Mitgliederversammlung des Frankenberger DRK-Kreisverbandes

Bluttner: „Neue Ideen im Hinterkopf“

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Frankenberg - Der DRK-Kreisverband ist ein kerngesundes Wirtschaftsunternehmen, das machte Geschäftsführer Christian Peter am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung deutlich. Er kündigte die Fortsetzung des Expansionskurses an. Nächstes Jahr sollen mehr als 8,5 Millionen Euro investiert werden.

„Unsere wirtschaftliche Situation ist trotz schwierigen Marktumfelds stabil“, sagte DRK-Geschäftsführer Christian Peter. „Wir sind gesund, dank qualitativ hochwertiger Arbeit und unserer guten Kooperationen mit den Kommunen, dem Landkreis und weiteren Institutionen.“Der Kreisverband mit seinen 2226 Fördermitgliedern hat das Geschäftsjahr 2011 mit einem Bilanzgewinn von 62 000 Euro abgeschlossen und die Rücklagen um fast 800 000 Euro aufgestockt. Die Eigenkapitalrentabilität lag 2011 bei 5,1 Prozent, für eine Wohlfahrtsorganisation ein beachtlicher Wert, machte Peter deutlich. Der Haushalt 2013 weist im Verwaltungsteil einen Ansatz von 13 Millionen Euro aus, im Vermögensteil, aus dem die Investitionen getätigt werden, plant das DRK mit 8,58 Millionen Euro.

Der Löwenanteil ist mit 3,43 Millionen Euro für die Fertigstellung des Seniorenzentrums in Waldeck-Sachsenhausen vorgesehen. Peter rechnet mit einem Bezugstermin im Spätsommer nächsten Jahres. Mit den Arbeiten seien fast ausschließlich Firmen aus der Region betraut. Deutlich früher als geplant könne vermutlich das neue Seniorenzentrum in Battenberg bezogen werden, für das eine Rate in Höhe von 2,39 Millionen Euro im Haushalt eingestellt ist. Der Umzug vom Alten- und Pflegeheim „Wingertsberg“ in das Seniorenzentrum „Burgberg“ ist für Anfang Mai terminiert.

Zentrum in Gemünden

Für ein neues Projekt wartet der Geschäftsführer täglich auf „grünes Licht“ von der Genehmigungsbehörde: Für 1,07 Millionen Euro realisiert der Kreisverband im Steinweg in Gemünden ein kombiniertes Betreuungs- und Beratungszentrum (wir berichteten ausführlich). Für den Teilabriss des seit Jahren leerstehenden Gebäudes liegt die Genehmigung bereits vor, für den Neubau rechnet Peter in den nächsten beiden Wochen mit der Freigabe.

Im Untergeschoss sollen der Betreuungsverein, eine Schuldnerberatung sowie weitere Dienstleistungen, etwa juristischer Beistand oder Ergotherapie, Platz finden. Im Obergeschoss sollen sechs barrierefreie Wohnungen für Senioren oder Menschen mit Behinderungen entstehen. Auch Räume für einen Tagesmüttertreff oder Zusammenkünfte anderer Gemündener Gruppen sind in den Planungen vorgesehen. Für das Projekt „Wohnen und soziale Dienstleistungen mitten in der Stadt“ erhält der Kreisverband aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ einen Zuschuss in Höhe von fast 900 000 Euro.

„Wir haben längst neue Ideen und Gedanken im Hinterkopf“, sagte Kreisvorsitzender Dr. Rolf Bluttner und verwies auf die aktuell 36 Tätigkeitsfelder, in denen der Kreisverband aktiv sei: vom Rettungsdienst über die Pflegeheime bis zur Migrationsberatung. Geschäftsführer Peter wurde konkreter: Der Rettungsdienst wird voraussichtlich noch im Dezember nach zweijähriger Vorbereitung zertifiziert. Ausgebaut werden sollen die Tätigkeitsfelder Schulassistenz und individuelle Familienassistenz. Auch das Thema Inklusion steht auf der Agenda. In Kooperation mit Schulen sollen über den Unterricht hinausgehende Angebote eingeführt werden.

125-Jahr-Feier in Planung

Gedanken macht sich der DRK-Kreisverband auch über die Mitgliederentwicklung. „Der Schwund macht uns zu schaffen“, erklärte Bluttner. Es müssten Ansätze gefunden werden, die die Mitgliedschaft begehrenswert machen. Große Hoffnungen setzt Peter in die Feier des 125-jährigen Bestehens des Frankenberger DRK im näch
sten Jahr. Geplant sind eine Groß
übung mit THW, Feuerwehr und eventuell Bundeswehr. Bei
 einem Tag der offenen Tür sollen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter ihre Arbeit vorstellen. Bei solchen
Begegnungen sei es einfacher, neue Mitglieder zu gewinnen, als durch Telefonaktionen, erklärte Peter. Doch auch die Haustürwerbung sei nach wie vor ein geeignetes Mittel. „Gefahr erkannt, im Bereich des Bannes.“

Um Mitglieder werben

Deutschlandweit geht die Mitgliederzahl des Roten Kreuzes zurück, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Norbert Södler. Über zehn Jahre hat das DRK etwa eine Million Mitglieder verloren. In Hessen liege der „Mitgliederschwund“ bei mehr als 20 Prozent. Im Jahr nimmt das DRK in Hessen zehn Millionen Euro an Mitgliederbeiträgen ein. Södler verwies auf das geplante Notfallsanitätergesetz, das den Beruf des Notfallsanitäters (bislang Rettungsassistenten) als dreijährigen Ausbildungsberuf anerkennt.

