Versammlung aller Gemündener Wehren

Bleibende Sorgen um den Nachwuchs

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Sieben junge Nachwuchs-Brandschützer nahm Gemündens Stadtbrandinspektor André Boucsein (links) in die Einsatzabteilungen der Wehren auf. Zudem wurden einige Aktive nach Lehrgängen befördert – darunter auch er selbst.

Gemünden - Noch ist qualifizierter Nachwuchs da: Gemündens noch junger, neuer Feuerwehr-Chef André Boucsein leitete souverän seine erste große Sitzung und hieß sieben junge Kameraden in der Einsatzabteilung willkommen. Doch in den Stadtteilen sieht es düster aus.

Gemünden. Eigentlich war die Bilanz des ersten Dienstjahres von André Boucsein aus Sehlen als Gemündener Stadtbrandinspektor eine saubere: Mehr Einsätze, aber weniger Brände, keine Verletzten. Eine Vielzahl von besuchten Lehrgängen und eine hohe Auszeichnung - der Jugend- und Kulturpreis des Landkreises - für die jungen Feuerwehrmusiker. Doch etwas trübte am Samstagabend die Stimmung bei der Jahreshauptversammlung im Gemündener Bürgerhaus.

Es zog sich durch die Rede von Boucsein, des Jugendwartes Daniel Boch, der Gastredner Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick und besonders auch Manfred Hankel, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Es war die Sorge um den Nachwuchs, der die Brandschützer antrieb. „Ohne Jugendfeuerwehr keine Einsatzabteilung, ohne Einsatzabteilung keine Feuerwehr und ohne Feuerwehr kein Schutz der Bevölkerung“, hob der Stadtbrandinspektor die Bedeutung der jungen „Blauröcke“ hervor - an denen es nicht nur in Gemünden mangelt. Sieben junge Kameraden wurden an diesem Abend zwar in die Einsatzabteilung übernommen, doch in den Stadtteilen gibt es keine eigenen Jugendfeuerwehren mehr. Nur die Kernstadt hat noch eine Abteilung, die sich auch um interessierten Nachwuchs aus den Dörfern sorgt - der aber ist verhältnismäßig spärlich. Manfred Hankel hob in seiner Rede ausführlich hervor, dass es gelte, neue Wege zu gehen. Er dachte über Jugendwehren mehrerer Stadtteile, eventuell gemeindeübergreifende Wehren nach. „Doch wir brauchen die Impulse aus den Feuerwehren selbst“, mahnte er an.

Fordernder Elb-Einsatz

Abseits des Nachwuchses befanden sich besonders die gestandenen Aktiven im Mittelpunkt der Veranstaltung. Boucsein drückte seine Freude darüber aus, eine Vielzahl von Kameraden nach erfolgreich absolvierten Lehrgängen befördern zu dürfen. Mit Biederbick, Hankel und Bürgermeister Frank Gleim vergab er Ehrungen und Anerkennungsprämien. Insbesondere wurden jene gelobt, die im Frühsommer 2013 an der Elbe gegen die Fluten gekämpft hatten. Der ehemalige Stadtbrandinspektor Wilfried Golde, selbst Teil der Abordnung, erinnerte an die anstrengenden, aber auch die emotionalen Momente jener Tage. „Der Einsatz hat uns alle an unsere physischen und psychischen Grenzen geführt“, sagte er. Er sei froh und dankbar, geholfen haben zu können - vor allem aber, dass alle wieder heil nach Hause gekommen seien.

Schließlich verabschiedete Boucsein vier gestandene Mitglieder der Einsatzabteilung. Bernd Ochse war 33 Jahre für die Feuerwehr in Ellnrode aktiv. Wilfried Balzer war 41 Jahre unter vier Wehrführern aktiv, zuletzt als Zugführer. Er hat alle Lehrgänge bis zum Leiter einer Feuerwehr absolviert. Heinrich Wilhelm war ganze 49 Jahre aktiv - unter fünf Wehrführern. Er hatte 1981 die Schiffelbacher Jugendwehr aufgebaut und war der erste Kamerad, der nach Antrag seinen Dienst bis zum Abschluss des 65. Lebensjahres verlängerte. Gerhard Schmidt war 49 Jahre aktiv, davon fünf als stellvertretender Wehrführer von Schiffelbach und 20 Jahre als Wehrführer. Lange Jahre war er stellvertretender Stadtbrandinspektor und zudem Maschinisten-Ausbilder auf Kreisebene. Zudem ist er Träger zahlreicher Abzeichen. (gl)

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