Frankenberg

„Das ist eine große Sicherheitslücke“

- Frankenberg (mba). Ein unbekannter Täter missbrauchte die Identität eines Frankenbergers, um auf der Internet-Auktionsplattform Ebay mit einem Scheinverkauf einen Münchner zu betrügen.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen: Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ – so beschreibt Ulf Rupprecht, Architekt aus Frankenberg, seine erste Reaktion auf eine unangenehme Erkenntnis: Er wurde Opfer eines Ebay-Betrügers. Genauer gesagt wurde sein Name missbraucht, um mit einer falschen Identität – eben der von Rupprecht – einen anderen Menschen zu betrügen. Am 16. Oktober hatte Rupprecht eine E-Mail von einem ihm unbekannten Dr. Hans-Jürgen Öller bekommen. Öller schrieb: „Hallo Herr Rupprecht, Sie können sich ja vorstellen, dass ich bei meiner Ebay-Übersicht heute doch etwas überrascht war.“ Der Münchner hatte festgestellt, dass Rupprecht offenbar seine Mitgliedschaft bei Ebay abgemeldet hatte. Öller fragte, ob denn das Geld schon auf dem Konto der Lebensgefährtin eingegangen sei und wann Rupprecht den Artikel verschicken würde. Rupprecht hielt das für einen Irrtum, eine Verwechslung oder einen Scherz. Denn er hat weder eine Lebensgefährtin – er ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau in Frankenberg – noch hatte er jemals etwas bei Ebay versteigert. Er war dort nicht einmal angemeldet. Rupprecht schenkte der Mail zunächst keine weitere Beachtung. Am 19. Oktober kam eine weitere Mail von Dr. Öller: „Sehr geehrter Herr Rupprecht, ich bitte dringend um Rückmeldung bzgl. des bei Ihnen in Ebay ersteigerten Artikels.“ Öller fuhr fort, er habe wie von Rupprecht gewünscht den Betrag von 89,42 Euro auf das Konto von Rupprechts Lebensgefährtin G. Hildebrandt, Postbank Köln, überwiesen. Er warte nun auf das Paket mit der Warensendung. Rupprecht tat auch diese Mail mit einem Schulterzucken ab. Doch am 20. Oktober bekam er ein Fax an die Nummer seines Architektenbüros: Dr. Öller bat um eine Mitteilung über den Verbleib des Artikels. Das Geld sei von seinem Konto abgebucht worden und müsse längst auf dem von Rupprecht genannten Konto eingegangen sein. Er bat dringend um Rückruf. Am selben Tag sprach Dr. Öller auch auf Rupprechts geschäftlichen Anrufbeantworter.„Dr. Öller war sehr aufgeregt, ich solle doch bitte zurückrufen.“ Jetzt sah sich Rupprecht, der eigentlich keine Ahnung hatte, worum es bei der ganzen Angelegenheit überhaupt ging, zum Handeln genötigt. „Ich habe Dr. Öller angerufen“, sagt er und erinnert sich, wie er erfuhr, das sein Gesprächspartner bei Ebay angeblich einen Lego-Bausatz für rund 82 Euro plus Versandkosten von ihm ersteigert, das Geld überwiesen, aber bisher keine Ware erhalten habe. Rupprecht konnte kaum glauben, was er da hörte. „Ich habe Dr. Öller erklärt, dass ich das gar nicht bin, dass ich nie bei Ebay etwas versteigert habe. Ich habe ihm empfohlen, Anzeige gegen die Kontoinhaberin zu erstatten.“ Er selbst wandte sich an Ebay und schilderte den Vorfall. Außerdem schickte er ein ausgefülltes Datenmissbrauchsformular an Ebay (siehe Text unten). Das von dem Unbekannten erstellte Konto zu löschen, erwies sich als nicht ganz einfach, erklärt Rupprecht. Jedenfalls sei es für den Betrüger wesentlich einfacher gewesen, mit der gestohlenen Identität das falsche Konto zu eröffnen, vermutet er. „Ich musste meine Identität nachweisen, um das Konto zu löschen. Warum muss man nicht auch bei der Kontoeröffnung seinen Personalausweis vorlegen?“, fragt er sich. Ein gefälschtes Konto einzurichten, sei eine Sache von fünf Minuten. Und die dafür nötigen Daten aus dem Internet zu fischen, sei auch nicht allzu schwer – bei ihm stehen die wenigen erforderlichen Daten auf der Homepage seines Architektenbüros: Vor- und Zuname, Postanschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse sowie die Angabe des Geburtsdatums. „Die Anmeldung ist ganz einfach und schnell abgeschlossen“, heißt es auf der Homepage der Auktionsplattform. „Das ist meiner Meinung nach eine große Sicherheitslücke bei Ebay“, findet Rupprecht. Er erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen des Missbrauchs seiner persönlichen Daten. Mit seinem vermeintlichen Ebay-Kunden Dr. Öller steht er seitdem im regelmäßigen Austausch. „Das ist schon ein dickes Ding, was man da mit uns veranstaltet hat“, hatte Öller ihm nach dem ersten Telefonat geschrieben. Ebay habe ihm nicht weiterhelfen können, er müsse privatrechtlich vorgehen, sei ihm empfohlen worden. „Die knapp 90 Euro werden mich nicht am Hungertuch nagen lassen, aber ich möchte – mit ihrer Unterstützung und auch in Ihrem Interesse – diesem Halunken das Handwerk legen.“ Doch das erwies sich bislang als aussichtsloses Unterfangen.„Ebay darf mir keine Auskunft über die Identität eines anderen Mitglieds geben“, erklärte Dr. Öller gegenüber FZ. Das Unternehmen arbeite aber eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, habe man ihm versichert. Also erstattete Öller bei der Münchener Polizei Betrugsanzeige gegen die Kontoinhaberin, deren richtigen Namen er kannte – oder besser gesagt: zu glauben kannte. Denn wie sich inzwischen bei den Ermittlungen der Kriminalpolizei herausgestellt hat, war auch das Konto bei der Postbank in Köln mit einer gefälschten Identität eröffnet worden. Rupprechts Anzeige wurde ebenfalls an die Münchener Kripo weitergeleitet - und verlief ebenso im Sande. Das Ermittlungsverfahren wurde inzwischen ergebnislos eingestellt.

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