Ministerium prüft Nutzungskonzept · Sanierung des Sportplatzes, Sporthallenneubau

Bund investiert in den „Einöd-Standort“

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Waldeck-Frankenberg - Vor 50 Jahren sind die ersten Soldaten in die Burgwald-Kaserne eingerückt. Tausende Wehrpflichtige, Zeitsoldaten und Berufssoldaten haben seitdem in den Gebäuden gearbeitet und gelebt. Kein Wunder, dass der Zahn der Zeit und die intensive Nutzung Spuren an und in den Blocks hinterlassen haben. Der „von oben“ verhängte Investitionsstopp ist nun aufgehoben worden.

In Bundeswehrkreisen muss das Datum 26. Oktober nicht weiter ausgeführt werden. Eigentlich weiß jeder Soldat, dass dieser Tag des vergangenen Jahres ein besonderer in der Geschichte der Bundeswehr war. Dies gilt auch für die Soldaten des Frankenberger Bataillons für Elektronische Kampfführung 932. Der Grund: Am 26. Oktober 2011 präsentierte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière Details der Bundeswehr-Reform und lüftete in diesem Zug eines der in den Vormonaten am besten gehüteten Geheimnisse: welcher Bundeswehr-Standort geschlossen wird.

Auch die Frankenberger Soldaten hatten in den Wochen und Monaten zuvor gehofft und gebangt, ob ihre Heimat-Kaserne eine Zukunft hat? Ob das EloKa-Bataillon im Sommer 2012 zuversichtlich das 50-jährige Bestehen des Garnisionsstandortes Frankenberg feiern kann?

Oder ob das Fest angesichts einer angekündigten Schließung zu einem „Trauerkaffee“ mutiert? Denn in Bundeswehrkreisen machten die verschiedensten Gerüchte die Runde. Eines lautete: Aus baulicher Sicht ist die Kaserne derart marode, dass sie geschlossen werden muss. 30, 40, ja sogar von einem Investitionsbedarf von 50 Millionen Euro war die Rede.

„Teure Mäuse-Rennbahn“

Das Ergebnis ist bekannt: Die Bausubstanz und der Investitionsbedarf waren offensichtlich nicht ausschlaggebend, denn die Burgwald-Kaserne bleibt auf absehbare Zeit die Heimat des EloKa-Bataillons 932. Es wird sogar erwartet, dass aus dem von der Auflösung betroffenen EloKa-Bataillon 922 in Donauwörth in Bayern einige Soldaten nach Frankenberg wechseln. Sie könnten in eine Kaserne kommen, in der in den nächsten Jahren Bagger ebenso zum Bild gehören wie Transportpanzer Fuchs. Denn der Bund will zügig mit Investitionen beginnen.

„Die erste Bremse wurde bereits gelöst“, berichtet Oberstleutnant Meik Kotthoff. Als Stellvertreter von Kommandeur Oberstleutnant Elmar Henschen ist der Kasernenkommandant für die Infrastruktur verantwortlich. Noch in diesem Jahr soll in der Burgwald-Kaserne der sogenannte „Roll-out“ von „Herkules“ erfolgen. So lautet der Name eines Projektes der Bundeswehr zur Standardisierung und Modernisierung ihrer nicht militärischen Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Alle Bundeswehrstandorte sollen bis 2015 mit dieser neuen IKT ausgestattet werden. Im Laufe von zehn Jahren sollen deutschlandweit 140?000 Computerarbeitsplätze, 7000 Server, 300?000 Festnetz-Telefone und 15?000 Mobiltelefone auf einer gemeinsamen Systembasis eingerichtet werden. In der Burgwald-Kaserne wurden bereits vor einiger Zeit für rund 500?000 Euro Leerrohre für die neuen IT- und Netzwerkleitungen verlegt. „Wir haben immer gescherzt“, erzählt Kotthoff, „das ist die teuerste Mäuse-Rennbahn Deutschlands.“ Doch jetzt sei die Investitionssperre aufgehoben, sodass die Technik eingeführt werde.

Doch nicht nur mit diesem Projekt beschäftigen sich der Oberstleutnant und sein in Sachen Infrastrukturmaßnahmen wichtigster Mitarbeiter, Stabsfeldwebel Peter Laudenbach. Im Spätsommer soll auch mit dem Bau eines neuen Sportplatzes begonnen werden.

„Die Planung befindet sich im Endstadium“, sagt der Standortfeldwebel. Der Bau eines modernen Platzes mit Rasenfläche, Laufbahn und Sprunggrube wird voraussichtlich 950?000 Euro kosten. „Es ist uns wichtig, dass es bald losgeht und dass durch die Investitionen auch Zeichen für die Soldaten gesetzt werden.“ Zumindest 2012 auf den Weg gebracht werden soll laut Laudenbach der Neubau einer Sporthalle mit angeschlossenem Kleinspielfeld. Vor allem diesen Investitionen in die Sportanlagen misst Kotthoff besondere Bedeutung bei. „Wir müssen einfach versuchen, den Standort für Soldaten attraktiv zu machen“, sagt der Oberstleutnant. Und dazu zählen seiner Meinung nach nun mal Sportanlagen, die auf dem Stand der Zeit sind. Angedacht ist deshalb beispielsweise auch die Einrichtung eines Kraftraumes sowie einer Sauna in der neuen Sporthalle ? durchaus erwähnenswerte Angebote. Sogenannte „Einöd-Standorte“, die weit von den Ballungsräumen entfernt liegen, erhalten zur Strukturverbesserung solche Einrichtungen. Und nach Bundeswehr-Definition handelt es sich bei der Burgwald-Kaserne um eine solche Einzellage.

