Erste Hilfe im Frankenberger DRK-Kreisverband

"Das Schlechteste ist, nichts zu tun"

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Christian Neuhaus (rechts) und Thomas Drössler vom Frankenberger DRK-Kreisverband appellieren, regelmäßig Erste-Hilfe-Auffrischungen zu besuchen.

Frankenberg - Etwa 700 Menschen frischen jedes Jahr beim Frankenberger DRK-Kreisverband ihre Kenntnisse in Erster Hilfe auf. Kaum jemand allerdings kommt aus eigenem Antrieb. Dabei kann medizinisches Wissen lebensrettend sein - auch in der eigenen Familie.

Die Forderung nach verpflichtenden Erste-Hilfe-Kursen für Autofahrer werden immer wieder laut. Zuletzt war es der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, der Pflichtkurse im Abstand von zwei Jahren gefordert hat. Viele Autofahrer würden lebensrettende Maßnahmen, wie etwa die stabile Seitenlage oder die Herz-Lungen-Wiederbelebung, nicht beherrschen.

Dabei ist die Zahl der Autounfälle gar nicht mal so groß. Viel häufiger sind inzwischen medizinische Notfälle, sagen Thomas Drössler, Ausbildungsleiter für Erste Hilfe beim DRK-Kreisverband, und Rettungsdienstleiter Christian Neuhaus. Bei einem Herzstillstand beispielsweise könne das Wissen über die Herz-Lungen-Massage lebensrettend sein. „Ich kann aber auch verstehen, wenn jemand bei einem Notfall zu Hause überfordert ist“, sagt Neuhaus. Doch gerade die ersten Minuten beispielsweise nach einem Herzinfarkt entscheiden, ob und mit welchen Folgeschäden ein Patient überlebt. Die meisten Notfälle passieren im Alltag, meist geht es dann um Schlaganfälle, Infarkte oder Stoffwechselerkrankungen - und immer ist schnelle Hilfe wichtig.

Negative Rückmeldungen über Ersthelfer kämen von seinen Kollegen im Einsatz nur selten. „Wenn, dann geht es meistens um alkoholisierte Personen in Diskotheken.“

Bei Verkehrsunfällen ist wichtig, überhaupt anzuhalten. „Allein dass jemand den Notruf absetzt, ist unter Umständen schon ausreichend“, sagt Christian Neuhaus. Wer einen Unfall beobachtet, ist sogar verpflichtet zu helfen - ansonsten droht eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung. Niemand muss Angst haben, etwas falsch zu machen - und genau das sei das Problem, sagt Drössler: „Das Schlechteste ist, nichts zu tun.“ Umso besser, wenn ein Autofahrer auch noch fit in Erster Hilfe ist. Doch das ist bei den wenigsten der Fall: Der DRK-Bundesverband geht davon aus, dass bei 80 Prozent der Kraftfahrer der letzte Erste-Hilfe-Kurs mehr als 15 Jahre zurückliegt.

Doch auch wer sich unsicher ist, könne helfen, sagt Christian Neuhaus und nennt als Beispiel den Unfall mit sechs Verletzten zwischen Bottendorf und Ernsthausen am vergangenen Freitag. „Anhalten, absichern, den Erhalt der Körperwärme sicherstellen - das ist schon Erste Hilfe.“ Bei diesem Unfall hatten Zeugen beklagt, dass viele Verkehrsteilnehmer direkt nach dem schweren Zusammenstoß weitergefahren waren, ohne Hilfe anzubieten.

Die Zahl der Freiwilligen, die ein achtstündiges Training zur Auffrischen beim Frankenberger DRK besuchen, sei „verschwindend gering“, sagt Thomas Drössler. „Und wenn, hatten die Teilnehmer meist ein Aha-Erlebnis.“ Die meisten der rund 700 Teilnehmer sind vom Arbeitgeber verpflichtet - aus gutem Grund, denn Arbeitsunfälle oder medizinische Notfälle sind in großen Betrieben keine Seltenheit. „Die Rückmeldungen auch von den Berufsgenossenschaften sind sehr positiv“, erklärt Drössler.

Wer in den vergangenen Jahren keinen Kurs besucht hat, hat nicht nur vieles vergessen, sondern ist nicht auf dem aktuellen Stand. „Es hat sich viel verändert“, sagt Christian Neuhaus. Angefangen von der „neuen“ stabilen Seitenlage über die Herz-Lungen-Wiederbelebung und den Umgang mit dem Defibrillator bis hin zu Hinweisen, dass bei Notfällen auch das Einweisen des Rettungsdienstes zum Helfen dazugehört, damit die professionellen Retter schnell vor Ort sind.

Allgemein gelte, dass Verkehrsunfälle mit Verletzten seltener geworden sind, hingegen steigt die Zahl medizinischer Notfälle. „Das hat sich gewandelt“, sagt Christian Neuhaus.

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