Frankenberg

Bundesgerichtshof: Prozess gegen brutalen Schläger muss neu aufgerollt werden

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- Karlsruhe/Frankenberg (jos). Weil er zusammen mit drei weiteren Schlägern einen jungen Mann fast zu Tode gequält hat, ist Dominik U. im Januar zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Die grausamen Misshandlungen müssen jetzt neu verhandelt werden.

Nach dem Urteilssspruch des Vorsitzenden Richters Thomas Wolf am Marburger Landgericht hatte die Betreuerin des Opfers als Nebenklägerin durch ihren Anwalt eine Revision des Verfahrens beantragt. Dem hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Mittwoch statt gegeben, erklärte eine Sprecherin am Donnerstag auf WLZ-FZ-Nachfrage. Vor einer anderen Kammer des Marburger Landgerichts müsse der Fall jetzt neu verhandelt werden. Zur Begründung des BGH-Urteils war nichts zu erfahren.

Rückblick: Am späten Abend des 25. Januar 2008 spielen sich in einer Wohnung in der Nähe des Frankenberger Bahnhofs unfassbare Szenen ab. Über eine Stunde lang schlagen und treten zwei junge Männer und zwei junge Frauen auf ihren damals 22-jährigen Bekannten ein. Das Opfer erleidet unvorstellbare Qualen. Dominik U. verlässt im Laufe der Misshandlungen die Wohnung. Die anderen drei Schläger tragen ihr Opfer schließlich zum Parkplatz am Landratsamt und verständigen anonym den Rettungsdienst. Es grenzt an ein Wunder, dass der junge Mann überlebt. Doch die Misshandlungen haben schlimme Folgen: Das Opfer der brutalen Schläger ist ein Pflegefall, sein Leben zerstört.

Ende des vorigen Jahres wird den brutalen Schlägern der Prozess gemacht. Drei der Angeklagten räumen die Tat weitgehend ein. Sie werden im Oktober vor dem Marburger Landgericht verurteilt. Der Prozess gegen Dominik U. wird abgetrennt. Denn er will die Wohnung verlassen haben, als das Opfer nur leicht verletzt gewesen sei.

Tötungsabsicht?

Am 28. Januar fällt Richter Thomas Wolf das Urteil gegen Dominik U.: Neun Jahre Haft – mit der Aussicht auf eine wesentlich frühere Entlassung bei Erfolg einer Alkoholentzugs-Therapie. Das Urteil ist für keine der beiden Seiten zufriedenstellend: Die Staatsanwaltschaft hat eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung wollte eine Bewährungsstrafe. Weiter hätten die Forderungen kaum auseinander gehen können.

Dass ein anderes Gericht auch anders urteilen könnte – daraus hat Richter Wolf keinen Hehl gemacht: „Es ist durchaus auf der Kippe, man kann das auch anders sehen – etwa so wie die Staatsanwältin.“ Letztlich war es darum gegangen, ob Dominik U. eine Tötungsabsicht nachzuweisen ist. Diese Frage verneinte das Gericht. Sie wird jetzt eine andere Kammer des Marburger Landgerichts noch einmal beschäftigen.

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