Rosenthal

Deutschland: vier, Argentinien: null

+

- Rosenthal (mba). Die deutsche Mannschaft fegt die Weiß-Himmelblauen vom Platz, und die Rosenthaler feiern ein Fußballfest auf der FZ-
„Sommerinsel“.

„Aller guten Dinge sind drei Spiele mit vier Toren“, hatte Lothar Morhardt vor dem Anpfiff gesagt und hinter seinem Würstchengrill eine neue Fußballerweisheit geprägt. Er und sein TSV-Kollege Bernd Altmann waren nur bereit gewesen, die Bratwürste zu erhitzen, wenn der Grillstand freie Sicht in Richtung Videowürfel hat – und so wurde es auch eingerichtet. „Wir opfern uns“, sagte Altmann, ein Opfer, das die Rosenthaler Fußballfans besonders in der Halbzeitpause zu würdigen wussten. Dass Morhardt mit seinem recht optimistischen Tipp von 4:2 für Deutschland doch etwas daneben lag, was die Gegentore angeht, hatte wohl niemand erwartet. Was für ein Sieg. Kaum hatten es sich die „Fußballgucker“ auf ihren Sitzen bequem gemacht, da mussten sie schon das erste Mal aufspringen, als Thomas Müller den Gauchos den ersten Schlag verpasste. Daran hatten die Argentinier die verbleibenden 43 Minuten bis zur Pause zu knabbern, während die Rosenthaler sich Würstchen und Pommes schmecken ließen. Im ersten Durchgang gab es noch die eine oder andere Szene, die für Aufregung und Kopfschütteln beim Publikum sorgte, etwa die Gelbe Karte gegen Nationalheld Müller, die ihm eine Zwangspause im Halbfinale beschert, oder als Miroslav Klose mal wieder eine „Einhundertzehnprozentige“ vergab und über das Tor schoss. Aber solche Szenen sind ja irgendwie auch die Würze, die so ein Spiel zu einer wahren Sinnesfreude machen. Und die zweite Halbzeit war dann das reine Zuckerschlecken. Nachdem die jüngeren Zuschauer die Pause genutzt hatten, um sich unter den Rasensprengern auf der Wiese zu erfrischen, und die älteren die beim Jubeln und Schwitzen verbrauchten Kalorien durch den Verzehr von Grillgut ausgeglichen hatten, ging das Fußballfest weiter. Ein wenig Nervosität herrschte auf dem Platz im Kapstädter Green Point Stadion und vor dem Bildschirm auf dem Rosenthaler Reitgelände in der Anfangsphase – „irgendwie die ersten zehn Minuten überstanden“, beschrieb es ZDF-Kommentator Béla Réthy. Dann ging in der 68. Minute das Toreschießen los und binnen sechs Minuten war klar, dass Deutschland im Halbfinale war. Zwischen den Toren von Klose, der seinen Patzer aus der 24. mehr als wettmachte, und dem 3:0 von Arne Friedrich in der 74. lohnte sich eigentlich das Wiederhinsetzen nach dem Jubeln nicht. Einige Rosenthaler haben ihre Sprunggelenke ziemlich beansprucht an diesem Nachmittag. Der vierte Treffer in der 89. Minute war dann die süße Kirsche auf der gewaltigen Fußball-Sahnetorte,­ die die deutsche Mannschaft den Fans in Rosenthal und im ganzen Land an diesem herrlich-heißen Samstagnachmittag servierte. Rosenthal, ein Sommermärchen.

551168

Kommentare