Projekt "Zukunftssicherung Battenberg":

Bürger wollen neu gestalteten Hänsel-und-Gretel-Platz

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Battenbergs Mittelpunkt ist zu trostlos, finden die Mitglieder der Gruppe „Platz da“ – und haben schon einen Plan für die Umgestaltung des Hänsel-und-Gretel-Platzes erarbeitet.Foto: Adel

Battenberg - Wie bleibt Battenberg lebenswert - und was kann verbessert werden, damit Menschen nicht wegziehen und möglicherweise neue Einwohner angelockt werden? In Arbeitsgruppen haben die Bürger ihre Zukunft in die Hand genommen und konkrete Pläne erarbeitet. Die haben sie am Donnerstag dem Stadtparlament vorgestellt.

Im vergangenen Jahr hatten sich Arbeitsgruppen gebildet, an der Spitze steht ein „Lenkungsausschuss“. Dessen Vorsitzender Lutz Klein ließ die Arbeit der Gruppen Revue passieren. „Von Beginn an haben sich Bürger quer durch alle Altersgruppen und soziale Schichten mit großem zeitlichen Aufwand für das Projekt eingebracht“, sagte der Battenberger Altbürgermeister. „Der Prozess hat vieles in Bewegung gebracht. Die Beratungen im Magistrat, in der Stadtverordnetenversammlung und im Ortsbeirat müssen dafür sorgen, dass das Engagement erhalten bleibt.“

Klein betonte aber auch, dass bei den Beratungen die städtischen Finanzen kein Thema waren. Herausgekommen sei aber eine Ideensammlung, „wobei sicherlich fast alle Teilnehmern bewusst war, dass einige Vorschläge nur zu realisieren können, wenn finanzielle Hilfe vom Landkreis, Land, vom Bund oder von der EU kommen.“ Die Vorschläge der einzelnen Arbeitsgruppen:

Kommunikationshaus: Die Arbeitsgruppe befürwortet die Einrichtung eines Bürgertreffs. Das soll die Menschen an die Stadt binden. „Junge Menschen, die nach Battenberg kommen, suchen Kontakte, wollen aber nicht unbedingt in einem Verein sein“, sagte Renate Dietz, die die Ideen der Gruppe vorstellte. Auch mit Bürgern aus Ortsteilen könne ein Zusammentreffen möglich sein. Das Haus soll aus einem Versammlungsraum bestehen, der von Gruppen und für Vorträge genutzt werden kann. Hinzu kommen nach den Vorstellungen der Gruppe drei bis vier weitere Räume. Soziale, kulturelle und sportliche Angebote sollen das Haus mit Leben füllen. Dietz nannte als Beispiel den geplanten Generationentreff im neuen Rennertehäuser Kindergarten. Um die Angebote kümmern sollen sich ein hauptamtlicher Mitarbeiter und mehrere ehrenamtliche Helfer. Finanziert werden könnte das Angebot über Mieteinnahmen, einen Förderverein, Fördermittel und Sozialverbände. Die Gruppe „Kommunikationshaus“ will mit der Gruppe „Jugend“ zusammenarbeiten, um eventuell gemeinsam ein Haus zu nutzen. Ein mögliches Kommunikationshaus schlug Klaus Hallenberger (Bürgerliste Laisa/Frohnhausen/Berghofen) vor: Der alte Kindergarten in Frohnhausen könne als solches genutzt werden.

Bauliche Verkehrsmaßnahmen: Martina Radtke berichtete, dass in der Innenstadt unter anderem Hinweisschilder aufs Radwegenetz fehlen. Gewünscht werde eine bessere Verkehrsanbindung nach Münchhausen und Marburg. Das könne nicht durch die Anruf-Sammel-Taxis kompensiert werden. Umfangreichste Idee der Arbeitsgruppe: Die Straßen Im Hain und Auf der Mauer sowie die Hauptstraße in der Oberstadt sollen zur „Mischverkehrsfläche“ werden. Alle Verkehrsteilnehmer – Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer – haben die gleichen Rechte. „Dies führt zur Aufwertung der Oberstadt, die Wohnqualität wird gesteigert“, sagte Radtke. Optisch soll der Effekt durch eine einheitliche Straßenoberfläche erreicht werden. Ein weiterer Vorschlag ist die Öffnung der Berghofener Straße für den Verkehr. Sie kann derzeit von der Marburger Straße aus nicht eingefahren werden. Dann habe die Straße wieder ihren eigentlichen Zweck als Verlängerung der Hauptstraße. „Dadurch könnte die Verkehrs- und Parksituation entspannt werden.“ Mit Baustellenschildern sei ein Test ohne großen Aufwand möglich. Der Arbeitskreis will künftig mit der Gruppe „Platz da“ zusammenarbeiten.

