Altenlotheim

"BluCaLe" schließt zum Ende des Monats Mai

- Frankenau-Altenlotheim (apa). Nach fünf Jahren schließt das Lebensmittelgeschäft im Frankenauer Stadtteil. Die Betreiberinnen konnten in dieser Zeit gerade kostendeckend arbeiten und haben seit 2005 mit ihrer Arbeit kaum Geld verdient.

Der Mietvertrag ist gekündigt, die Lieferanten und der Steuerberater sind informiert: In fünf Wochen, am 31. Mai, schließen Angela von Drach und Ingrid Schomberg das „BluCaLe“. Es fällt ihnen nicht leicht, das Ende zu bestätigen. Die beiden Altenlotheimerinnen hängen an ihrem „BluCaLe“ – kurz für „Blumen, Café, Lebensmittel“. Von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr hätten sie sich gehangelt, immer in der Hoffnung, die Zahlen würden am Ende besser aussehen. „Aber die Einnahmen reichen einfach nicht“, sagt Ingrid Schomberg. Zunächst hatten die beiden Frauen überlegt, das Geschäft erst zum Jahresende zu schließen. „Aber das wäre nur ein Herauszögern“, sagt Ingrid Schomberg. Bis zum 31. Mai werden sie nur noch frisches Obst, Gemüse und Milchprodukte nachbestellen. Sie hoffen, dass bis dahin die Regale mit Lebensmitteln, Haushaltsbedarf und Geschenkideen leer werden, damit sie das Projekt „BluCaLe“ ohne Schulden beenden können. Sonderangebote zum Ausverkauf wird es deshalb nicht geben. Dreimal haben die beiden Altenlotheimerinnen in den vergangenen Jahren um Hilfe gerufen: Sie haben die Bürger des Frankenauer Stadtteils in Aufrufen und Anschreiben gebeten, zumindest ab und an bei ihnen einzukaufen, damit das Geschäft erhalten bleibt. Auch der damalige Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat und Ortsvorsteher Heiko Backhaus hatten sich den Appellen angeschlossen. Geändert hat sich dennoch nichts, und so ziehen sie nun die Konsequenz. „Es tut uns schon leid“, sagt Ingrid Schomberg, „vor allem für die älteren Leute, die regelmäßig bei uns einkaufen oder den Bringdienst nutzen“. Als die ersten älteren Altenlotheimer am Montag erfuhren, dass geschlossen wird, gab es Tränen – sowohl bei den Kunden als auch bei den Betreiberinnen. „Es hat uns immer Spaß gemacht“, begründet Schomberg. Doch Spaß allein sei kein Grund, ein Geschäft zu betreiben und zudem jedes Wochenende zu arbeiten, ohne daran zu verdienen. Sehr leid tut es ihnen auch für ihre Mitarbeiterin Andrea Wilke: „Wir drei waren wirklich ein tolles Team“, sagt Ingrid Schomberg. Für Angela von Drach bedeutet der Abschied vom Geschäft noch mehr: 22 Jahre lang hat sie in dem Laden gearbeitet, erst als Angestellte, zum Schluss als Betreiberin. Durch das Café haben sie viele neue Leute kennengelernt, zahlreiche Gäste sind Stammkunden geworden. Besonders einige ältere Altenlotheimer genießen es, sonntags auf ein Kännchen Kaffee und ein Stück hausgemachte Torte ins Café zu gehen, sagt Schomberg. An den Sonn- und Feiertagen hatten die Betreiberinnen und ihre Angestellte meistens gut zu tun. „Das lief gut,“ sagt Angela von Drach, „aber nicht gut genug“. Die Einnahmen aus dem Café deckten das Minus im Lebensmittelgeschäft nicht ab.

Schon jetzt sei sie gefragt worden, ob sie demnächst sonntags Kaffee und Kuchen bei sich zu Hause anbieten werde, berichtet Schomberg kopfschüttelnd. Das werde sie sicher nicht – sie freue sich auf die ersten freien Wochenenden in fünf Jahren, an denen sie nicht backen muss.

Vor fünf Jahren hatten die beiden Frauen sich entschieden, das Altenlotheimer Lebensmittelgeschäft weiterzubetreiben. „Wir wollten das Geschäft für den Ort erhalten“, erinnert sich Ingrid Schomberg. Die gelernte Köchin gab ihren Job als Haushälterin auf und baute mit Angela von Drach den Laden zu dem Dreifach-Angebot aus. Mehrere Tausend Euro investierten sie damals, für Möbel, Kaffee- und Spülmaschinen, die Küche und Kühlgeräte. Dafür nahmen sie einen Kredit auf; Zuschüsse oder Fördergelder erhielten sie nicht. Nun müssen sich beide Frauen nach neuen Arbeitsplätzen umsehen. Die letzten fünf Wochen werden schwer, das ist ihnen klar. Aber das absehbare Ende ist nicht nur mit Wehmut verbunden, sondern auch mit Erleichterung, räumt Angela von Drach ein. Ihre Kollegin stimmt ihr zu: „Es ist richtig, dass wir das jetzt durchziehen.“

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