Künstler-Ehepaar Betz-Böttner hat bäuerliche Gesindetruhen wieder entdeckt

Bunte Blumen als Begleiter

Gesindetruhe aus Korbacher Haushalt: Das Wolfgang-Bonhage-Museum bewahrt dieses bunt bemalte Möbelstück mit der Inschrift „Anno 1865“ zusammen mit vier weiteren Exemplaren auf.

Frankenberg/Korbach. Wenn früher am Jahresende Mägde ihre „Stellung“ wechselten, bestand das Gepäck mit ihrer persönlichen Habe meist nur aus einer schlichten Fichtenholzkiste, die aber dafür umso schöner bemalt war. Im Waldeck-Frankenberger Land waren im 19. Jahrhundert besonders „Schnetter Truhen“ aus dem Thüringer Wald sehr beliebt. Die Frankenberger Kunsterzieherin Barbara Betz-Böttner hat mit ihrem Mann, dem Holzgestalter Stefan Böttner, diese in Vergessenheit geratenen, schmuckvollen kleinen Möbelstücke wieder entdeckt und gleich ins Herz geschlossen.

Während bürgerliche Truhen und massive Bauernmöbel in den vergangenen Jahrzehnten gern von Restauratoren zur Wiederverwendung aufgearbeitet wurden, hat die einfachen Gesindetruhen aus Weichholz kaum jemand beachtet. „Aus Gewichts- und Kostengründen mussten sie leicht sein, deshalb waren ihre Deckel auch bald beschädigt oder die Scharniere herausgebrochen“, sagt Stefan Böttner. „Dafür wirkten die floralen Motive, die Farben und die Sinnsprüche, mit denen die Thüringer Handwerker die für Hessen bestimmten Truhen bemalten, umso reizvoller“, ergänzt seine Frau. Blau war die Grundfarbe des Exportgutes nach Hessen, deshalb „Hessenladen“ genannt, für Thüringen gab es die Kisten in Grün.

Durch einen Zufall stieß das Künstler-Ehepaar auf die in Schnett hergestellten Truhen: In Wiesenfeld wurde ein aus Marburg stammendes Exemplar, mit dem die Großmutter einst „in Stellung“ gezogen war, aufbewahrt. Barbara Betz-Böttner, die während ihres Studiums mehrere Jahre im Bayerischen Nationalmuseum München Exponate restauriert hat, erhielt diese Mägdetruhe zur Aufarbeitung und war von den Farben begeistert.

Sie fand unter der Fachliteratur auch eine 2005 in Würzburg erschienene Doktorarbeit von Matthias Wagner, der diese Truhen erforscht hat. Danach gab es sogar in Marburg-Weidenhausen eine Fabrik, die Möbelstücke „Schnetter Typs“ nachbaute, und den Kirchenmaler Nikolaus Dauber, der sie für den Kunsthandel bemalte.

Mittlerweile hat das Ehepaar Böttner in der Frankenberger Region noch weitere kleine Holztruhen, teilweise auch nur Fragmente, gefunden, die es aufarbeiten will. „Wir möchten die farbige Lebendigkeit wieder hervorheben und die wenigen noch erhaltenen Exemplare vor der Zerstörung bewahren“, sagt Barbara Betz-Böttner. Bisher habe sie, obwohl die Transportkisten damals als Massenware hergestellt wurden, noch kein Motiv doppelt gefunden.

Hoffnung auf Hinweise

„Gern würde ich auch von noch existierenden Stücken einfach nur Fotos machen und den Reichtum an Ornamentik festhalten.“ Sie hofft auf Hinweise unter Telefon 06451/3659. Das Wolfgang-Bonhage-Museum in Korbach, teilte dessen Leiter Dr. Wilhelm Voelcker-Janssen auf Anfrage der HNA mit, zählt noch fünf solcher farbenfroh bemalten Gesindetruhen zu seinem Inventar.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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