Frankenberg

Bürgerinitiative will das Gespräch mit dem Landwirt suchen

- Frankenberg (rou).Die Bewohner der Wohngebiete Hinterscheide und Ederdorf geben ihrem Protest gegen den geplanten Schweinemastbetrieb zwischen Rodenbach und Frankenberg eine Form: Sie gründen eine Bürgerinitiative. Bevor Aktionen gestartet werden, wollen sie zunächst das Gespräch mit dem Landwirt suchen. 

Es schneit, es ist nasskalt, es ist Samstagmorgen, elf Uhr: Doch trotz dieser widrigen Umstände versammeln sich zunächst 30 Bewohner der Hinterscheide und des Ederdorfs vor dem Haus von Nicolas Hansen in der Tylestraße. Per Telefonkette und durch Gespräche über den Gartenzaun haben die Menschen von dem Treffen erfahren. Es soll der Widerstand gegen die vom Rodenbacher Landwirt Thomas Söhnel im Feld kurz vor dem Rodenbacher Steinbruch geplante Schweinemastanlage besprochen werden. In einer Garage bietet Hansen heißen Kaffee an.

Nach und nach kommen weitere Menschen. Sie berichten, dass sie nur durch Zufall von der Spontanaktion erfahren hätten. Das soll anders werden, verkündet Hansen, der zunächst das Wort ergreift. „Wir sind alle gleichermaßen betroffen.“ Es sei zwar erst seit wenigen Tagen bekannt, dass unweit der Bebauung ein Schweinemastbetrieb errichtet werden soll. Und noch liege auch die Genehmigung dafür nicht vor. „Man kann aber gar nicht früh genug anfangen, Widerstand zu leisten. Denn irgendwann kann es zu spät sein.“ Ziel dieses ersten Treffens solle sein, überhaupt in Erfahrung zu bringen, welche Aktionen in den Straßen der Hinterscheide und des Ederdorfs bereits initiiert worden seien.

Hansen berichtet von einem Brief mit einer Unterschriftenliste, die Harald Vogel verfasst hat. Adressat ist der Magistrat der Stadt Frankenberg. Darin werden die Bedenken gegen die Anlage geschildert. Aus der Runde, die meisten schützen sich mit einem Regenschirm vor dem Schnee, kommt der Hinweis, dass die Stadt ja eigentlich nicht der richtige Empfänger dieses Briefes sei. „Die Stadt gibt ja nur eine Stellungnahme zu dem Bauvorhaben ab. Die Entscheidung trifft das Kreisbauamt. Vielleicht sollten der Brief und die Liste mit den Unterschriften dorthin geschickt werden.“ Hansen nimmt die Anregung zu Protokoll.

Dann meldet sich Werner Vetter zu Wort. Er ist der einzige Rodenbacher, der von der Versammlung erfahren hat. Er weist darauf hin, dass auch die Mehrheit der Rodenbacher die Baupläne ablehnen würde. Offiziell soll das Ergebnis der Befragung zu den Bedenken gegen die Anlage erst am Montag vom Rodenbacher Ortsbeirat an die Stadt weitergeleitet werden. Vetter kennt die Abstimmung allerdings schon, sagt er. Bei der anonymen Befragung, die jedoch nicht anonym war, da der Ortsbeirat die Zettel an den Haustüren abgab und wieder abholte, hätten 40 Prozent gegen das Vorhaben votiert. 30 Prozent hätten sich enthalten, weitere 23 Prozent hätten keine Bedenken geäußert.

Vetter mutmaßt jedoch, dass das tatsächliche Stimmungsbild anders sei. „Es sind mit Sicherheit 60 Prozent dagegen.“ Aus diesem Grund wolle er die Informationen der Frankenberger Bewegung gerne in den Stadtteil tragen und auch die Rodenbacher über die geplanten Protestaktionen auf dem Laufenden halten. Sicherlich würden an einem nächsten Treffen auch zahlreiche Bewohner des Walddorfs teilnehmen, glaubt er. Später einigt sich die Gruppe darauf, dass ein nächstes Treffen am Samstag, 26. Februar, um 11 Uhr bei Werner Vetter in Rodenbach stattfinden soll.

Aus der inzwischen gut und gerne 60 Menschen zählenden Versammlung heraus kommt der Verweis, dass noch eine weitere Unterschriftenliste im Umlauf sei. Stephan Krummel regt an, ein kleines Team zu bilden, dass für die weitere Organisation des Widerstands zuständig ist. Es wird dazu eingeladen, am Mittag im Gasthaus „Vöhl“ in der Fußgängerzone dem Protest eine Form und Sprecher zu geben. „Wir sollten eine Speerspitze bilden“, sagt Krummel. Aufgaben könnten sein, Informationen einzuholen und die rechtliche Sicht zu prüfen.

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