Grüsen

"Die Kirche ist kein Wohnzimmer"

- Gemünden - Grüsen (gl). Zwei Mal hat es nicht geklappt – jetzt wird der Erhalt des Kirchengebäudes aus dem Jahr 1833 gefördert. Pfarrer Hilmar Jung will mit dem Geld drängende Mängel beseitigen.

Die Liste ist lang: Hilmar Jung steht im kleinen Kirchenschiff des Gotteshauses und zählt auf, welche Reparaturen anstehen. Einen Gesamtbedarf von ungefähr 590 000 Euro hat der Pfarrer ermittelt: Die Decke muss nach der Reparatur des Daches dringend gestrichen werden, an einigen Stellen weist sie zudem kleinere Risse auf. Die Empore und die Wände müssen ebenfalls neu gestrichen werden. Die Originalbänke aus dem 19. Jahrhundert haben eine Generalüberholung nötig, die Heizung bedarf einer Auswechslung, die Fenster müssen abgedichtet und „energetisch“ aufgerüstet werden, ohne sie durch neue zu ersetzen. Pfarrer Jung könnte diese Liste noch eine Weile fortsetzen. Kurz: die Kirche in Grüsen ist über 170 Jahre alt, und die Gemeindemitglieder bekommen dies bei Gottesdiensten inzwischen zu spüren. Zwei mal hat sich seine Gemeinde bereits bei der „Stiftung Kirchenerhaltungsfonds“ der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck beworben, zwei mal wurden andere Gotteshäuser berücksichtigt. „Wir sind einfach zu unbedeutend“, erklärt Jung. Die ehemalige Grüsener Kirchengemeinde ist gerade einmal 800 Mitglieder stark, allein Jung betreut zehn Dörfer. Doch dieses Jahr hat es geklappt. Es gab keine Konkurrenz aus dem Kirchhainer Kirchenkreis, dem die zu Jahresbeginn zusammengeschlossene Gemeinde „Gemünden-Bunstruth“ angehört. Durch die Aufnahme in den Fonds werden alle Einzelspenden verdoppelt, die die Kirchengemeinde zwischen dem 8. Juni und dem 12. November einnimmt. Dafür ist ein Förderkreis eingerichtet worden, der in den vorigen zwei Jahren bereits rund 45 000 Euro eingesammelt hat. Mit den erhofften Einnahmen der nächsten Monate wird diese Summe dann zum Fristende gespendet. Damit noch etwas mehr Geld zusammenkommt, hat sich der Vorstand des Förderkreises noch einige Aktionen einfallen lassen. Ende Juni wanderten die Gemeindemitglieder zur Donisse, einem alten Steinbruch, der als keltische Kultstätte gilt. Anschließend wurde gegrillt. Das Konzert zur Jubiläumsfeier der Lehnhäuser Feuerwehr am 8. August findet zu Gunsten der Grüsener Kirche statt. Im September will Jung mit seinen Konfirmanden eine kreative Aktion starten, etwa Schuheputzen vor einem großen Supermarkt. Das Erntedankfest soll zum Kartoffelfest werden und ein großer Gemeindenachmittag im November soll ein paar letzte Einnahmen generieren. Am wichtigsten sind für Pfarrer Hilmar Jung die Restaurierung der Empore, Wände und Decke. Er würde gerne den hellbrauen Originalton am Holz und die zartrosa Wandfarbe wiedersehen, der Kirchenvorstand ist sich uneins. Sicher ist, dass das über den Fonds eingenommene Geld nicht für alle notwendigen Arbeiten reicht. Die Heizung etwa müsse erst einmal warten, denn „die Kirche ist kein Wohnzimmer“, sagt Jung. Vielleicht aber könnte an den Fenster schon ein wenig gearbeitet werden. Das teure Gerüst steht noch. Es wurde für neue Fassadenfugen gebraucht. Die hat die Gemeinde aus Rücklagen selbst bezahlten müssen.

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