Frankenberger Geschichtsverein besichtigt die Engelsburg und das Lateinische Viertel in Erfurt

"Dichterkönig" Hessus nachgespürt

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Am Erfurter Dom begannen die Frankenberger Geschichtsfreunde ihren Stadtrundgang auf den Spuren von Helius Eobanus Hessus. Von der Domtreppe bot sich ein weiter Blick über die Stadt. Fotos: vk

Frankenberg - Der Geschichtsverein suchte in Erfurt nach Spuren des Halgehäuser "Dichterkönigs" Eobanus Hessus.

Die älteste deutsche Universitätsstadt Erfurt war für den Geschichtsverein das Ziel einer Studienfahrt. Die Erinnerung an den aus Halgehausen stammenden Latein-Gelehrten und Humanisten Helius Eobanus Hessus (1488 bis 1540) ist an vielen historischen Stätten der Stadt noch nicht verblasst. Dies erfuhren die Mitglieder, als sie bei ihrer Tagesfahrt nach Thüringen viele Verbindungen mit dem Frankenberger Land entdeckten.

Karl-Heinz Hartmann aus Schreufa bereitet derzeit eine Biografie über Hessus vor, er hatte die Exkursion vorbereitet. Schon bei der Hinfahrt berichtete er der Gruppe, dass Erfurt im 15. Jahrhundert für die Frankenberger Lateinschüler ein bevorzugter Studienort gewesen sei: Zwischen 1465 und 1520 immatrikulierten sich dort 56 Studenten aus der Ederstadt. Der Bürgermeisterssohn Christian Stipp trug sich 1501 sogar mit Martin Luther in die Studentenliste ein - der spätere Reformator schrieb „Martin Luder“.

„Ruhm der Wissenschaft“

„Erfurt strahlt im Ruhm der Wissenschaft, vor allen Städten Deutschlands trug es im Wettkampf die Siegespalme davon“, dichtete 1504 der Lateinkünstler Hessus, der sich während seines Lebens dreimal in der Universitätsstadt aufhielt und Kontakt zu den wichtigsten Geistesgrößen seiner Zeit pflegte, darunter auch mit Luther und Erasmus von Rotterdam.

In Erfurt hielt sich der Gelehrte in der berühmt gewordenen Engelsburg auf. Dort habe sich eine Stätte humanistischer Bildung und trinkfreudiger Geselligkeit befunden, beschrieb der Vorsitzende des Fördervereins für die Humanistenstätte Engelsburg, Ralf-Dieter May, bei seiner Stadtführung. Aus dem dort tagenden Humanistenkreis mit seinen satirisch-kritischen „Dunkelmännerbriefen“ seien wichtige Impulse für die Reformation in Deutschland ausgegangen. May zeigte den Frankenberger Gästen auch die ältesten Kellergewölbe der historischen Stätte.

In dem vom Studentenzentrum Engelsburg betriebenen Restaurant nahmen sie auch zwischen dicken Mauern und dem jahrhundertealten Balkenwerk ihr Mittagessen ein.

Vorbei am „Humanistenerker“ des Hessus-Wohnhauses Engelsburg mit Gedenktafel führte May die Gruppe zur Michaeliskirche, in der Luther 1522 gepredigt hat. Es ging anschließend durch das „Lateinische Viertel“ zur Georgenburse und ins Augustiner-Eremiten-Kloster. Dort beeindruckte die Besucher der stilvolle Neubau der Bibliothek, in deren Keller ein „Raum der Stille“ an 267 Opfer einer britischen Luftmine erinnert, die im Februar 1945 detoniert war.

Anschließend besichtigten sie die älteste erhaltene Synagoge Europas aus dem Jahr 1094 und den dort ausgestellten „Erfurter Schatz“ mit einzigartigen Gold- und Silberschmiedearbeiten sowie mehr als 3000 Silbermünzen aus dem Mittelalter. Sie stammen von dem wohlhabenden jüdischen Geldverleiher und Bankier Kalman von Wiehe, der seine Wertsachen während des Pestpogroms im Jahr 1349 aus Angst vor Raub und Plünderungen versteckt hatte, aber nicht überlebt hat.

Blumenstadt Erfurt

Dass die heutige Blumenstadt Erfurt im Mittelalter ihren Reichtum wesentlich aus dem Handel mit Färberwaid bezogen hat, schilderte während der Fahrt Bernhard Bolz vom Frankenberger Geschichtsverein. Sein Vorfahre Christian Reichart (1685 bis 1775) machte die Stadt später als Pionier des erwerbsmäßigen Gartenbaus und einer intensivierten Landwirtschaft bekannt. Ein Denkmal von Georg Friedrich Kölling erinnert heute noch an ihn. (vk)

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