Arbeitstagung des Hessischen Landseniorenverbandes in Frankenberg

Demographischer Wandel als Chance

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Frankenberg - Welche Entwicklungen durch den demografischen Wandel auf die heimischen Dörfer zukommen und welche Rolle die ältere Bevölkerung dabei spielen könnte, das Beste daraus zu machen - diese Themen standen gestern im Mittelpunkt der Arbeitstagung des Hessischen Landsenioren-Verbandes.

Etwa 90 Vertreter der Gruppe "Nordwest" im Hessischen Landsenioren-Verband hatten sich dazu in der Ederberglandhalle getroffen. Sie kamen nicht nur aus Waldeck-Frankenberg, sondern auch aus Fritzlar, Biedenkopf, Homberg, Hofgeismar, Wolfhagen und Ziegenhain.

Im Fokus der Tagung stand das Thema demographischer Wandel mit einem immer höheren Durchschnittsalter, sterbenden Ortskernen und weniger Kindern. Dr. Hans-Herrmann Harpain vom Hessischen Bauernverband sprach zum Thema "Demographische und landwirtschaftliche Entwicklung auf dem Lande". Seine Botschaft lautete: Die Wertschöpfung der Landwirtschaft kann den ländlichen Raum stärken.

Harpian präsentierte den Anwesenden verschiedene Zahlen und Fakten zum demographischen Wandel und erläuterte die voraussichtlichen Auswirkungen. Er sah es nicht nur als Fakt an, dass die Landwirtschaft vom demographischen Wandel betroffen ist, sie könne aber auch ein Teil der Lösung sein. "Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum", betonte Harpain. Alle Umsätze und Einnahmen von Landwirten blieben im ländlichen Raum. "Es ist nur ein kleiner Baustein, aber es wäre eine Chance. Wir haben Potentiale", sagte der Referent.

Dann sprach Joachim Kothe von der Hessischen Landgesellschaft in Kassel über "Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Dorfentwicklung". Er nannte Entwicklungen durch den demographischen Wandel: So stünden in einem Dorf im Marburger Land allein sieben Höfe rund um die Kirche leer. In einem anderen Ort in Hessen gebe es keine Möglichkeit, Bargeld abzuheben. In Sachsen-Anhalt gebe es sogar Dörfer, in denen die Bürger keine Möglichkeit hatten, zur Wahl zu gehen, weil es vor Ort kein Wahllokal gebe - sie müssten auf die Briefwahl zurückgreifen oder privat eine Fahrt ins nächstgelegene Wahllokal organisieren.

Die Fakten seien durch die Geburtenzahlen bereits bekannt, "wir müssen sehen, wie wir damit umgehen". Kothe rief die Landsenioren dazu auf, sich einzubringen und vor allem gegen das Sterben der Ortskerne anzugehen: Als möglichen Schritt schlug er die Einrichtung eines Leerstandskatasters vor. "Wir brauchen Sie, die Menschen, die sich vor Ort auskennen", rief er den Senioren zu. Sie wüssten oft ohnehin, welche Gebäude leer stehen oder welche jungen Familien auf der Suche nach Häusern sind. Kothe appellierte an sie, an der Bewältigung des Prozesses mitzuarbeiten. Als weitere Möglichkeiten, Dörfer zu stärken, schlug er neue Ladenkonzepte, Hofläden und eine verstärkte Direktvermarktung. Große Chancen räumte er auch neuen Konzepten in Dorfkernen ein, die von kleinen Einkaufsmärkten über barrierefreie Wohnungen mit Betreuung für Senioren bis hin zum Abriss von alten Gebäuden zur Schaffung von attraktiven Baugrundstücken in Ortskernen reichen. Wie zuvor Harpain sah auch er Chancen im demographischen Wandel. "Manche sind auch Gewinner", sagte er und nannte Mittelzentren wie Frankenberg.

Nach den Vorträgen meldeten sich einige Landsenioren zu Wort und berichteten von erfolgreichen und fehlgeschlagenen Projekten in ihren Dörfern. Einig waren sie sich darin, dass zwischen den Konzepten und der Umsetzung oftmals ein weiter Weg liegt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen informierten die Vertreter der einzelnen Landseniorenvereinigungen über die Entwicklungen im vergangenen Jahr und tauschten sich aus. Denn zum jährlich stattfindenden Treffen der Gruppe "Nordwest" gehört auch die Stärkung der sozialen Verbindungen. (apa)

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