Manfred Bode erinnert sich an Aufbau des Kreis-Heimatmuseums im Kloster

Dienstfahrt mit Altertümern

Gast im Heimatmuseum: Aus seinem Familienbesitz überreichte jetzt der Frankenberger Manfred Bode (links) ein handgeschriebenes Geometriebuch und mehrere alte Schriftstücke an Museumsleiter Heiner Wittekindt. Nach dem Krieg war hier seine Gendarmerie-Dienststelle. Fotos Völker

Frankenberg. Das Sammeln von Erinnerungen und, wie er sie nennt, „Andenken“ gehörte schon immer zum Leben des 88-jährigen Frankenberger Polizeihauptmeisters a. D. Manfred Bode. Davon zeugen in seiner Wohnung an der Marburger Straße Fotos von Schiffsreisen, Pokale von Sternfahrten oder alte Uniformmützen. Besonders verbunden ist er aber mit dem Frankenberger Kreis-Heimatmuseum, dem er schon so manches Erinnerungsstück überlassen hat und bei dessen Aufbau in den 1950er-Jahren er auch als junger Polizeibeamter mithalf.

Als Manfred Bode dort vor ein paar Tagen ein handgeschriebenes Geometriebuch eines Vorfahren und eine Straßenverkehrsordnung aus dem 19. Jahrhundert an Museumsleiter Heiner Wittekindt übergab, stand ihm diese Zeit wieder vor Augen: Dort, wo heute in der Mauritiuskapelle des Museums im Kloster die Barockengel von Liebfrauen- und Totenkirche schweben, befand sich die erste Dienststelle Bodes, als er im April 1946 bei der „Gendarmerie“ anfing. Unten standen die Polizeifahrzeuge der „Beweglichen Station“, darunter auch sein NSU-Motorrad mit Beiwagen, über der eingezogenen Zwischendecke richtete man enge Büros ein.

Bevor 1959 die lange angestrebte Landespolizeistation auf dem Johannisland eröffnet wurde, hatten die Polizisten provisorisch vom Kloster und dann von Ernsthausen aus den Kreis versorgt. Den Kreuzgang von Sankt Georgenberg erklärte der Kreistag 1951 zum Kreis-Heimatmuseum, das von Landrat Ulrich Stapenhorst und seinem Kreishauptsekretär Georg Merkel mit großem Engagement aufgebaut wurde.

„Merkel war ja nicht motorisiert, aber von uns Polizisten war immer jemand da, der ihm beim Holen oder Entladen von Ausstellungsstücken anfassen konnte, denn die Kapelle war noch unsere Garage“, erzählt Manfred Bode.

Wenn sich dann die Bürgermeister in ihren Dörfern meldeten und „Altertümer“ fürs neue Heimatmuseum anboten, dann schrieb Georg Merkel einen Zettel und steckte ihn den Polizeibeamten zu. „Ihr könnt mir doch mal aus Basdorf den alten Kronleuchter aus der Kirche mitbringen“, sagte er, und Manfred Bode brachte das verstaubte Stück von solch einer Dienstfahrt mit. Der Landrat hatte diese „Amtshilfe“ ausdrücklich gestattet.

Leuchter in der Kapelle

Umgekehrt, und auch das erzählte der pensionierte Beamte Bode jetzt bei seinem Besuch im Heimatmuseum, sei er mit solchen historischen Exponaten auf dem Polizeifahrzeug von Leuten einmal gefragt worden: „Na, seid ihr Gendarmen denn jetzt auch schon Schrotthändler?“ Der schöne alte Basdorfer Deckenleuchter aus Holz erfreut die Besucher heute in der ehemaligen Klosterkapelle.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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