Bromskirchen

Mit Branntkalk gegen das Q-Fieber

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- Bromskirchen (gl). Wegen einer Quarantänezone, Dutzender Feuerwehrleute, Beamten von Veterinär- und Ordnungsamt und Tonnen von Branntkalk glich eine Wiese außerhalb Bromskirchens am Wochenende dem Schauplatz eines Katastrophen-Films.

Männer in Vollschutz stapfen im prallen Sonnenschein über das Gras, das Gebiet ist im Umkreis von einem Kilometer gesperrt, im Zentrum: ein Haufen Schafdung und 50 Tonnen Branntkalk. Was nach einem Film klingt, in dem ein biologisches Experiment schiefgegangen ist, hat sich am Wochenende außerhalb von Bromskirchen real abgespielt.

Die Aktion von Veterinäramt, Ordnungsamt und Feuerwehr, die unter der Leitung des Gesundheitsamtes stand, diente dazu, den Erreger des Q-Fiebers zu vernichten. Im Februar war die Krankheit an der Grenze zu Westfalen aufgetreten (FZ berichtete). 66 Menschen haben sich seither im Landkreis infiziert. „Der Erreger ist in der Umwelt, da kriegen wir ihn nicht mehr weg“, sagt Bettina Elsner, Leiterin des Veterinäramtes. Auslöser der Krankheit ist das Bakterium „Coxiella burnetii“, das in Ausscheidungen von Schafen vorkommt (siehe Hintergrund-Kasten). 700 Schafe in Bromskirchen und Somplar mussten daher in Ställen eingesperrt werden.

„Die Nachgeburten sind besondere Gefahrenherde“, sagt Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese. Auch Elsner betont: „Die Gefahr geht vom Fruchtwasser aus, nicht vom Kot der Tiere.“ Da die Lämmer nun geboren sind, mussten verseuchte Ausscheidungen und kontaminiertes Stroh so schnell wie möglich vernichtet werden. Gemeinsam mit dem Veterinär- und dem Gesundheitsamt habe die Gemeinde ein Grundstück gesucht, das eine gefahrlose Entsorgung erlaubt: Mindestens 300 Meter entfernt vom Dorf musste es sein, kein Wasserschutzgebiet und dennoch so nah an Bromskirchen, dass der gefährliche Dung nicht durch das ganze Dorf gefahren werden musste.

Dort wurde der Dung mit Branntkalk vermischt und befeuchtet: Die entstehende Wärme, etwa 70 Grad, sorgt dafür, dass die Bakterien absterben. Die durch die chemische Reaktion produzierte Lauge ist dem Erreger ebenfalls nicht zuträglich. „Nach der Vegetationsperiode kann der Haufen ganz normal zum Düngen genutzt werden“, sagt Frese. Eine Gefahr, dass damit Erreger ausgebracht werden, verneint auch die Veterinäramts-Leiterin Elsner.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Dienstag 10. Mai

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