Bottendorf

„Die Ziege ist uns ans Herz gewachsen“ - Video

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- Burgwald-Bottendorf (jos). „Gibt es die Möglichkeit, dass die Ziege auf einem Gnadenhof aufgenommen wird?“, will ein zunächst anonymer Anrufer am Wochenende von der WLZ-FZ-Redaktion wissen. „Wir können gerne vermitteln“, lautet die Antwort. Und schon wenige Stunden später ist alles geregelt: Berta sitzt im Auto und fährt mit ihren neuen Besitzern nach Vöhl.

Die Geschichte von Berta hat viele Tierfreunde bewegt. Aus dem Stand heraus ist die flinke Ziege über ein Zwei-Meter-Gitter gesprungen und so vor dem Bottendorfer Metzger Hans-Georg Schneider geflüchtet. „Ein irres Vieh“, kommentierte der Schlachter nur kopfschüttelnd. „So ein Einsatz muss doch belohnt werden“, haben sich Norman Siegel und seine Mitstreiter vom Gnadenhof in Vöhl gedacht, als sie Bertas Geschichte in der Zeitung gelesen haben. Deshalb hat Siegel vorige Woche gleich Kontakt zu den Besitzern der Ziege aufgenommen – denn Berta sollte vom Bottendorfer Metzger im Auftrag vom „Biermannshof“ geschlachtet werden. Die Betreiber des Bio-Hofes willigten ein: Wenn die Tierschützer die Ziege fangen, dürfen sie sie behalten und mit auf ihren Gnadenhof nehmen.

Die WLZ-FZ-Redaktion ist auf dem Gnadenhof also offene Türen eingerannt: Als wir Norman Siegel gefragt haben, ob er Berta aufnehmen würde, war der Tierschützer begeistert. „Wir haben uns hier auf dem Hof schon so sehr über die Flucht vor dem Metzger gefreut, auf jeden Fall kann die Ziege bei uns unterkommen“, sagt Siegel. Mit den Besitzern der Ziege hat er schon alles geklärt. Also wird noch für den gleichen Tag ein Treffen in Bottendorf verabredet.

Ohne Carola Waßmuth wäre die Mission „Ziege fangen“ sicherlich gescheitert. Viele Bottendorfer haben die Ziege zwar bereits im Dorf umherirren sehen – doch Berta erwies sich den Menschen gegenüber als extrem scheu. Nur zu Carola Waßmuth hat das Tier mit der Zeit Vertrauen gefasst. Seit Anfang voriger Woche ist Berta immer wieder durch den Garten zum Küchenfenster der Bottendorferin gekommen. Ihr hat Berta sogar aus der Hand gefressen.

Carola Waßmuths Vater Rudi Schwab war es, der in der WLZ-FZ-Redaktion angerufen hat. Zunächst wollte er anonym bleiben – aus Angst, jemand könnte den Aufenthaltsort der Ziege an den Metzger verraten. „Die Ziege ist uns nämlich ans Herz gewachsen“, sagt Schwab. Er wohnt mit seiner Frau Ute gleich neben dem Haus, in dem seine Tochter die Kellerwohnung gemietet hat – durch den Garten ist die Ziege Berta immer wieder zum Küchenfenster gekommen.

Rudi Schwab hat bei der WLZ-FZ-Redaktion schließlich nachgefragt, ob es nicht einen Gnadenhof gebe, der die Ziege aufnehmen könnte. Damit bringt er den Stein ins Rollen, der am selben Abend zu der Rettungsaktion für Berta führt. Es dämmert bereits, als Norman Siegel mit seiner Frau Corinna und mit Heinz Willy Mainz vom Vöhler Gnadenhof in Bottendorf vorfährt. „Die Ziege ist im Garten, hinter dem Haus“, sagen Ute und Rudi Schwab und führen die Tierschützer durch Carola Waßmuths Wohnung auf die Terrasse. Dort hat Bertas Vertrauensperson bereits mit dem Brot in der Hand versucht, die scheue Ziege anzulocken. Genau wie schon so oft in dieser Woche.

„Sie ist ganz scheu und verängstigt, wir müssen leise sein“, mahnt die Bottendorferin. Vorsichtig pirscht sich Berta zwar immer wieder heran. Doch jedes Mal kehrt sich die Ziege wieder ab, bevor sie greifbar gewesen wäre. Mit dem Rascheln eines Futtereimers weckt Norman Siegel daraufhin zwar die Neugierde von Berta. Doch das Misstrauen der Ziege siegt immer wieder – „keine Chance, wir müssen bei Helligkeit wiederkommen und es mit einem Netz versuchen“, sagen die Tierschützer. Doch dann, als die Aktion eigentlich schon zum dritten Mal abgeblasen ist, ruft Carola Waßmuth auf einmal aufgeregt: „Ich hab sie, ich hab sie.“ In Sekundenschnelle eilen die erfahrenen Tierretter herbei und legen der Ziege eine Halse um. Berta wehrt sich nur kurz, dann lässt sie sich brav zur Terrasse führen.„Ich habe sie einfach an ihren Hörnern gepackt“, sagt Carola Waßmuth noch völlig aufgeregt. Dann wird sie von Glücksgefühle über die erfolgreiche Ziegenrettung überwältigt. „Ich bin so froh, dass die Ziege nicht geschlachtet wird“, sagt die Bottendorferin freudestrahlend.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Dienstag, 13. September

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