Bromskirchen

BUND klagt gegen Regierungspräsidium

- Bromskirchen (r/sg). Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat am Freitag eine Verbandsklage gegen das Kasseler Regierungspräsidium eingereicht – er sieht bei der Genehmigung der geplanten Sanierung des Silbersees „maßgebliche Vorschriften“ missachtet.

„Wir wollen verhindern, dass unnötig wertvolle und geschützte Grünlandflächen und Brutbiotope des Eisvogels zerstört werden“, erklärt Frank Schütz vom Somplarer BUND-Ortsverband.

Der Silbersee soll wie berichtet wegen seiner schlechten Wasserverhältnisse durch eine Abflachung der Ufer und eine Verkleinerung der Gewässeroberfläche renaturiert werden. Der BUND begrüße grundsätzlich die Aufwertung des Silbersees, betont Schütz. Doch die Verknüpfung der Sanierung mit einer „angeblichen Bachrenaturierung“ und die Entnahme des benötigten Materials aus dem benachbarten Naturschutzgebiet „Oberer Linspherbach“ lehne der Verband ab. Denn dies bringe erhebliche Eingriffe in das Bachbett und in das angrenzende Grünland im Naturschutzgebiet mit sich. Außerdem sei das Bodenmaterial am Bach wegen seines hohen Nährstoffgehalts zur Renaturierung des Silbersees schlecht geeignet. Der BUND habe in seiner Stellungnahme aufgezeigt, dass die Begründungen zur Umgestaltung des Linspherbaches falsch seien, sagt Schütz. So gebe es „weder die behaupteten Wanderhindernisse für die Tierwelt noch eine monotone Gewässerstruktur als Folge einer Bachverlegung in der Vergangenheit“. Der Verband habe mit einer Karte aus dem Jahr 1854 belegt, dass der Bach nicht verlegt worden sei.

Der BUND halte es für unverantwortlich, für die Sanierung 180 .000 Euro auszugeben, obwohl es am Linspherbach Strecken mit einem dringenderen Renaturierungsbedarf gebe. Ob für die künftig noch Geld zur Verfügung stehe, sei angesichts der angespannten finanziellen Lage fraglich. Da die komplette Eder-Renaturierung bei Hatzfeld mit positiven Effekten für den Hochwasserschutz rund 250  000 Euro gekostet habe, fordere der BUND einen sorgsameren Umgang mit Steuergeldern. Erst am vorigen Mittwoch hatte es einen Erörterungstermin gegeben, an dem auch der BUND teilgenommen hatte. Teilnehmer sagen, die Bedenken seien dabei ausgeräumt worden, deshalb hatte das Regierungspräsidium die Genehmigung erteilt. Doch der BUND bleibt bei seiner Kritik – und klagt.Das Regierungspräsidium sieht der Klage gelassen entgegen, wie Pressesprecher Michael Conrad erklärt, die Entscheidung sei sachgerecht gewesen.

Bürgermeiser Karl-Friedrich Frese verweist darauf, dass die Gemeinde die wasserrechtliche Genehmigung des Kreises und inzwischen auch die naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums vorliegen habe. Das hessische Umweltministerium habe 118. 000 Euro an Zuschuss bewilligt. Dem seien doch fachliche und rechtliche Prüfungen vorausgegangen, gibt er zu bedenken. Daher hofft er, dass die Gemeinde die Sanierung des Silbersees doch noch umsetzen darf – „zum Nutzen der Natur und der Menschen, die hinter dem Projekt stehen“.

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