Diskussion um Frankenberger Sperrstunde

"Das würde es nur verschlimmern"

+
Die Sperrstunde würde vor allem die Besucher der Diskothek "Bonkers" treffen.

Frankenberg - Schutz vor kriminellen Übergriffen gegen das „Recht aufs Feiern“, Umsatzeinbußen gegen die Sorgen von Anwohnern - die angedachte Verlängerung der Sperrstunde hat viele Facetten. Die Frankenberger Zeitung hat mit Anwohnern, Politikern, Gastwirten und der Polizei gesprochen.

Es sind überraschende Worte, die Matthias Czoczek über die geplante Verlängerung der Sperrstunde in Frankenberg sagt: „Das würde es nur verschlimmern“, ist der Anwohner sicher. Sein Haus steht in unmittelbarer Nähe der Diskothek Bonkers - gebaut vor Jahrzehnten in dem Glauben, am künftigen Stadtrand zu leben. Er gehört zu denjenigen, die die Konsequenzen einer Verlängerung der Sperrstunde ganz direkt spüren würden - so wie Sicherheitsdienste, Polizei, die Gastwirte und die Taxiunternehmen.

Die Diskussion um das Vorziehen der Sperrstunde von 5 auf 3 Uhr ist noch immer im Gange , der Riss zieht sich durch alle Parteien - meist entlang der Grenzen zwischen langjährigen Parteimitgliedern und den eigenen Jugendorganisationen. Die wehren sich vehement und - selten genug - geschlossen gegen den ihrer Ansicht nach unberechtigten Eingriff in ihre Freiheit. Und der würde mehr treffen, als nur die Jugend: Den Diskotheken-Besitzer, Tankstellenbetreiber, Anwohner, gleich ob positiv oder negativ.

FZ-Filmer Tim-Heinrichs Noll hat sich auf die Suche nach Stimmen begeben, mit teils erstaunlichen Ergebnissen. Er sprach mit Bürgermeister Rüdiger Heß, ebenso wie mit dem Polizeisprecher Dirk Virnich, der von den positiven Erfahrungen nach der Verlängerung der Sperrzeit in Korbach berichtet. Ebenso zu Wort kommen Korbacher Wirte, die nicht nur finanziell unter dem vorzeitigen „letzten Bier“ leiden, sondern auch Magengrimmen haben wegen der Dutzenden Gäste, die sie gleichzeitig vor die Tür setzen müssen.

Dieselbe Meinung vertritt auch Benjamin Battefeld, Betreiber des Bonkers, der klar sagt: „Wenn wir 1200 Menschen gleichzeitig vor die Tür setzen, gibt es fünf Minuten später die erste Schlägerei ums Taxi“ - denn davon gibt es ohnehin schon zu wenig. Auch das zeigt der Film.

So uneins sich die Akteure über die Effekte der Sperrzeit-Verlängerung sind, so wenig kommen sie darin überein, wie das Grundproblem angegangen werden kann: Das Zusammentreffen alkoholisierter Partygänger mit ihresgleichen und ihrer Umwelt. So sind etwa die Jugendorganisationen der Parteien und die Landjugend kreisweit dafür, einen runden Tisch einzurichten, statt über ihre Köpfe hinweg Tatsachen zu schaffen.

(von Malte Glotz)

Kommentare