Battenberg: Millioneninvstitionen auf dem Auhammer

"Das ist eine Herausforderung"

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Die beiden Geschäftsführer des Eisenwerks Hasenclever, Rabah Amani (l.) und Norbert Gerling, mit dem Modell eines Turboladers. Der „Auhammer“ ist erfolgreich mit der Produktion der Gehäuse, die in Benzinmotoren der großen Autohersteller verbaut werden.Foto: Adel

Battenberg - Die Auftragsbücher sind voll, auf dem "Auhammer" arbeiten so viele Menschen wie lange nicht mehr. Noch allerdings ist der Gewinn des Eisenwerks zu gering. In den nächsten Jahren soll sich das ändern, doch dafür sind Millioneninvestitionen notwendig.

Höhere Produktivität und Wertschöpfung - das ist das Ziel, das die beiden Geschäftsführer Norbert Gerling und Rabah Amani anstreben. Amani ist seit Juli 2014 neuer technischer Geschäftsführer und Nachfolger von Dr. Volker Lorenz, Gerling ist für den kaufmännischen Bereich verantwortlich. Zuvor war der Gießereiingenieur Amani 23 Jahre im Eisenwerk Brühl beschäftigt, dem Schwesterunternehmen des Auhammers - zuletzt ebenfalls als Geschäftsführer. Das Ziel: Der Mitarbeiterstand soll gehalten werden, durch die wachsende Technisierung sollen zusätzliche Einstellungen vermieden werden. Die wären nötig, wenn nicht in die größere Produktivität investiert werden würde, erklärt Norbert Gerling. Denn die Produktion soll in den nächsten Jahren weiter wachsen.

Ende 2013 waren 664 Mitarbeiter, ein Jahr später 778 - davon 75 Leiharbeiter - auf dem Auhammer beschäftigt. „Das ist eine erfolgreiche Entwicklung, auch für die Region“, stellt Gerling heraus. Die Arbeiter würden nach Tarif bezahlt, erhalten im Jahr 35 Millionen Euro an Löhnen und Gehältern. Auch andere Betriebe und Handwerker in der Region würden profitieren.

Doch noch verdient das Unternehmen zu wenig - und das könnte bei steigenden Absatzzahlen zu einem Problem werden. „Das ist unsere Herausforderung“, sagt Amani. „Wir entwickeln Qualität.“ Das müsse jetzt noch verstärkt auf die Produktion umgemünzt werden. „Wenn wir die Qualität beherrschen, können wir die Stückzahlen erhöhen.“ Deshalb wird in die Produktivität investiert: In diesem Jahr etwa 6,9 Millionen Euro, im nächsten Jahr 6,7 Millionen Euro und 2017 etwa 4,8 Millionen Euro. Die Kapazität soll von 2,4 Millionen Stück im Jahr 2014 auf 3 Millionen Turboladergehäuse erweitert werden.

Größte Einzelinvestition ist in diesem Jahr ein neuer Ofen für 2,5 Millionen Euro. Damit soll die Schmelzkapazität um etwa 15 Prozent erhöht werden. Ein Trennautomat, eine Strahlanlage, automatische Schleifanlagen und eine Kernschießmaschine sind weitere Investitionen, die in diesem Jahr anstehen. Im nächsten Jahr soll die Automatisierung weiter vorangetrieben werden, bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl. Durch die Bildung von Teams für jeden Produktbereich soll die Qualität verbessert werden. Wichtig sei der Produktionsablauf als Ganzes, nicht die Konzentration auf einzelne Bereiche, betonen beide Geschäftsführer.

Der Grund für die wachsende Nachfrage nach Turbolader-Gehäusen ist, dass Benzin-Motoren immer sparsamer werden und zugleich mehr Leistung erbringen sollen. Dafür sind Turbolader nötig. Die Gehäuse dafür werden auf dem Auhammer aus Stahlguss gefertigt, der besonders großen Temperaturschwankungen standhält. Bis 2020 soll sich der Anteil an solchen Benzin-Turbos verdoppeln.

In diesem Bereich genieße das Eisenwerk Hasenclever einen guten Ruf als Entwickler, sagt Amani. Ein Nachteil gegenüber Wettbewerbern seien aber die hohen Personalkosten. „Innerhalb kurzer Zeit sind viele Gießereien entstanden, vor allem im asiatischen Raum“, erklärt Gerling. In Europa sei Hasenclever „mit Abstand Marktführer“, weltweit unter den „großen fünf“, dennoch kämpfe man um jeden Auftrag.

Bis 2017 werden Prozesse optimiert, immer mehr Roboter eingesetzt. In diesem Jahr soll der Umsatz bei etwa 145 Millionen Euro liegen: „Doppelt so viel wie 2012“, sagt Gerling. Verantwortlich für das gute Ergebnis sei vor allem der Stahlguss. Der Auhammer beliefert die großen Hersteller von Turboladern, die wiederum an die großen europäischen Marken liefern: In Hunderttausenden Modellen der Volkswagen-Gruppe, Peugeot und Renault über General Motors oder im 420 PS starken Porsche Cayenne sind Turbolader-Gehäuse aus Battenberg verbaut.

Es ist noch nicht lange her, dass der Auhammer rote Zahlen schrieb: 2013 habe der Verlust bei über sieben Millionen Euro gelegen, sagt Norbert Gerling. „Seit dem zweiten Quartal 2014 machen wir keine Verluste mehr.“ Angesichts der erwarteten positive Entwicklung der Absatzzahlen sei es richtig gewesen, ab 2001 auf Stahlguss zu setzen, betonen die Geschäftsführer.

Der Eisenguss, mit dem unter anderem Teile für große Schiffsmotoren gefertigt werden, soll beibehalten werden und ein Standbein bleiben. Der Anteil am Umsatz liege bei zehn Prozent, Hauptkunde ist der Motorenhersteller MTU.

Von Mark Adel

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