1,5 Millionen Euro pro Block

Etwa vier Millionen Euro dürfte die Sporthalle kosten. Auf etwa das Zehnfache dieser Investition hat der Bund vor vier Jahren die Kosten für eine Komplettsanierung der Burgwald-Kaserne beziffert.

Die Projekte mit einer Investitionssumme in Höhe von 43 Millionen Euro hätten seinerzeit zur Genehmigung beim Bundesverteidigungsministerium gelegen, erläutert Kasernenkommandant Kotthoff.

Das Konzept sah den Abriss der Unterkunftsgebäude und den Neubau nach dem Modell „Kaserne 2000“ vor: zwei Soldaten teilen sich eine Nasszelle. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro pro Block. Bei acht Unterkunftsgebäuden mit integriertem Bürotrakt summierte sich das Projekt somit auf zwölf Millionen Euro. Auf sechs Millionen Euro wurde der Neubau eines Wirtschaftsgebäudes mit Truppenküche und Betreuungseinrichtungen für die verschiedenen Laufbahnen taxiert. „Aktuell wird geprüft, wie ein Gesamtkonzept nach Umsetzung der Bundeswehr-Reform aussehen könnte“, erläutert Kotthoff und verweist auf die veränderten Rahmenbedingungen. Zum einen soll die Zahl der Dienstposten in Frankenberg von rund 1000 auf 700 sinken. Wenngleich die Stellen ohnehin nicht alle besetzt waren und das EloKa-Bataillon keinen Aderlass erleiden wird, so muss laut Oberstleutnant doch an einigen Stellschrauben gedreht werden. „Durch den Wegfall der Wehrpflicht haben wir ja deutlich weniger Mannschaftsdienstgrade in der Kaserne.“ Und dies führt wiederum zu Änderungen in den Nutzungsanforderungen.

Neubau nicht vor 2015/2016

Zu welchem Ergebnis der Bund aber auch immer kommt, mit dem Neubau von Unterkunftsgebäuden rechnet der stellvertretende Kommandeur nicht vor 2015 oder 2016.

„Doch der Sanierungsbedarf ist trotz der bestandserhaltenden Investitionen der vergangenen Jahre auch aktuell vorhanden“, sagt Standortfeldwebel Laudenbach. Und deshalb würden weiterhin jährlich 500?000 bis 600?000 Euro in die 50 Jahre alten Gebäude investiert: angefangen von Stuben in den Unterkunftsgebäuden bis zu den Einheiten des Feldwebelwohnheims. „Denn absolut verwohnte Stuben wollen wir nicht haben“, betont Laudenbach. Und schließlich bleibe ja auch ein großer Teil der Funktionsgebäude, etwa der Stab, in der aktuellen Form erhalten. Und auch die Sanitäreinrichtungen stünden so langsam wieder zur Sanierung an. Zwischen 2003 und 2007 waren sie in allen Unterkunftsgebäuden erneuert worden. „Aber das ist nun auch bald schon wieder zehn Jahre her“, sagt Standortfeldwebel Laudenbach. An einer Zwischenrenovierung bis zum Neubau in einigen Jahren komme der Bund deshalb nicht vorbei, ist Kotthoff überzeugt.

Warten auf Gesamtkonzept

Guter Hoffnung ist der Oberstleutnant, dass das Bataillon seine Truppenküche behält ? keine Selbstverständlichkeit. In etlichen Kasernen sind „Caterer“, also private Großküchen, für die Versorgung zuständig. Noch ungewiss ist hingegen die langfristige Zukunft des Kasinos. „Laut des ursprünglichen Zielkonzeptes wäre es geschlossen worden“, berichtet der Kasernenkommandant. „Wir würden uns natürlich wünschen, dass es bestehen bleibt“, sagt er. Immerhin sei das Kasino nicht nur bei Offizieren und Unteroffizieren beliebt, sondern auch ein „räumliches Bindeglied zwischen Bundeswehr und Gesellschaft“. Kotthoff verweist auf die zahlreichen ehemaligen Soldaten und Mitglieder der Kasinogesellschaft, die dort regelmäßig ihren Kontakt zu aktiven Kameraden pflegen. Wann das neue, vom Ministerium abgesegnete Gesamtkonzept vorliegt, steht laut Oberstleutnant Kotthoff noch nicht fest. Wann es umgesetzt sein wird, ist erst recht nicht abzusehen. Doch große Worte verliert darüber niemand im Bataillon für Elektronische Kampfführung 932. Denn mit großen Baustellen und der nicht absehbaren Dauer der Arbeiten kennen sich die Soldaten aus. Umgangssprachlich bezeichnen sie schließlich auch den Einsatz in Afghanistan als Baustelle. Und wann diese Aufgabe erfolgreich beendet sein wird, steht ebenfalls in den Sternen.

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