Wohnen im Alter: Es sei schwierig, die Bevölkerung auf dem Land für neue Wohnformen zu begeistern, sagte Renate Drechsel. Die Gruppe suchte in Battenberg unter anderem Räume, die für altersgerechtes Wohnen geeignet sind, und wurde bei zwei Häusern in der Hauptstraße fündig. Der Arbeitskreis will möglicherweise mit der Gruppe Kommunikationshaus zusammen arbeiten. Weiterhin geplant sind Info-Veranstaltungen mit Fachleuten. Ziel sei, dass Battenberg die „Wohnstadt im Walde“ werde, sagte Drechsel.

Platz da: Der attraktiveren Gestaltung der Battenberger Plätze hat sich diese Arbeitsgruppe angenommen. Auf Platz eins der Prioritätenliste stehe der Hänsel-und-Gretel-Platz, berichtete Dagmar Schneider. Statt der Mauer sollten Treppen zum Verweilen einladen. Die „Monotonie der Bepflanzung“ solle aufgelockert werden.

„Der Platz erscheint freundlicher und lädt zum Verweilen ein“, sagte Schneider. Einen Plan hat die Gruppe bereits erstellt. Die Kosten für die Umgestaltung werden auf 82.000 Euro geschätzt. „Einiges zu tun“ ist laut Schneider auch am Platz an der Burgberghalle. Es fehle Grün, Beleuchtung und eine Abgrenzung zur Straße. Am Markplatz fehlten Sitzgelegenheiten, der Spielplatz sei veraltet, eine Infotafel nicht sichtbar. Am „Hügelchen“, dem Aussichtspunkt mit Blick ins Edertal, fehlten Sitzgelegenheiten, die Aussicht sei zum Teil zugewachsen.

Leerstand: Bislang steht in der Oberstadt nur ein Haus leer. Dafür gebe es auch keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten, weil einer der Besitzer nicht verkaufen wolle, sagte Martin Wolf. Doch in den nächsten Jahren drohe in weiteren Gebäuden der Leerstand – das hat der Arbeitskreis ermittelt. „Wir müssen uns jetzt der Situation stellen. In naher Zukunft sind massive Leerstände denkbar.“ Battenberg solle um neue Bürger werben. „Für eine Gemeinde unserer Größenordnung haben wir viel zu bieten.“ Im Internet sollen alte Häuser präsentiert und Sanierungsmöglichkeiten gezeigt werden.“ Auch ein Abriss dürfe kein Tabu sein. Es dürfe kein Geld mehr in Neubaugebiete investiert werden. l Kinder und Jugend: Mit dem geplanten Jugendbeirat stehe ein Projekt schon vor der Verwirklichung, berichtete Christian Marschik. Junge Battenberger sollen sich mit der Stadt identifizieren und „in politische Verantwortung hinweinwachsen“. An der Gesamtschule soll ein Wahlpflichtkurs „Politische Mitbestimmung“ angeboten werden. Der Ausschuss befürwortet ein Jugendhaus und will dabei mit der Gruppe Kommunikationshaus zusammenarbeiten. Benötigt werde unter anderem pädagogisches Personal und ein fester Etat. Das Jugendhaus könne auch Treffpunkt für Kinder aus den Stadtteilen ein Treffpunkt sein. Nach Ansicht von Bürgermeister Heinfried Horsel ist für die weitere Entwicklung professionelle Unterstützung notwendig. „Wir müssen zu einem Gesamtkonzept kommen“, sagte er.

Während einige Stadtverordnete das befürworteten, gab es auch kritische Stimmen. Der Haupt- und Finanzausschuss soll sich in der nächsten Sitzung mit der Begrüßung der Neuburger, der Einrichtung einer Mischverkehrsfläche in der Oberstadt, der Öffnung der Berghofener Straße, der Umgestaltung des Hänsel-und-Gretel-Platzes und dem Leerstandskataster befassen. Diese Themen sind – neben dem Jugendbeirat – bereits am weiteren geplant. Das Stadtparlament befürwortete das einstimmig. Die städtischen Gremien sollen auch die anderen Vorschläge beraten.

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