In Hessen werden rund zwei
Drittel aller rettungsdienstlichen Leistungen von DRK-Mit
arbeitern erbracht. Bei 2621 Terminen sammelte das DRK in Hessen 254 000 Blutspenden, 
pro Arbeitstag werden 1000 Spenden an die Krankenhäuser abgegeben. „Aber nur drei Prozent der potenziellen Spender spenden auch tatsächlich Blut“, sagte Södler. Voraussichtlich im Frühjahr 2013 kommt die Landesversammlung des DRK erneut in Frankenberg zusammen. 
 Beraten werden soll dann über die Zukunft des hochdefizitären Tagungshotels in Mühltal. Zum neuen Schatzmeister des Kreisverbandes wurde Rainer Opper aus Gemünden einstimmig gewählt. Die Nachwahl war erforderlich geworden, weil das langjährige Vorstandsmitglied Erich Dauber im Frühjahr überraschend verstorben war.Grußworte sprachen Bürgermeister Rüdiger Heß und die Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg (CDU) sowie Reinhard Kahl (SPD).

Der Kreisverband in Zahlen:

Der Kreisverband wurde 2011 getragen von 2226 Fördermitgliedern und 210 aktiven Mitgliedern in den Bereitschaften, die in 350 Einsätzen 8600 freiwillige und ehrenamtliche Stunden erbrachten. In der Senioren- und Sozialarbeit haben 164 Leiter sowie Mitarbeiter der 36 Seniorenclubs insgesamt 10 793 ehrenamtliche Stunden geleistet. Im operativen Geschäft des Kreisverbandes und seiner beiden Tochtergesellschaften waren rund 430 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt.

In der stationären Altenhilfe hat das DRK in den Seniorenzentren in Battenberg und Gemünden 185 Bewohnern ein Zuhause geboten, die Belegung betrug durchschnittlich 99 Prozent. „Erfreulich ist, dass die Tagespflege im Seniorenzentrum in Battenberg vermehrt angenommen wurde und die Demenzstation in Gemünden eine ganzjährig nahezu 100-prozentige Auslastung verzeichnete“, sagte Geschäftsführer Christian Peter. Bei der Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) wurden die beiden Häuser in Battenberg jeweils mit der Note „sehr gut“ und Gemünden zweimal mit der Note 1,0 bewertet.

In den drei Kindertagesstätten in Frankenberg, Gemünden und Battenberg wurden 250 Kinder im Alter von 18 Monaten bis zehn Jahren betreut. Die Belegung war in allen Kitas bei nahezu 100 Prozent mit teilweise deutlichen Wartelisten, insbesondere in Frankenberg. „Das zeigt den hohen Zuspruch der Eltern gegenüber der Arbeit, die unsere Mitarbeiter im pädagogischen Bereich in unseren Kitas leisten.“

Mit zwei Kitas hat sich das DRK erfolgreich um die Teilnahme an dem Förderprojekt der Bundesregierung „Frühe Chancen“ zur Sprachförderung und Integration von benachteiligten Kindern beworben. „Dadurch erhalten wir die Möglichkeit, jeweils eine halbe Sprachförderfachkraft auf die Dauer von vier Jahren in den Kitas einzusetzen, die sowohl die individuelle Förderung der Kinder betreibt als auch die Teamfortbildung im Bereich der frühkindlichen Bildung deutlich unterstützt.“

Im Rettungsdienst gab es 2011 wesentliche Änderungen: Die Einführung einer EDV-gestützten Einsatzdokumentation und Abrechnung sowie die Anschaffung von neuen Rettungsfahrzeugen mit pneumatischer Federung, Automatikgetriebe und einem 
absenkbaren Heck, sodass sowohl die Verladung als auch der Transport für Mitarbeiter 
und Patienten deutlich angenehmer geworden sind. „Bei insgesamt 7574 Einsätzen und 309 000 gefahrenen Kilometern ist dies eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen“, sagte Peter. Der Preis für einen solchen Rettungswagen beträgt 116 000 Euro.

Zu der Behindertenhilfe, in deren Rahmen 13 Kinder an vier Schulen im Altkreis Frankenberg betreut wurden, ist eine individuelle Familienassistenz hinzugekommen. Die Ziele dieses unterstützenden Dienstes sind die Entlastung der Familien, Integration der Kinder und Jugendlichen, persönliche Förderung. In der Anfangsphase gingen zunächst vier Anfragen bei der „IFA“ ein, im Laufe des Jahres sind acht Kinder und Jugendliche hinzugekommen.

Von Rouven Raatz

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