Firma Berning präsentiert Neuheiten

"Die Kleinsten, aber die Innovativsten"

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Erst mit, dann ohne Sleeve: Hans-Dieter Sonntag vor dem neuen Entsleever „BE-100“.

Frankenberg - Kunden der Firma Berning wollen vor allem eines: dass ihre Produkte ins Auge stechen. Im Supermarkt-Regal, in der Parfümerie, in der Drogerie. Statt mit simplem Papier beklebt, fällt die komplett mit weißer Folie umhüllte Colaflasche sofort auf. Und der bunte Joghurtbecher sieht so ganz anders aus als die trist bedruckten Plastikbehälter der Konkurrenz.

„Sleeve“, zu Deutsch Schlauch, heißt das Verfahren, bei dem Kunststoff- oder Glasverpackungen komplett mit einer bedruckten Folie umhüllt werden. Am Vormarsch „gesleevter“ Produkte hat der Frankenberger Maschinenhersteller Berning großen Anteil. Das Unternehmen ist Technologieführer, hat Kunden überall in der Welt – darunter viele bekannte Marken, vom Joghurt-Hersteller über die Waschmittelfirma bis zum Kondomproduzenten.

Namen will und darf Hans-Dieter Sonntag allerdings nicht nennen. Er ist Geschäftsführer bei Berning und hat den steilen Aufstieg der Sleeve-Verpackungen nicht nur verfolgt, sondern auch Anteil daran. 1994 hat der Betrieb mit der Produktion der ersten Sleeve-Anlage begonnen. „Sleeve ist für Verkauf und Marketing interessant und steht für Differenzierung, Dekoration, Blickfang und Innovation“, sagt Sonntag.

Beim Sleeven werden bedruckte Plastikfolien auf die Verpackungen gesteckt und per Dampf oder Heißluft erhitzt, sodass sie schrumpfen und dicht anliegen. Üblich war bislang das Verwenden von Wasserdampf. Vor zwei Jahren hat Berning eine Trockendampf-Sleeve­maschine entwickelt. Die Verpackungen werden nicht feucht und können direkt weiterverarbeitet werden. „Eine technische Innovation, die einzigartig ist in Europa“, sagt Sonntag. „Berning steht für Innovation. Kopieren kann jeder.“ Daneben sei die hohe Flexibilität ein Vorteil, weil die Maschinen und die gesamte Technik komplett am Stammsitz in Frankenberg entwickelt und gebaut würden.

2004 stellte die Firma die erste­ vollautomatische Becher­sleevemaschine vor, die 6000 Plastikbecher pro Stunde sleeven konnte. Zwei Jahre später konnten bereits 14000 Stück pro Stunde verarbeitet werden. Eine moderne Doppelkopfanlage schafft 42000 Sleeves pro Stunde – mit nur geringem Ausschuss. „In der Flaschenindustrie sind hohe Stückzahlen wichtig“, erklärt Sonntag. „Es gibt immer mehr Produkte mit gesleevter Oberfläche. Es ist keine Nische mehr.“

Die Großkonzerne als Kunden sind die beste Werbung. „Wir sind die Kleinsten, aber die Innovativsten“, sagt Hans-Dieter Sonntag. Die Sleevemaschinen machen inzwischen einen Anteil von 80 Prozent am Umsatz aus. Daneben produziert Berning weiterhin Klebemaschinen. Etwa die Hälfte der Kunden sitzt in Deutschland, der Rest der Anlagen wird von Frankenberg aus in die ganze Welt ausgeliefert.

2002 hat Berning die Sleeve-Lohnfertigung eingeführt und bedient Kunden, die sich keine Maschine kaufen wollen. „Der Erfolg war bombastisch“, sagt Hans-Dieter Sonntag.

Allerdings sind die bedruckten Folien teurer als einfache Papieretiketten. Deshalb geht der Trend zu dünneren Folien, die allerdings nur von bestimmten Maschinen verarbeitet werden können – Berning hat sie im Programm.

Ging es bislang nur darum, die Sleevemaschinen weiterzuentwickeln, geht Berning seit Kurzem auch noch den umgekehrten Weg: Beim Entsleeven werden Plastikschlauch und Verpackung im Bruchteil einer Sekunde getrennt. Wichtig ist das, weil beispielsweise Glasflaschen bislang nicht recycelt werden können, wenn sei gesleevt sind. Und weil die Sleevefolie aus anderem Material besteht als PET-Kunststoffflaschen, entsteht bei der Wiederverwertung ein unreines Granulat. „Ich sehe dafür ein riesiges Potenzial auf dem Markt“, sagt Hans-Dieter Sonntag. „Wir gehen davon aus, dass die Anlage gut einschlagen wird.“ Schließlich sei Recycling sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll. „Uns ist kein Anbieter bekannt, der eine vergleichbare Anlage im Programm hat.“

Ein Prototyp steht vorführbereit in der Firmenhalle: ein unscheinbarer silberner Kasten mit Förderband. Auf einer Seite werden die gesleevten Behälter auf das Band gestellt, sie fahren durch die Maschine und kommen direkt „entsleevt“ wieder heraus. Die Funktionsweise will Sonntag nicht verraten. Bislang sei das „Entsleeven“ nur per Hand mit Messern möglich gewesen: „Völlig unwirtschaftlich“, sagt Sonntag. Dank der neuen Technik könnten auf Pfandflaschen gesleevt werden.Bislang konnten solche Behälter nicht wieder verwertet werden.

Derzeit schafft die Maschine „BE-100“, 4000 Behälter pro Stunde zu entsleeven. „Die nächste Generation schafft eine Stückzahl von 10000“, ist Sonntag überzeugt.

Das Geschäft boomt: „Die Zuwachsraten pro Jahr sind zweistellig.“ Hans-Dieter Sonntag sucht händeringend Fachkräfte – und hat in den vergangenen Monaten schon neue Mitarbeiter eingestellt, 80 sind es derzeit. Zusätzlich werden die Abteilungen in der 65 Jahre alten Fabrikhalle an der Jahnstraße neu strukturiert, um Arbeitsabläufe und Produktionsbedingungen an die steigende Nachfrage anzupassen. Bis Ende Oktober sind die Auftragsbücher voll.

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