Finanzminister Schäfer in Bromskirchen

"Die Dorfgemeinschaft neu stärken"

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Bromskirchen - Seinen Antrittsbesuch im Jubiläumsdorf machte Schirmherr Schäfer am Dienstag Abend.

Eigentlich gehöre das Jubiläumsdorf ja zu seiner Heimat, findet Dr. Thomas Schäfer. Geschichtlich betrachtet, jedenfalls. Denn lange war Bromskirchen Teil des „Hinterlandes“, in dem nicht die Kasseler Landgrafen regierten, sondern der Darmstädter Familienzweig derer von Hessen. Erst in den 1930er Jahren sei das obere Edertal dem Kreis Frankenberg angeschlossen worden, erinnert er. Bis dahin gehörte es zum Amt oder später dem Kreis Biedenkopf. Und in eben jener Stadt wuchs Thomas Schäfer auf. Auch wenn der Christdemokrat im August 2010 hessischer Finanzminister geworden ist und 2012 seine Mandate als Kreistagsabgeordneter und Stadtverordneter niederlegen musste, legt er weiter Wert auf „Bodenhaftung“ und die Verwurzelung in seiner Heimat.

Und so übernahm er „in enger Verbundenheit“ zum einstigen „Hinterland“-Dorf die Schirmherrschaft über die 775-Jahr-Feier. „Ich danke für die Ehre, das mache ich gern“, betonte er am Dienstag Abend. Da war er erstmals zu Gast im Dorf. Bürgermeister Karl-Friedrich Frese und seine Kollegen Dietmar Knorra und Jürgen Helduser vom Vorstand des Vereins „775 Jahre Bromskirchen“ stellten ihm im Haus Frese das Jubiläumsprogramm und die Gemeinde vor.

Er hoffe, dass durch das Jubiläum „ein Ruck durch die Gemeinschaft geht“, sagte Frese. „Mehr Erfolg können wir nicht haben.“ Der Zusammenhalt im Dorf schwinde, viele zögen sich ins Private zurück und wollten sich nicht mehr binden oder Verantwortung übernehmen. Darunter litten gerade die Vereine. Er hoffe daher, durchs Fest ein neues Gemeinschaftsgefühl zu wecken und Leute zu finden, „die wir mitnehmen können“. Die ersten seien schon aufgetaucht, die sich engagierten.

Schäfer begrüßte „die Initiative, die Dorfgemeinschaft neu zu stärken und die Generationen zusammenzuführen“. Das sei auch gut zur Stärkung der Bromskirchener Identität. Er verwies auf den Bevölkerungswandel, alle müssten sich bemühen, dass „die Leute im Dorf bleiben“. Das Fest bringe die Einwohner wieder zusammen. Der Staat unterstütze das, und wenn er die Schirmherrschaft übers Dorfjubiläum übernehme, sei das doch „die einfachste Art zu helfen“ - noch dazu, „wenn der Finanzminister dann noch was mitbringt...“

Frese lobte: „Den finanziellen Grundstock fürs Jubiläumsfest haben Sie ja schon gelegt.“ Schäfers gab schmunzelnd zurück: „Der Onkel, der was mitbringt, ist immer beliebter als die Tante, die Klavier spielt.“

Frese berichtete dem Minister vom Filmabend im November als offiziellem Auftakt des Jubiläumsreigens, gezeigt wurden wie berichtet drei digitalisierte VHS-Filme von der 750-Jahr-Feier 1988. Die DVD-Version sei inzwischen auch in der zweiten Auflage fast ausverkauft. Bei der Silvesterparty in der Schützenhalle „hatten wir um 2 Uhr kein Bier mehr“, erzählte Frese. „Ordentliche Leistung“, kommentierte Schäfer anerkennend. Frese schmunzelnd: „Wir haben uns ja auch Mühe gegeben...“

Als nächstes folgt am 2. Februar die Vorstellung der neuen Chronik „Zeitspuren“. Schäfer fragte spontan, ob es noch Zeitzeugen gebe von der Entdeckung der V2-Raketen am Bromskirchener Bahnhof im März 1945. Die Bilder gingen damals um die Welt - erstmals war die deutsche „Wunderwaffe“ in die Hände der amerikanischen Militärs geraten.

Das Buch enthält auch ein ausführliches Mundart-Kapitel und Anekdoten. Helduser stellte die Arbeit am Platt-Wörterbuch in der Chronik und an der kürzlich erschienenen CD vor. Er verstehe zwar das Hinterländer Platt, berichtete Schäfer, „aber ich spreche nur ein paar Phrasen“. Seine Mutter sei eine Vertriebene aus Schlesien, bei ihm zu Hause sei Hochdeutsch gesprochen worden.

Dietmar Knorra verwies auf die hr-3-Discoparty mit Moderator Peter Lack, die der Jugendclub mit der Feuerwehr am 4. Mai in der Schützenhalle organisiert. „Wir wollen zum Jubiläum alle Generationen mitnehmen“, hob Frese hervor.

Beim Termin Ende Mai fühlte sich Schäfer an seine Heimatstadt erinnert: An drei Tagen wollen die Bromskircher ihre Grenzen ablaufen. Dieses Ritual kennt Schäfer schon seit Kindheitstagen: In Biedenkopf ist der Grenzgang alle sieben Jahre ein großes historisches Heimatfest, das es seit mindestens 1693 gibt. Ein eigener Verein sorgt für die Organisation.

Diesmal werde die Grenze in geänderter Richtung abgegangen, dadurch ließen sich Steigungen vermeiden, berichtete Frese. Schäfer staunte: „In Biedenkopf würde so eine Änderung zur Revolution führen...“

Und im August folgt dann die große Festwoche, in die das traditionsreiche Fest der „Hubertusschützen“ eingebunden ist. Auf jeden Fall will Schäfer am am 1. August am Heimatabend zum Auftakt teilnehmen. Ob er zu weiteren Ereignissen ins Dorf kommt, steht noch nicht fest. Grund: die Diskussion um den Wahltermin in Hessen, erst am Montag hat Ministerpräsident Volker Bouffier verkündet, ihn auf den Tag der Bundestagswahl Ende September zu legen. Damit beginnen auch für Schäfer die Wahlkampfplanungen.

Frese überreichte dem Schirmherren jedenfalls schon einmal die „Grundausstattung“ fürs Jubiläumsjahr: das Bierglas mit dem Logo, die grünen Bierdeckel mit dem aufgedrucktem Programm und ein Fläschchen Jubiläumsschnaps. Lediglich das grüne T-Shirt fehlte - „wir haben derzeit nur noch Kindergrößen“, sagte Frese - und die sind nunmal nicht geeignet für den doch eher stattlichen Minister-Leib.

Der bekam noch eine Stärkung: Regine Frese servierte „Stammen Max“, bevor Schäfer und ihr Mann zum nächsten Termin mussten: dem Neujahrsempfang in Battenberg.

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