Frankenberg

Bürgermeisterwahl: SPD-Chef auf der Suche nach dem Leck

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- Frankenberg (jos). „Etwas gedrückt“ sei die Stimmung gewesen, als sich die Frankenberger SPD-Führung am Montag zu einer Krisensitzung getroffen hat, sagte Vorsitzender Volker Heß. Denn die Genossen wollten nicht, dass ihr Wunschkandidat vor der Mitgliederversammlung bekannt wird. Derweil ist im Internet eine Diskussion über den Bewerber Gerd Nienhaus entfacht.

Im Diskussionsforum auf dieser Internetseite ist seit unserer Berichterstattung vom Samstag genau das passiert, was die hiesige SPD-Führung tunlichst verhindern wollte: Noch bevor die Mitglieder einen Bürgermeisterkandidaten gewählt haben, wird der Vorschlag von Findungskommission, Vorstand und Fraktion heiß diskutiert. Und zwar unter Hinzuziehung von allerlei Details aus Nienhaus’ bisheriger beruflicher Laufbahn in Marburg.

Was davon der Wahrheit entspricht und was nicht – dazu wollten weder Gerd Nienhaus selber noch sein Dienstherr, die Kreisverwaltung von Marburg-Biedenkopf, auf FZ-Nachfrage Stellung beziehen. Nur so viel sagte ein Sprecher der Behörde: „Alles ist korrekt gelaufen.“ Damit bezog er sich auf die Anmerkung eines anonymen Schreibers, der behauptet hatte, Nienhaus habe versucht, den „Klüngelsumpf“ im Landratsamt auszutrocknen, und sei deshalb nun „Dreckwerfern“ aus der Kreisverwaltung ausgesetzt.

Fakt ist indessen, dass sich Nienhaus vor einigen Jahren mit einer sogenannten Konkurrentenklage an ein Verwaltungsgericht gewendet hat. Damit dürfte er sich bei einigen Kollegen im Kreishaus unbeliebt gemacht haben. In der Sache ging es um die Stelle des Kreisbrandinspektors. Landrat Fischbach hatte Lars Schäfer für diesen Posten ausgewählt. Nienhaus sah in sich allerdings den qualifizierteren Bewerber und rief das Gericht an. Letztlich hatte Nienhaus allerdings das Nachsehen: Schäfer blieb Kreisbrandinspektor. Nienhaus wechselte später innerhalb der Verwaltung vom Fachbereich Gefahrenabwehr zu einem anderen Fachdienst. Derzeit ist er, wie am Samstag berichtet, für das „Schul- und Infrastrukturmanagement“ zuständig.

Deutlich wird an der Debatte im Internet auch, dass es in der Stadt Wetter einige Leute gibt, bei denen Nienhaus „angeeckt“ ist. Von eher kurzer Dauer waren wie berichtet Nienhaus’ Amtszeiten als stellvertretender Stadtbrandinspektor sowie als Vorsitzender des TSV Amönau. „Das war uns natürlich bekannt, spricht aber nicht gegen eine Nominierung“, betonte SPD-Chef Heß gegenüber der FZ. Neben dem Findungsausschuss stünden auch Vorstand und Fraktion geschlossen hinter Nienhaus.

Weiterhin gibt es allerdings Kommentatoren im Internet, die lieber Daniela Neuschäfer oder Hendrik Sommer als Bürgermeisterkandidaten sehen würden. Mit der Nominierung von Nienhaus habe Heß der SPD einen „Bärendienst“ erwiesen, schreibt ein Nutzer. Bleibt also abzuwarten, ob entsprechende Stimmen auch bei der SPD-Mitgliederversammlung laut werden oder ob sich die Genossen hinter den Vorschlag der Parteiführung stellen. Die SPD-Mitgliederversammlung findet am nächsten Montag statt. Die Sitzung ist nicht öffentlich. Volker Heß kündigte allerdings an, dass er unmittelbar nach der Abstimmung über das Ergebnis der Kandidatenkür eine Presse-Erklärung abgeben werde.

Insgesamt sechs Personen hatten sich laut Heß bei der Findungskommission ausführlich vorgestellt. „Es war ein langer Prozess“, unterstrich der SPD-Chef. Nienhaus sei daraus als der beste Bewerber hervorgegangen. Was bei der Wahl den Ausschlag gegeben hat, werde er den Mitgliedern am Montag erklären, so Heß. Knapp hundert Genossen zählt der SPD-Ortsverein. Auch aus diesen Reihen habe es laut Heß Bewerber für die Bürgermeisterkandidatur gegeben. Trotzdem hofft der Vorsitzende auf Geschlossenheit – wenngleich eine Kampfabstimmung bei der Mitgliederversammlung durchaus möglich sei. Jedes SPD-Mitglied könne bei der Sitzung einen weiteren Kandidaten vorschlagen, betonte Heß. Er selber rechne allerdings nicht damit, dass das passiert.

Als sich die SPD-Führung am Montagabend zu einer Krisen-Sitzung getroffen hat, war die Stimmung laut Heß „etwas gedrückt“. Das dürfte allerdings einigermaßen untertrieben sein: Denn wie Heß am Dienstag bestätigte, ist innerhalb der Genossen unlängst die Suche nach dem Leck ausgebrochen, durch das die Informationen über die Kandidatenkür gesickert sind. Der SPD-Chef versucht seit Samstag mit Hochdruck herauszufinden, wer entgegen den internen Beschlüssen verraten hat, dass Nienhaus der Wunschkandidat der Parteiführung ist. Nienhaus selber hat indes mit seinem Besuch bei der Verabschiedung von Bürgermeister Christian Engelhardt am Donnerstag in Röddenau seinen Beitrag dazu geleistet, dass sein Name in Umlauf gekommen ist.

Als Reaktion auf die FZ-Berichterstattung vom Samstag sei bei der Krisensitzung am Montag beschlossen worden, die Personalie Nienhaus nun offensiv zu kommunizieren, sagte Heß und kündigte eine Pressemitteilung an. Darauf berief sich auf erneute Nachfrage der FZ auch Nienhaus selber.

Im Internet hat der Wunschkandidat der Frankenberger SPD-Führung indes schon am Wochenende begonnen, den Wahlkampf vorzubereiten: Im sozialen Netzwerk „Facebook“ hat sich der Wetteraner einen neuen Zugang angelegt, der im Vergleich zu dem alten Profil professioneller wirkt. Beim Internet-Nachrichtendienst „Twitter“ ist Nienhaus auch vertreten. Dort beschreibt er sich als „offen, kompetent und geradeheraus“. Was er wohl denen, die ihn bislang nicht kennen, noch erklären muss, ist sein Nickname bei Twitter. Dort nennt sich Nienhaus nämlich „Schweinegerd“.

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