Frankenberg

Dekanin Ute Zöllner verlässt Kirchenkreis

- Frankenberg (jos). Nach exakt vier Jahren als Dekanin des Kirchenkreises Frankenberg verlässt Ute Zöllner am 1. Mai die Ederstadt nach Kassel. Ihre Stellvertreterin Eva Brinke-Kriebel übernimmt das Amt während der Vakanz.

Frankenberg. Mit dem Weggang der Dekanin könnte eine Fusion von Kirchenkreisen im Landkreis näher rücken. Bislang gibt es in Waldeck-Frankenberg vier Kirchenkreise, die jeweils ein eigenes Dekanat haben: Der Kirchenkreis Eisenberg erstreckt sich um Korbach, im Norden gibt es den Kirchenkreis der Twiste und um Bad Wildungen den Kirchenkreis der Eder.

Auf Verwaltungsebene gab es bereits im Juli 2006 eine Fusion: Seitdem ist Korbach Standort des zentralen Kreiskirchenamts. Das kirchliche Rentamt „Auf der Burg“ in Frankenberg hat in diesem Zuge seine Zentralfunktion verloren. In Frankenberg blieb nur ein so genanntes „Regionalbüro“ mit publikumswirsamen und lokal bezogenen Sparten erhalten. Drei Kriterien gaben seinerzeit den Ausschlag: mehr Effizienz der Verwaltung, Kostendruck durch sinkende Finanzen und steigende Qualitätsstandards.

Der Gedanke liegt nahe, dass die Landeskirche in Kassel durch die nun bevorstehende Vakanz der Dekan-Stelle in Frankenberg eine vollständige Fusion von Kirchenkreisen in Waldeck-Frankenberg forciert – das gestand auch Sprecher Karl Waldeck auf WLZ-FZ-Nachfrage ein. Bislang sei eine Kirchenkreis-Zusammenlegung bei der Kirchenleitung allerdings kein Thema gewesen, betonte er.

Generell sei es die Linie der Landeskirche, dass Vorschläge über Kirchenkreis-Fusionen vor Ort erarbeitet werden und nicht „von oben“ übergestülpt werden. „Alle vier Kirchenkreise in Waldeck-Frankenberg nehmen an dem Prozess teil. Ich vermute, sie werden im Laufe des Jahres darüber diskutieren“, erklärte Waldeck.

Sollte die Frankenberger Dekan-Stelle neu besetzt werden, müsste ein Findungsausschuss einberufen werden. Das werde jetzt kurzfristig allerdings nicht geschehen, erklärte Waldeck. Frühestens im Frühjahr würde der Ausschuss nach seiner Auskunft tätig werden. Mitglieder des Kirchenkreisvorstandes würden dann gemeinsam mit Bischof Martin Hein nach einem neuen Dekan suchen. Eine mehrmonatige Vakanz der Stelle wird dabei allerdings durchaus in Kauf genommen. Dafür gebe es ja eben Stellvertreter, so Waldeck.

Im Fall des Kirchenkreises Frankenberg ist das Eva Brinke-Kriebel. Die stellvertretende Dekanin ist Pfarrerin in der Kirchengemeinde Löhlbach und übernimmt ab dem 1. Mai kommissarisch die Leitung des Kirchenkreises.

Ute Zöllner indes übernimmt zum 1. Mai die die Stelle der Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Kassel. Die 55-Jährige folgt damit einer „Bitte der Landeskirche“, wie Karl Waldeck mitteilt. Mit dieser Funktion ist die Leitung der Hauptstelle der Psychologischen Beratungsstellen verbunden. Der Posten wird Ende Februar vakant, wenn der bisherige Stelleninhaber in den Ruhestand tritt.

„Mit meinem Weggang aus Frankenberg gebe ich vieles auf, das mir ans Herz gewachsen ist“, erklärte Zöllner auf WLZ-FZ-Nachfrage. Damit meine sie vor allen Dingen die Menschen in den Gemeinden.

Seit die Theologin die Leitung des Kirchenkreises 2005 übernommen hat, wurde ihr nachgesagt, das Amt sei für sie nur eine Zwischenstation bis zum nächsten Karriere-Sprung. Das stimme so nicht, betonte Zöllner. Sie sei damals als Dekanin auf Dauer in Frankenberg angetreten. Die Rufe aus Kassel seien für sie überraschend gekommen.

„Meine neue Tätigkeit verbindet Leitungsaufgaben, wie ich sie als Dekanin wahrgenommen habe, und Aufgaben, die ich vorher erfüllt habe“, erklärte Zöllner. Seit langem ist die 55-Jährige ehrenamtlich als Gruppenpsychotherapeutin, Supervisorin und im Bereich Pastoralpsychologie tätig. Unter anderem leitete sie auch bereits als Gruppenpsychotherapeutin eine Tagesklinik für Psychotherapie und Psychosomatik.

Ute Zöllner wurde 1954 in Eime, Kreis Hildesheim, geboren. Nach ihrer Schulzeit studierte sie von 1974 bis 1983 Evangelische Theologie in Göttingen. Dort legte sie zunächst das Erste Staatsexamen für das Lehramt in Gymnasien ab und studierte dann neben einer Tätigkeit als Wissenschaftliche Hilfskraft evangelische Theologie mit dem Ziel Pfarramt. Nach der Ersten Theologischen Prüfung war sie von 1983 bis 1984 als Vikarin in Hannover tätig.

1985 wurde sie in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers durch Landessuperintendent Hirschler in Göttingen ins Pfarramt ordiniert.Nach ihrer Ordination war Zöllner von 1986 bis 1987 Gemeindepfarrerin in Göttingen, ehe sie 1987 mit Krankenhausseelsorge im Landeskrankenhaus Göttingen beauftragt wurde. Aus familiären Gründen ließ sie sich 1991 beurlauben. Sie zog nach Passau, wo sie bis 1999 lebte, ehrenamtlichen Pfarrdienst in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern leistete.

1998 zog sie nach Marburg und arbeitete seit 1999 als Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im pastoralpsychologischen Dienst und war mit Aufgaben in Supervision und Beratung, sowie in der Aus- und Fortbildung im Predigerseminar in Hofgeismar betraut. Außerdem ist sie seit 1999 Autorin und Sprecherin für Verkündigungssendungen im Hessischen Rundfunk.

Ute Zöllner ist seit 1981 mit Prof. Dr. theol. Dietrich Korsch verheiratet, der an der Marburger Philipps-Universität tätig ist. Das Ehepaar hat zwei Söhne. Aus Frankenberg wird die Familie mit dem beruflichen Wechsel von Ute Zöllner wegziehen. „Wahrscheinlich nach Kassel“, sagt die 55-Jährige.

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