Unbekannte schlugen dem Tier die Hörner ab

„Brutalität ist unfassbar“: Tierhalter entsetzt über die Attacke auf Bullen

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Tatort: Prof. Dr. Dieter Schweizer steht fassungslos an der Weide, auf der dem Jungbullen beide Hörner abgeschlagen wurden.

Gemünden. Anfang Juli wurden einem Jungbullen in Gemünden brutal die Hörner abgeschlagen. Das Tier starb. Unsere Zeitung hat die Besitzer des getöteten Bullen besucht.

Der oder die Täter konnten noch nicht ermittelt werden.

Als Dr. Dina Schweizer am Morgen des 9. Juli die Weide am Ende der Eduard-Korff-Straße in Gemünden betrat, auf der sich fünf ihrer Rinder befanden, kam ihr erst einmal nichts ungewöhnlich vor. „Unser Bulle Egon war bekannt dafür, dass er sich gerne mal von der Herde absetzte“, berichtet sie. Das war auch an diesem Morgen so - dachte sie zumindest. „Als ich ihn aber flach auf dem Boden liegen sah, kam mir das seltsam vor. Ich bin zu ihm hingegangen und habe die schlimmen Verletzungen an seinem Kopf gesehen und erkannt, dass ihm auf beiden Seiten die Hörner fehlten“, sagt die Ärztin.

„Solch eine Brutalität ist unfassbar“, sagt Ehemann Prof. Dr. Dieter Schweizer, der neben seinem Job im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Bonn mit seiner Frau Dina in Gemünden eine eigene Bio-Landwirtschaft betreibt. Erst dachten sie, dass sich der Bulle die Verletzungen selbst zugefügt haben könnte. „Doch schnell war klar, dass das die Tat eines einzelnen oder von mehreren Tätern war, die offenbar auch gezielt uns treffen wollten“, so Dieter Schweizer. Zumindest sei bei ihm diese Einschätzung in den letzten Tagen gereift.

„Ein Tierquäler, der Gefallen an solchen Taten findet, hätte sein Werk zu Ende gebracht und den Bullen getötet“, so Dieter Schweizer. Ihr einjähriger Fleckviehbulle Egon sei aber erst am nächsten Tag an den Folgen der Verletzungen gestorben. „Zudem hätte sich ein Tierquäler eine andere Weide ausgesucht, auf der die Gefahr, erwischt zu werden, nicht so groß gewesen wäre. Unsere Weide, auf der das passiert ist, liegt an einem Wohngebiet.“ Ob sich die Bullen-Attacke gezielt gegen die Schweizers richtete, wollte die Polizei nicht bestätigen. Ein Sprecher sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

Vermutlich mit dieser Axt wurden dem Bullen die Hörner abgeschlagen.

Der oder die Täter benutzten zum Abschlagen der Hörner vermutlich eine Axt, die später von Kindern in der Wohra gefunden wurde (wir berichteten). Die Axt wirdlaut der Schweizers nach DNA-Spuren untersucht. „Wir hoffen zudem, dass wir Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Die Axt ist sicher der Schlüssel, um die Täter zu finden. Wer dazu etwas sagen kann, sollte sich bitte bei der Polizei melden“, betont Dieter Schweizer. „Wir haben schon viel Solidarität erfahren, die Menschen sind angesichts der Brutalität ebenso fassungslos wie wir.“

Dina Schweizer: „Sollte sich die Tat gegen uns gerichtet haben, machen wir uns Sorgen, was als nächstes passiert.“ In dem Zusammenhang weisen ihr Mann und sie auf zwei ihrer Kühe hin, die auch dieses Jahr gestorben sind. „Die eine verlor im Mai plötzlich ihr Fell und ist daran zugrunde gegangen. Keiner weiß, wie es dazu kam. Bei der anderen, die nach der Bullen-Attacke starb, ist die Todesursache auch ungeklärt“, so Dieter Schweizer.

Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt worden. Das Ehepaar Schweizer hatte zunächst 5000 Euro zur Verfügung gestellt.

Ein Tierliebhaber aus Rodgau (Südhessen), der über die Medien von dem Fall gehört hatte, meldete sich bei der Polizei und lobte weitere 5000 Euro aus. „Das ist eine wunderbare Geschichte, wir sind unheimlich dankbar dafür“, sagen Dina und Dieter Schweizer, die bislang noch nicht wissen, wer der Tierhalter ist. „Wir wollen uns aber unbedingt bei ihm bedanken“, betonen sie.

Hinweise nimmt weiterhin die Polizei in Frankenberg unter der Telefonnummer 0 64 51/720 30 entgegen.

Das Ehepaar Schweizer berichtet auch über weitere ungeklärte Todesfälle von Kühen. Mehr dazu lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

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