Schlepper-Treff in Bottendorf

"Der liebe Gott ist auch Schlepper-Fan"

Eicher-Treffen in Bottendorf im Rahmen des Tags der Forstwirtschaft am 8. September 2012 am Wolkersdorfer Teich. Foto: Rouven Raatz

Burgwald-Bottendorf - Zufriedene Gesichter bei den Eicher-Freunden. Der Einladung der Bottendorfer folgten die Eicher-Fans aus dem Oberen Edertal. Ihre Begeisterung tragen sie auch nach außen. Kürzlich wurden einheitliche Jacken angeschafft.

Lothar Koch war begeistert. „Das war ein tolles Bild“, sagte der Bürgermeister bei der offiziellen Eröffnung des Tags der Forstwirtschaft am Samstag auf dem Festplatz hinter der Forstamt an den Wolkersdorfer Teichen. Er spielte dabei auf den langen Korso an, der sich am späten Vormittag im Interkommunalen Gewerbegebiet formiert hatte und dann über die Frankenberger Straße, durch den Rotlehm, über die Dorfbrücke und schließlich die Wolkersdorfer Straße einmal durch Bottendorf „geknattert“ ist.

Fast 50 historische Schlepper, zum Teil mehr als 50 Jahre alt, waren dabei zu sehen. Und dieses Schauspiel ließen sich auch etliche Bottendorfer nicht entgehen. Wie beim Festzug beim Heimatfest im größten Burgwalder Ortsteil säumten diesmal Fans der alten Landmaschinen, und viele Kinder, die Straßen und winkten den Fahrern zu. Die hatten zum Teil erhebliche „Strapazen“ auf sich genommen: Der Einladung der Eicher-Freunde Bottendorf um Manfred Stricker folgten die Eicher-Freunde aus dem Oberen Edertal, die Schlepper-Freunde Lahn-Wetschaftstal, ein Hallenberger, der mit seinem alten Unimog die Blicke auf sich zog, und auch einige Bottendorfer, die einen Schlepper einer anderen Marke ihr Eigen nennen: etwa alte, jedoch wie nagelneu glänzende Porsche-Traktoren. Immerhin 25 der knapp 50 Schlepper waren von außerhalb: die meisten davon Eicher. Aber warum gerade Eicher? „Eicher, das waren Qualitätsschlepper, die ersten luftgekühlten Schlepper“, berichtet Stricker, der den Bottendorfer Club aus der Taufe gehoben hat.

Beliebte Sammlerstücke

Auch Koch ist in Besitz eines alten Eichers. Nachdem bei seinem alten Bautz der Motor kaputtging, machte sich der Bürgermeister auf die Suche nach einem neuen Alten. Doch dies ist dieser Tage ein schwieriges Unterfangen, weiß Manfred Stricker. „Man kommt kaum noch an einen heran“, erzählt der Bottendorfer. Vor Jahren seien historische Autos oder Motorräder beliebte Schrauber- und Sammlerstücke gewesen, seit einiger Zeit liegen alte Schlepper hoch im Kurs. Und entsprechend haben auch die Preise angezogen. 3000, 4000, 5000 Euro, das seien längst marktübliche Preise. Den teuersten Schlepper, der am Samstag an den Wolkersdorfer Teichen zu sehen war, bewertete er mit rund 30000 Euro. „Es geht aber sogar weit drüber.“

Zu den Schlepper-Fans zählt auch Hermann Siemon aus Ernsthausen. Und der hat Lothar Koch auch bei der Suche nach einem neuen Schätzchen geholfen. Vor drei Jahren wurde er fündig: einen Eicher aus dem Jahr 1959. Auch bei der Restaurierung habe ihm der Experte geholfen. „Dass es in Bottendorf die Eicher-Freunde gibt, dass hat sich erst nachher rausgestellt.“ Und von deren Begeisterung und Euphorie für die Sache ist der Bürgermeister fasziniert. „Ursprünglich war nur ein Schlepper-Treffen in Bottendorf geplant. Doch das ist dann zum Selbstläufer geworden, immer mehr Ideen für ein Rahmenprogramm kamen hinzu. Das Ergebnis ist jetzt der Tag der Forstwirtschaft der Gemeinde, des Forstamts und der Eicher-Freunde.“

Von der Resonanz war Koch jedenfalls angetan: „Alle Beteiligten sind in der Planung aufgegangen. Ich kann mir gut vorstellen, dass daraus eine regelmäßige Veranstaltung wird.“ Manfred Stricker hätte nichts dagegen: „Wir sind super zufrieden. Dass an einem Samstagvormittag so viele Leute mit ihren Schleppern anreisen, dass hätte ich nicht gedacht.“ Und weil auch das Wetter mitspielte und sich den ganzen Tag kein Wölkchen am Himmel blicken ließ, war der Bürgermeister am Ende überzeugt: „Der liebe Gott ist sicherlich auch ein Schlepper-Fan.“ Ob er auch Eicher mag?

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