Christen beider Konfessionen erinnerten gemeinsam an Novemberpogrome

Gemeinsames Gedenken: In einem ökumenischen Gottesdienst erinnerten am Sonntagabend Pater Norbert Rasim (links) und Pfarrer Christoph Holland-Letz in der Liebfrauenkirche mit Bildern und Textdokumenten an die Ereignisse der Novemberpogrome in Frankenberg. Foto: Völker

Frankenberg. „Wir wollen nicht den Mantel des Schweigens und Vergessens über das Unrecht hängen, das damals auch hier in Frankenberg und überall in Deutschland begangen wurde“, erklärte Pfarrer Christoph Holland-Letz, als er am Abend des 10. November gemeinsam mit Pater Norbert Rasim von der katholischen Kirchengemeinde einen ökumenischen Gedenkgottesdienst zur Erinnerung an die Novemberpogrome vor 75 Jahren eröffnete.

Mehr als 100 Christen beider Konfessionen hatten sich dazu in der Liebfrauenkirche eingefunden. Eine Tafel mit Dokumentarfotos neben dem Altar, dazu Bildblätter, die jeder Gottesdienstbesucher in Händen hielt, erinnerten daran, wie in der Nacht vom 9. auf den 10. November von NS-Horden auch die Synagoge im Scharwinkel geschändet, das Schulhaus verwüstet, jüdische Familien misshandelt und bedroht wurden.

Mitglieder des Frankenberger Geschichtsvereins und der katholischen Kirchengemeinde St. Mariae Himmelfahrt lasen dazu beklemmende Schilderungen und Zeugenaussagen vor, die Stadtarchivar Dr. Horst Hecker in seinem Buch „Jüdisches Leben in Frankenberg“ dokumentiert hat.

Dabei wurden die von der NSDAP mit „spontanem Volkszorn“ begründeten Szenen als von langer Hand staatlich organisierte Zerstörungswut entlarvt, Vandalismus und Ausschreitungen gegen jüdische Bürger sowie die Massenverhaftungen der jüdischen Männer am 10. November als politische Machtdemonstration beschrieben.

Die über 60-jährigen verschleppten Frankenberger Juden kamen, wie Pater Norbert aus Dokumenten zitierte, „beschleunigt“ aus KZ Buchenwald zurück, sobald ihre Angehörigen das Reisegeld bezahlt hatten. Lehrer Ferdinand Stern, der bereits im Frankenberger Amtsgerichtsgefängnis geschlagen worden war, starb in Buchenwald.

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Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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