Viessmann steigt mit 50 Prozent bei schweizerischen Hexis-Aktiengesellschaft ein

Brennstoffzellen für europäischen Markt

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Allendorf (Eder) - Der Heiztechnik-Hersteller Viessmann verstärkt sein Engagement in der Brennstoffzellen-Technologie: Die Gruppe hat einen Anteil von 50 Prozent an der schweizerischen Hexis AG erworben.

Das Unternehmen aus Winterthur entwickelt Hochtemperatur-Brennstoffzellen - auf englisch als „Solid Oxide Fuel Cell“, kurz SOFC, bezeichnet. Die stationären Geräte für Ein- und kleine Mehrfamilienhäuser wandeln Erdgas in Wärme und Strom um. Sie können den gesamten Heiz- und Warmwasserbedarf des Gebäudes sowie den Grundbedarf an Strom abdecken. Der Nutzungsgrad der Energie liegt laut Firma bei mehr als 90 Prozent.

Mit dem Einstieg bei Hexis sei es Viessmann gelungen, einen Partner zu finden, der in Europa als ausgewiesener Spezialist für kleine Kraft-Wärme-Kopplungs-Systeme auf der Basis von SOFC gelte, erklärte das Allendorfer Unternehmen am Montag.

Das dazugehörige System von Hexis habe eine vergleichsweise geringe Komplexität und damit das Potential, hohe elektrische Wirkungsgrade und langfristig niedrige Herstellkosten zu erreichen. Mit den Schweizern wolle Viessmann dieses System für Anwendungen im Gebäudebestand zur Marktreife bringen.

Hexis hat sein in den vergangenen Jahren entwickeltes Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungs-System für die Hausenergieversorgung bereits in mehr als 100 Einheiten in Feldtests erprobt und optimiert - überwiegend im „Callux“-Programm, einem Praxistest für Brennstoffzellen in der Hausenergieversorgung, der 2008 in Berlin mit Unterstützung des Bundesbauministeriums gestartet worden ist.

Im Hexis-Team wirken Ingenieure, Naturwissenschafter und weitere hochqualifizierte Fachleute eng zusammen - siehe auch den nebenstehenden Kasten zur Firmengeschichte. Auf ihrer Homepage zählt sich die Firma „zu den weltweit führenden Unternehmen für Brennstoffzellen-Technologie“.

Panasonic weiterer Partner

Erst vor wenigen Tagen hat Viessmann seine Zusammenarbeit mit Panasonic auf dem Gebiet der sogenannten Polymerelektrolyt-Brennstoffzelle bekannt gegeben. Sie ist aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften besonders für Einfamilienhäuser mit geringem Wärmebedarf geeignet.

Mit den beiden Technologien, der Niedertemperatur-Brennstoffzelle von Panasonic und der Hochtemperatur-Brennstoffzelle von Hexis sowie mit den eigenen Erfahrungen in der Brennstoffzellenentwicklung sehe sich Viessmann hervorragend positioniert für die stationäre Strom- und Wärmeversorgung, aus der künftig starke Impulse für den Heizungsmarkt erwartet werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Das 1917 gegründete Familienunternehmen Viessmann ist einer der international führenden Hersteller von Heiztechnik-Systemen. Bei rund 9600 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,86 Milliarden Euro hat die Gruppe für jede Anwendung die passende Systemlösung mit Wärmeerzeugern für alle Energieträger und mit Leistungen von 1,5 bis 116.000 Kilowatt.

Derzeit bestehen 24 Produktionsgesellschaften in elf Ländern mit Vertriebsgesellschaften und Vertretungen in 74 Ländern sowie weltweit 120 Verkaufsniederlassungen.

Hintergrund:

Die Schweizer Firma Hexis gehört weltweit zu den führenden Unternehmen der Hochtemperatur-Brennstoffzellen-Technologie SOFC für stationäre Anwendungen im Leistungsspektrum von weniger als zehn Kilowatt elektrische Leistung. Das Unternehmen entwickelt und produziert mit einem 30-köpfigen Team in Winterthur und Konstanz Brennstoffzellen-Heizgeräte für Ein- und kleine Mehrfamilienhäuser. Hexis wurde 1991 von der Sulzer AG in Winterthur als Projekt gegründet, die Abkürzung steht für „Heat Exchanger Integrated Stack“. 1997 baue der Konzern das Projekt zur eigenständigen „Division“ aus. 2006 wurde das Unternehmen selbstständig. Es befand sich seitdem zu 100 Prozent im Besitz der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte mit Sitz in Winterthur. Ein Ableger besteht in Konstanz.

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