Informationen über Renaturierung der Eder

"Das ist keine Kür"

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Die Eder bei Rennertehausen: Der Fluss ist in vergleichbar gutem Zustand, dennoch sehen die Experten noch Handlungsbedarf. Zwischen Hatzfeld und Frankenberg ist die Eder besonders geschützt.Foto: Mark Adel

Allendorf (Eder) - Die Eder gehört zu den besonders sauberen und ökologisch intakten Gewässern in Hessen. Zwischen Hatzfeld und Frankenberg soll der Fluss in den nächsten Jahren der Natur noch näher gebracht werden.

Die Wasserrahmenrichtlinie gilt seit 2001 für Flüsse und Bäche. Zum Erfahrungsaustausch trafen sich gestern Vertreter vom Kasseler Regierungspräsidium, der Anlieger-Kommunen und Naturschutzverbände aus der Region im Allendorfer Bürgerhaus.

Die Umsetzung der Wasserrahlmenrichtlinie, kurz WRRL, werde bis 2027 dauern, berichtete Dr. Martin Marburger vom Kasseler Regierungspräsidium. Probleme treten vor allem auf, wenn Flüsse von Menschenhand vertieft, gestaut oder ausgebaut wurden.

An Fulda, Diemel, Werra und Wesser in Hessen müssen noch 1500 hektar an Flächen gekauft, 640 Kilometer renaturiert und 1800 Querbauwerke wie Wehre durchgängig gemacht werden. „Das ist keine Kür, sondern das, was wir machen müssen“, betonte Marburger. Bislang wurden am 85 Flusskilometern in Nordhessen Verbesserungen vorgenommen. Das Land hat 200 Hektar Uferrandstreifen gekauft und 82 Hindernisse beseitigt, die Wasserlebewesen am Wandern hindern.

Zuständig für die Umsetzung der Richtlinie sind die Kommunen und die Wasserverbände, die die Gewässer unterhalten. Sie bekommen Zuschüsse und können sich von Fachleuten beraten lassen. In Gebieten, die nach der europäischen FFH-Richtlinie geschützt sind, übernimmt das Land sogar bis zu 100 Prozent der Kosten. Dazu zählen auch weite Teile der Eder zwischen Hatzfeld und Frankenberg.

Dort sei der Zustand zwar schon gut, aber „die Eder kann mit relativ wenig Aufwand zu einem der intaktesten Gewässersysteme in Hessen gemacht werden“, sagte Martin Marburger. „Die Ausweisung als FFH-Gebiet ist ja schon ein Indiz dafür“, ergänzte Anna Maria Pohl, die beim Regierungspräsidium für Naturschutzprojekte in Waldeck-Frankenberg zuständig ist.

Verschiedene Projekte - nicht nur zur WRRL - sind schon umgesetzt worden, etwa die Renaturierungen der Eder in Hatzfeld. Außerdem wurden Wandermöglichkeiten für Wassertiere an den Wehren geschaffen. „Wir fangen nicht bei null an“, betonte Marburger. Seit 1998 habe das Land jährlich 2,5 Millionen Euro in den Gewässerschutz investiert. Das Problem sei, dass Mittel nicht abgerufen werden: Noch stockt die Umsetung der WRRL. „Die Maßnahmen werden nicht als Pflichtaufgaben gesehen“, klagt Martin Marburger.

Zudem könnten viele Kommunen den Eigenanteil von 15 bis 20 Prozent nicht aufbringen. Lob gab es aber für die Städte und Gemeinden an der Oberen Eder: Dort sei schon viel getan worden, auch an den Nebenflüssen. Anna Maria Pohl nannte die Nuhne-Renaturierung bei Frankenberg als Beispiel.

Zu den geplanten Maßnahmen zählen Arbeiten am Einlauf der Linspher in den Mühlgraben bei Rennertehausen. Dort unternahmen die Teilnehmer gestern Nachmittag eine Exkursion. Weitere Referenten des Tages waren Thomas Schmidt vom Büro Wagu und Günter Sander vom Kasseler Regierungspräsidium.

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