Frankenberger Energegesellschaft soll Burgwaldkaserne nicht heizen

Bundeswehr erteilt EGF eine Absage

Die Bundeswehr hat die Wärmeversorgung der Burgwaldkaserne neu ausgeschrieben, die EGF gehörte zu den Bietern. Der Frankenberger Versorger hat jedoch eine Absage erhalten.Archivfotos: rou/apa

Frankenberg - Nicht die EGF, sondern ein fremder Anbieter soll die Burgwaldkaserne künftig mit Wärme versorgen. Dennoch hält Geschäftsführer Karl-Heinz Schleiter eine nahe Biogasanlage für realisierbar.

„Enttäuscht waren wir schon, denn wir haben da viel Herzblut reingesteckt - aber das ist bei Ausschreibungen nun einmal so“, sagt Karl-Heinz Schleiter. Der Geschäftsführer der Energie-Gesellschaft Frankenberg (EGF) hat vor wenigen Tagen eine Absage der Bundeswehr bekommen. Der heimische Energieversorger war eines von insgesamt zehn Unternehmen, die auf eine Ausschreibung zur Wärmeversorgung der Burgwaldkaserne reagiert hatten.

„Wir waren überzeugt - und sind es noch - einen guten Preis geboten zu haben“, sagt Schleiter - doch der Preis war es letztendlich, der bei der zuständigen Wehrbereichsverwaltung West die Weichen in Richtung eines Konkurrenten gestellt hat. Schleiter sagt aber auch: „Wir können keinen Preis machen, der ein Kampfpreis ist, nur um da reinzukommen“ - nicht als regionaler Versorger.

Das Konzept der Energie-Gesellschaft beruhte auf drei Säulen: Einem Blockheizkraftwerk auf der Basis von Bio-Methan, einem Hackschnitzel-Kessel und zwei Spitzenkesseln, die mit Erdgas feuern. Im Zuge der energetischen Sanierung der Kaserne sollten letztere immer weniger genutzt werden. Im Gegenzug sollte der Anteil von ökologisch erzeugter Wärme steigen. Bei öffentlichen Ausschreibungen wie an der Kaserne müssen inzwischen mindestens 25 Prozent der Energie aus regenerativen Quellen stammen - künftig sogar 50 Prozent.

Kein Aus für Biogas-Anlage

Das Bio-Methan sollte mittelfristig aus der geplanten Biogas-Anlage zwischen der Landesstraße, der Kaserne und dem Hof Schwieder stammen. „Die Entscheidung der Bundeswehr bedeutet nicht das automatische Aus für die Biogasanlage in Frankenberg“, betont der EGF-Geschäftsführer, der auch mit einer Klage der Bürgerinitiative gegen das Projekt zu kämpfen hat. Jedoch: „Die Bundeswehr wäre eine gute Grundlage für die Wirtschaftlichkeit, lastet eine derartige Anlage aber nicht aus“ - will heißen: Selbst mit der Bundeswehr als Abnehmer braucht es weitere Kunden.

Karl-Heinz Schleiter macht klar: Rechtliche und wirtschaftliche Sicherheit gegeben, will die Biogas-Frankenberg GmbH, deren alleiniger Anteilseigner bislang die EGF ist, auf jeden Fall eine Anlage in Frankenberg bauen - idealerweise an dem bislang dafür vorgesehenen Standort. „Wenn die Bedingungen passen, dann denken wir nicht noch mal drüber nach, dann wollen wir loslegen“, sagt er. Wir - das sind neben der EGF die „landwirtschaftliche Seite“, also der Maschinenring, der Frankenberger Kreisbauernverband und einzelne Bauern, sowie „ein heimisches Industrieunternehmen“. „Ich möchte aber auch eine mögliche Beteiligung einer Energiegenossenschaft, in welcher Form auch immer“, sagt Schleiter. Die Bürger sollen also eingebunden werden, wenn sie das wünschen - wohl eher in Form einer risikoärmeren Finanzierung als einer direkten Beteiligung. „Das wäre Wertschöpfung in der Region.“Die will die EGF wenn möglich auch aus der neuen Situation in der Burgwaldkaserne ziehen, auch ohne direkt beteiligt zu sein. „Ich kann mir nur vorstellen, dass ein großer Anbieter den Zuschlag erhalten hat“, zeigt sich Karl-Heinz Schleiter sicher. „Und ich gehe davon aus, dass auch der Gewinner mit Bio-Methan arbeiten wird“ - die Konzepte müssten sich also weitgehend ähneln. Der heimische Versorger habe deshalb einige Vorteile: „Ich kann ein Angebot machen, wenn wir Bio-Methan günstiger produzieren können“, sagt Schleiter. Auch im Bereich der Holzschnitzel habe die EGF einen Vorteil: Nah am Hersteller, kurze Lieferwege. „Und wir haben Vorteile im Netz-Bereich“, ist der Geschäftsführer der EGF überzeugt. „Wir werden mit dem Unternehmen in Kontakt treten und wollen Dienstleistungen und Anlagenteile anbieten.“ Das reiche von der Instandsetzung bis zum Betrieb des Heizwerkes in der Burgwaldkaserne: „Wir sind vor Ort“, lockt Schleiter.

Enger Zeitplan der Wehr

Sollte eine wie auch immer geartete Beteiligung an dem Projekt zustande kommen, geht es für die EGF schnell voran - für den Gewinner der Ausschreibung ohnehin: Baubeginn in der Kaserne soll direkt nach dem Jahreswechsel sein. Zu Beginn der Heizperiode soll - und muss - die neue Heizanlage der Bundeswehr am Frankenberger Standort betriebsbereit sein. Die EGF plante, mit ihrem Konzept anfangs Wärme für umgerechnet rund 200 Haushalte an die Bundeswehr zu liefern. Da der Energiebedarf der gesamten Kaserne durch die anstehenden Sanierungsarbeiten sinken soll, gilt das gleiche auch für die gelieferte Energiemenge.

Diese Aufgabe liegt nun in den Händen eines anderen Anbieters. Welcher genau ist noch nicht bekannt: Weder in der zuständigen Wehrbereichsverwaltung West oder dem Dienstleistungszentrum der Bundeswehr in Homberg war am gestrigen Tag der Vertragsunterzeichnung eine Stellungnahme zu erhalten.

Deutlicher ist Schleiter: Die Biogasanlage sei weiterhin interessant und besonders auch an diesem Standort. „Die Eigenvermarktung von Strom wird besser“, erklärt er, gerade für den Spitzenstrom würden gute Preise gezahlt. In Zeiten steigender Öl- und Gaspreise rentiere sich eine derartige Investition im Laufe der Zeit: „Momentan ist die Anlage so bestimmt nicht rentabel. Wir müssen es dann machen, wenn wir so weit sind.“

Kommentare