Löhlbacher Festausschuss verändert Logo

Der Dippeschrapper feiert nicht mit bei der 800-Jahr-Feier

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Neues Logo: Der Schriftzug 800 Jahre Löhlbach mit Lindenblatt und die Jahreszahlen 1215 und 2015 bleiben vom alten Logo übrig. So wirbt Löhlbach fürs Jubiläumsfest.

Löhlbach. Der Festausschuss hat das Männchen mit Topf und Löffel aus dem Logo der Jubiläumsfeier gestrichen, weil es die Löhlbacher zu sehr als Hungerleider darstelle.

Der Löhlbacher Festausschuss hat kurz vor der Auftaktveranstaltung zur 800-Jahr-Feier des Ortes das Festlogo verändert: Der Dippeschrapper - ein Männchen, das mit einem Löffel einen Topf (Dippe) ausschabt - ist entfernt worden.

Grund: Nicht Dippeschrapper, sondern Schräppercher oder Schräpperche - also einer, der alles zusammenkratzt - sei der Spitzname der Einwohner, meinen die älteren Löhlbacher.

Beide Spitznamen beziehen sich auf die Armut der Löhlbacher in früheren Jahren. „Aber das Wort Dippeschrapper bezieht sich zu einseitig auf die Darstellung der Löhlbacher als Hungerleider. Darüber haben sich die älteren Löhlbacher aufgeregt“, sagt Festausschussvorsitzender Hermann Möller auf HNA-Anfrage.

Heinz Brück, Vorsitzender des Löhlbacher Heimat- und Kulturvereins und Verfasser der kürzlich erschienen Festschrift „800 Jahre Löhlbach“, erläutert, wie es zu der Änderungen kurz vor dem Fest kam. Bei der Planung eines Logos für das Ortsjubiläum hatte der Löhlbacher Gerd Faust die Karikatur mit Männchen, Holzlöffel und „Dippe“ entwickelt - den Töpfeschaber oder Dippeschrapper.

Kaum etwas zu beißen

Fausts Karikatur bezieht sich auf die Angaben, die der gebürtige Löhlbacher Pfarrer und Heimathistoriker Gustav Hammann (1922 bis 1978) in seiner Schrift über die Spitznamen der Orte im Frankenberger Land macht: „Frankenau und Löhlbach haben den Bettelmann müde gemacht, weil es dort kaum etwas zu Beißen und zu Brechen gab.“ Um satt zu werden, mussten die Löhlbacher auch die letzten Speisereste aus dem Topf oder der Schüssel schrappen (kratzen).

Gerd Faust hat in seiner Karikatur das Töpfeauskratzen wörtlich umgesetzt. Die älteren Löhlbacher sind sich aber laut Heinz Brück einig, dass der Begriff „Dippeschrapper“ nicht der richtige sei, obwohl er auch den Sinn des Spitznamens der Löhlbacher treffe.

Ein Schräppercher sei jemand, der nicht nur die Essens-Töpfe auskratzt, sondern generell sein Eigentum zusammenhalte. Anders als im Nachbarort Frankenau hätten die Löhlbacher Bauern ihr Land nur an einen Sohn vererbt und nicht unter den Kindern aufgeteilt. Ein Schräppercher sei auch jemand, der sein Geld zusammenhält - und es wohl auch für Anschaffungen zusammenkratzen muss.

Warum die Löhlbacher früher nach Hagen auswanderten, wie es heute um den Wohlstand der Bewohner bestellt ist und was Spitznamen von Orten uns sagen wollen, das lesen Sie in der gedruckten Samstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

Quelle: HNA

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