Frankenberg

Bundesverdienstorden für Dagmar Adomeit

- Frankenberg (gi-). „Menschen wie Dagmar Adomeit zeigen durch ihr Wirken, dass unsere Gesellschaft nicht kalt und egoistisch ist, und dass Werte noch Bestand haben“, erklärte Bürgermeister Christian Engelhardt am Montag bei der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an die engagierte 81-jährige Frankenberger Mitbürgerin.

Dagmar Adomeit wurde am 9. Juni 1928 in Königsberg im ehemaligen Ostpreußen – heute eine russische Exklave „Oblast Kaliningrad“ – geboren. Mit ihrer Familie musste sie 1945 als 17-Jährige fluchtartig ihre Heimat verlassen, kam nach Rendsburg und absolvierte dort eine Ausbildung als Arzthelferin. 1953 heiratete sie und wurde Mutter von fünf Kindern. Seit 1982 lebt sie in Frankenberg.

Über Jahrzehnten ist sie bestrebt, das Kulturgut ihrer geliebten ostpreußischen Heimat zu pflegen und nachfolgenden Generationen zu vermitteln; bereits seit 1980 ist sie beim Bund der Vertriebenen (BdV) aktiv. Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Weitergabe von traditionellen handarbeitlichen Techniken aus Ostpreußen. Hierfür bietet sie nicht nur Kurse in Frankenberg an, sondern auch im Raum Marburg und Wetzlar.

Seit 1984 führt Dagmar Adomeit die „Ostdeutsche Frauengruppe“ in Frankenberg. Unter ihrer Anleitung werden Dialekt, Liedgut und Bräuche der alten Heimat weitergegeben und lebendigerhalten. Besonders am Herzen liegt ihr die Seniorentanzgruppe, deren Leitung sie 1988 übernahm. Denn auch über den Volkstanz wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die ebenfalls überwiegend Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten sind, die Erinnerung an die Heimat wachgehalten. In diesem Zusammenhang werden für diverse Veranstaltungen in fast allen Bundesländern auch öffentliche Auftritte einstudiert und Freizeiten organisiert.

2003 wurde Dagmar Adomeit zur Kulturreferentin des BdV-Kreisverbands Waldeck-Frankenberg gewählt. Da sie aufgrund ihrer vielfältigen kulturellen Arbeit auch über gute Kontakte in ihre frühere Heimat verfügt, beteiligt sie sich an der Organisation von Hilfslieferungen zu Gunsten der deutschen Minderheit im ehemaligen Ostpreußen.

Bürgermeister Engelhardt: „Man spürt, dass Dagmar Adomeit voll und ganz hinter dem steht, was sie anregt und tut.“ Auf diese Weise habe sich die Geehrte „in hohem Maße um das Gemeinwohl verdient gemacht“, unterstrich der Rathauschef und zitierte Konrad Adenauer: „Ehrungen, das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat“. Gleichzeitig überreichte Engelhardt eine von Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnete Urkunde. Der Orden solle „strahlen und einen Leuchtturm-Effekt erzielen, um für Andere ein Beispiel zu setzen“.

Dank- und Grußworte richteten Karla Weyland von der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen und Helga Schewe vom Bundesverband der Seniorentanzgruppen an die Geehrte. Erna Nahm trug ein selbst verfasstes Ostpreußen-Gedicht vor. Dagmar Adomeit erklärte: „Ohne euch hätte ich das alles nicht leisten könne. Ihr habt euch so schön begeistern lassen“. Bei ihren Fahrten durch das heute russische Ostpreußen habe sie feststellen müssen: „Sie haben unser Land genommen, aber sie machen nichts daraus. Alles liegt brach und verkommt“. Bei den Polen würden mitunter Ängste geschürt, die Deutschen wollten ihr Land zurückhaben. Darüber hinaus gebe es immer noch unhaltbare Geschichtsverfälschungen. Wie lange wird es die Landsmannschaften noch geben? Dagmar Adomeit: „So lange wir leben!“

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