicht das letzte. Seit dem vorigen Sommer lebt deshalb auch ein Lama-Hengst in der Herde, der für Nachwuchs sorgen soll.

Die Nandus bekam Schöneweiß ebenfalls zufällig: „Ein Bekannter fragte mich, ob ich vielleicht jemanden wüsste, der ein Nandu-Pärchen sucht. Ich sagte: ‚Ja, ich weiß einen ... mich!‘“, erinnert sich der Ellershäuser.

Die Laufvögel sind vergleichsweise klein: Wenn sich der Hahn richtig streckt, kommt er auf eine Scheitelhöhe von etwa 1,20 Meter. Allerdings kann er durchaus beeindruckend werden, wenn er mit aufgerissenem Schnabel auf Menschen zugelaufen kommt. „Da muss man schon aufpassen“, sagt Schöneweiß, der sich von dem Hahn aber nicht beeindrucken lässt und ihn mit klarer Körpersprache weg- scheucht.

Auch die Straußenvögel sollen Nachwuchs bekommen: Schon im vergangenen Jahr legte das Huhn mehr als 20 Eier, die aber nicht befruchtet waren. Für dieses Jahr hat Schöneweiß neue Hoffnung: „Die Balzzeit geht jetzt los, und das Huhn legt schon überall Eier“, berichtet er - vielleicht schlüpft ja in diesem Jahr ein Küken.

Der Landwirt genießt es, die Herde zu beobachten. „Es gibt nichts Schöneres, als abends nach der Arbeit noch eine Stunde hier zu sein und ihnen zuzugucken“, sagt er. „Die strahlen einfach Ruhe aus.“

Was den Landwirt besonders begeistert, ist die einfache Haltung: Sämtliche Tiere können das ganze Jahr über draußen bleiben, eine Hütte zum Schutz reicht ihnen. Die Lamas sind genügsam und kommen mit Heu und Gras aus, die Nandus fressen im Sommer ebenfalls Gras. Wenn nötig, füttert Schöneweiß Körnerfutter dazu.

Einen Tierarzt habe er noch nie gebraucht, sagt er, und auch die eher scheuen Nandus brauchen keine große Sonderbehandlung, etwa Krallenpflege. „Das sind Sohlenläufer, da muss höchstens vorne mal der Nagel gekürzt werden“, erläutert Schöneweiß.

Die unkomplizierte Haltung heißt aber nicht, dass die Tiere - vor allem die Nandus - Kuscheltiere sind. Der Hahn passt gut auf seine Gefährtin auf. Schon Spaziergänger in mehreren Hundert Metern Entfernung bringen ihn dazu, sich aufzuplustern und einen ungeahnt tiefen, brummenden Warnton von sich zu geben.

Der gutturale Ton klingt fast wie ein tiefes Motorengeräusch und passt gar nicht zu einem Vogel. Er habe sich deshalb suchend umgesehen, als er das zum ersten Mal hörte, erinnert sich Schöneweiß schmunzelnd. Dass es in Ellershausen ungewöhnliche Tiere zu sehen gibt, hat sich herumgesprochen - viele Wanderer bleiben interessiert stehen und schauen der Herde zu.

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