Nach der Horror-Busfahrt

Busunternehmen fährt weiter Schüler

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Das Busunternehmen darf weiterhin Schüler transportieren – das hat die Bahn angekündigt. Politiker, Fachverbände, Eltern und Vertreter vom Nordhessischen Verkehrsverbunds fordern indes Konsequenzen. Unser Bild zeigt den Bus, der bei dem Unfall am Dienstag erheblich beschädigt worden war.

Battenberg - Noch immer ist die Empörung groß über den Busfahrer, der betrunken mit 26 Schülern im Bus durch Battenberg gefahren ist. Der Ärger von Eltern und Politikern richtet sich auch gegen das Unternehmen. Doch angekündigte Konsequenzen bleiben wohl zumindest vorerst aus. Ein Fachverband fordert, der Busfirma die Konzession zu entziehen.

Das Busunternehmen aus dem Oberen Edertal fährt im Auftrag der bahneigenen „DB Busverkehr Hessen“, die wiederum vom Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) mit dem Linienbus- und damit auch dem Schulbusverkehr beauftragt ist. Und: „Das Unternehmen fährt weiter für uns“, sagte gestern Bahn-Pressesprecher Thomas Bischoff auf Anfrage der Frankenberger Zeitung.

Die Bahn habe sofort Kontakt zu dem Unternehmen im Oberen Edertal aufgenommen und darauf gedrungen, dass der Busfahrer, der erheblich betrunken 26 Schüler transportiert und dabei eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hatte, nicht mehr fährt. „Wie man weiter mit dem Unternehmen zusammenarbeitet, müssen wir prüfen.“ Die Bahn habe „äußerst nachdrücklich“ auf die ordnungsgemäße Vertragserfüllung hingewiesen. „Der Unternehmer soll alles tun, um solche Geschehnisse zu vermeiden. Wir können davon ausgehen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen wir“, sagte Bischoff.

„Vorfall nicht hinnehmen“

Der NVV erwarte, dass der Vertrag mit dem Unternehmen gekündigt werde, sagte hingegen Pressesprecherin Sabine Herms gestern. Konsequenzen hatte auch Friedhelm Pfuhl vom Schulamt gefordert. Das sei aber eine Entscheidung der „DB Busverkehr Hessen“, sagte Herms. „Wir werden den Vorfall aber nicht hinnehmen.“

Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese bemängelte gestern, bei Busunternehmen komme zu wenig Geld an. Damit unterstützte er seinen Battenberger Kollegen Heinfried Horsel, der bemängelt hatte, es müsse diskutiert werden, welchen Wert die Schülerbeförderung habe.

Die Vergabepraxis europaweiter Ausschreibungen bei der Schülerbeförderung sei „ein Fehler im System“ und müsse dringend überdacht werden, sagte Frese. Der Landkreis solle Verträge mit den Busunternehmen direkt vor Ort abschließen. Außerdem müssten Standards für die Schülerbeförderung festgelegt werden. Sieben Millionen Euro für die Schülerbeförderung im Kreis Waldeck-Frankenberg reichten nicht aus.

„Busse sind sicher“

Die Pressesprecherin des (NVV), Sabine Herms, sieht diese Kritik als nicht gerechtfertigt. Alle Busfirmen, auch die Subunternehmen, seien vertraglich beispielsweise verpflichtet, ihre Busfahrer nach Tarif zu bezahlen. „Wir überlegen aber, noch häufiger verdeckte Stichproben zu machen.“ Dabei gehe es unter anderem um Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Freundlichkeit und Service. „Wir formulieren die Anforderungen in den Ausschreibungen ganz eindeutig.“ Die eingesetzten Busse seien definitiv in Ordnung und sicher - das werde durch die TÜV-Überprüfungen gewährleistet, sagte Herms.

Der NVV habe schon vor einiger Zeit die Zusammenarbeit mit der Polizei intensiviert. Hinweise auf Alkoholmissbrauch bei besagtem Busfahrer seien bislang nicht eingegangen, sagte Herms. „Es gab auf der Linie, die das Unternehmen fährt, aber immer wieder Beschwerden wegen Verspätungen und weil Kinder nicht mitgenommen wurden.“ Das Unternehmen sei „aus unserer Sicht ein schwarzes Schaf“. Viele andere Betriebe würden zuverlässig und mit engagierten Fahrern arbeiten.

Der NVV erwarte, dass der Vertrag mit dem Unternehmen gekündigt werde. Konsequenzen hatte auch Friedhelm Pfuhl vom Schulamt gefordert. Das sei aber eine Entscheidung der Busgesellschaft „DB Busverkehr Hessen“, die mit dem Betrieb aus dem Oberen Edertal als Subunternehmer kooperiert. „Wir werden den Vorfall aber nicht hinnehmen“, betonte sie.

Auch bei der Stadt Hatzfeld gibt es Überlegungen wegen Konsequenzen. Dort ist das gleiche Busunternehmen aus dem Oberen Edertal mit dem Transport der Kindergartenkinder beauftragt. Bürgermeister Dirk Junker warnte vor unüberlegten Entscheidungen. „Wir haben einen Elternbrief verschickt und den Sachstand dargestellt.“

In den vergangenen Wochen seien keine Beschwerden über die Firma an ihn herangetragen worden. Die Frage sei, welche Alternativen es gebe. „Der Bustransport ist eine freiwillige Leistung der Stadt.“ Werde ein anderes, womöglich teureres Unternehmen beauftragt, müssten Eltern die Mehrkosten tragen, weil Hatzfeld Schutzschirm-Kommune ist.

Übernächste Woche sei ein runder Tisch mit Vertretern von Schule, Kindergarten, Stadt und Schule vorgesehen. Dort werde das weitere Vorgehen besprochen.

„Sicherstes Verkehrsmittel“

Heftig kritisiert wurde das Unternehmen vom Fachverband Omnibusverkehr Hessen. „Der schreckliche Vorfall diskreditiert eine sicherheitsbewusste Branche, die es sich mit großer Leistung erarbeitet hat, dass der Bus mit seinen qualifizierten Fahrern an Bord mit Abstand das sicherste Verkehrsmittel bei der Personenbeförderung ist“, sagte Mathias Hörning, Geschäftsführer des Verbands. Er geht mit dem Busunternehmen hart ins Gericht. „Nachdem der Vorfall sogar ein Wiederholungsfall war, gehört dem Busunternehmen die Konzession entzogen.“ Das Unternehmen sei kein Mitglied im Verband, erklärte Hörning.

Bei dem Unfall am Dienstag war ein Mädchen verletzt worden, die anderen 25 Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Bis auf zwei Kinder waren alle anderen Schüler an der Burgberghalle ausgestiegen. Der betrunkene Fahrer fuhr weiter und hinterließ eine Schneise der Verwüstung in Battenberg.

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