Daniel Gárdonyi stellte Weihnachtsoratorium vor

Choräle aus dem Weihnachtsoratorium: Die Kantorei an der Liebfrauenkirche unterstützte Kantor Daniel Gárdonyi (links) bei seinem Einführungsvortrag in der Liebfrauenkirche mit Klang-Kostproben aus dem Weihnachtsoratorium. Foto:  Völker

Frankenberg. Für jeden Sonntag eine neue Kantate komponieren, dieses Werk wochentags mit 50 Internatsschülern einstudieren und auf vier kleinere Chöre verteilt in den Leipziger Stadtkirchen vor etwa 2000 Gottesdienstbesuchern aufführen - da hatte der Thomaskantor Johann Sebastian Bach (1685-1750) enormen Produktionsdruck.

Kantor Daniel Gárdonyi beschrieb am Sonntagabend in der Liebfrauenkirche höchst anschaulich vor vielen Zuhörern in einer multimedialen Einführung und mit Klangproben seiner Frankenberger Kantorei die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsoratoriums in Bachs damaliger Arbeitswelt.

„Kein Wunder, dass Bach auf seine weltlichen Kantaten zurückgreifen musste, die er als Hofkompositeur für den Kurprinzen Friedrich Christian von Sachsen geschrieben hatte“, meinte Gárdonyi und zeigte in großen Bilddiagrammen die Parallelen zwischen der Geburtstagskantate „Herkules am Scheidewege“ mit „Tönet ihr Pauken!“ und der ersten Kantate des Weihnachtsoratoriums mit „Jauchzet, frohlocket!“. Er schilderte scherzend an weiteren Beispielen das „musikalische Recycling á la Bach, das wir heute Copy and Paste“ nennen würden“, beschrieb aber durchaus auch, wie der Thomaskantor kleine, stilgerechte Anpassungen an die geistliche Neuverwendung vornahm.

Für das Frankenberger Konzertpublikum, dem aus dem Fernsehen allenfalls Helmut Rillings Gesprächskonzerte über die Bach-Kantaten vertraut sind, war diese mit Bildern, Grafiken, Einspielungen und Originalklängen gefundene Form der Einführung in der Liebfrauenkirche eine interessante, neue Erfahrung. Kantor Gárdonyi ließ die Besucher singend mit einstimmen und die Passionsmelodie „O Haupt voll Blut und Wunden“ in dem von Bach verwendeten Adventschoral „Wie soll ich dich empfangen“ wieder entdecken. Er zeigte immer wieder Parallelen zur zeitgenössischen Musik jener Zeit auf.

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Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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