Frankenberg

Direktkandidat im Portrait: Dr. Edgar Franke will für SPD Wahlkreis gewinnen

- Frankenberg (jos). Aus Edgar Frankes Sicht geht es bei der Bundestagswahl um eine Richtungsentscheidung: Seine SPD wolle eine Solidargesellschaft, die politischen Gegner von CDU und FDP hingegen stünden für eine Ellbogengesellschaft.

„Es gibt ein Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsproblem in der Politik“, sagt Dr. Edgar Franke. Er selber hat dieses Problem allerdings bei seiner Wiederwahl zum Bürgermeister der Stadt Gudensberg nicht gespürt: Mehr als 90 Prozent der Wähler gaben ihm ihre Stimme. In der Stadtverordnetenversammlung hat die SPD die absolute Mehrheit – von solchen Verhältnissen kann die Bundespartei nur träumen. Und doch will Franke nach Berlin: „Ich gehe davon aus, dass ich den Wahlkreis gewinne“, sagt der 48-Jährige selbstbewusst. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Also ändert sich ja nichts an meinen guten Wahlergebnissen...“

Bislang vertritt Gerd Höfer die Interessen der SPD-Anhänger aus dem Wahlkreis Frankenberg/Schwalm-Eder im Bundestag. Bei den vergangenen Wahlen holte Höfer jeweils das Direktmandat. Höfer setzt sich mit dem Ablauf dieser Legislaturperiode zur Ruhe. Damit Franke ihn als Bundestagabgeordneter „beerben“ kann, ist der Gudensberger schon seit vorigen November im Wahlkreis unterwegs, um sich den Menschen hier und dort vorzustellen. „Ich habe bestimmt rund 500 Termine wahrgenommen und viele Leute persönlich kennengelernt“, berichtet Wahlkämpfer Franke. Unter anderem hat er den heimischen Landtagsabgeordneten Reinhard Kahl bei seiner Sommertour begleitet. Der Herzhäuser habe generell viel für den Wahlkampf organisiert, schildert Franke.

„Es bringt etwas...“

„Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden“, sagt der Gudensberger über seine Besuche bei Firmen, aber auch bei Vereinen und Festen im Frankenberger Land. Ja, bestätigt er, es sei durchaus eine „Ochsentour“, vom einem Feuerwehrjubiläum zum nächsten Schützenfest zu reisen – „aber es bringt etwas, wenn man den Leuten näherkommt.“ Ihm sei dabei auch wichtig, so Franke, sich bei den Terminen lieber etwas mehr Zeit zu nehmen, als zu schnell von hier nach dort zu hetzen.

Bei den Firmenbesuchen gerade im Frankenberger Land mit seinen zahlreichen Automobilzulieferern sei ihm deutlich geworden, dass das Konjunkturprogramm des Bundes richtig gewesen sei. „Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes und die Abwrackprämie haben dafür gesorgt, dass die Krise hier nicht so angekommen ist wie in anderen Ländern in Südeuropa.“ Viele Betriebe in der hiesigen Region hätten zwar zu kämpfen. „Aber wenn wir nichts gemacht hätten, wäre die Situation verheerend“, ist sich Franke sicher.

Wenn die Wirtschaft aus dem Ruder laufe, müsse der Staat eingreifen. „Das Projekt Neoliberalismus ist gescheitert“, betont Franke. Kommt also jetzt der politische Linksrutsch und eine rot-rot-grüne Regierung in Berlin zustande? „Mit Oskar Lafontaine wird kein Sozialdemokrat regieren, der eine gewisse Lebenserfahrung hat“, winkt Franke ab. Nein, einen Koalitionsvertrag mit den Linken werde er nicht unterschreiben.

Spätestens seit den „hessischen Verhältnissen“ ist allerdings bekannt, dass die unterschiedlichen Parteiflügel innerhalb der SPD unterschiedlich über die Linken denken. Wo steht Franke? „Ich bin weder links noch rechts, ich bin pragmatisch“, betont er. Dafür sei er in Gudensberg bekannt. „Wir haben Kommunalpolitik anders gemacht“, sagt Franke. Während andere Städte und Gemeinden auf Privatisierungen gesetzt hätten, habe die Gudensberger Verwaltung das Gegenteil praktiziert: „Wir haben zum Beispiel Ingenieure eingestellt und Baugebiete selber geplant und vermarktet“, berichtet Franke. Weil strategische Planungen in städtischer Hand geblieben seien, stelle sich die Haushaltssituation in Gudensberg überaus positiv dar. „Wir haben Rücklagen von mehr als sechs Millionen Euro“, berichtet Franke.

„Ideologische Schützengräben“ hält der Bundestagskandidat für falsch. Für ihn geht es in der Politik vielmehr um handwerkliches Denken. „Man muss vor einem ersten Schritt auch den zweiten oder dritten Schritt im Kopf haben“, sagt Franke. Außerdem müsse ein Politiker eine gewisse Lebenserfahrung haben. „Ich halte nichts davon, wenn ein junger Mensch direkt von der Universität kommt und in den Bundestag einzieht“, erklärt der 48-Jährige.

„Besonders geerdet“

Durch seine beiden Kinder sei er „besonders geerdet“, sagt Franke, der seine Berufs- und Lebenserfahrung in seine Arbeit als Abgeordneter einbringen will. Politisch aktiv ist Franke bereits seit seinem 16. Lebensjahr. Als „naiver Idealist“ sei er gestartet. Seine Ideale habe er allerdings nie verraten.

Steckenpferd des Gudensbergers ist das Sozialrecht. Er studierte Politik- und Rechtswissenschaft in Marburg und Gießen und promovierte nach dem zweiten juristischen Staatsexamen im Kommunalrecht. Nach kurzer Tätigkeit in einer Rechtsanwaltskanzlei arbeitete er beim Dachverband der Berufsgenossenschaften. Er war dort zunächst Fachgruppenleiter „Öffentliches Recht“ und später Rektor und Professor an der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung in Bad Hersfeld. Franke ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen im Bereich des Arbeits- und Sozialrechts, zuletzt als Herausgeber des im Nomos-Verlag erschienenen Praxiskommentars Sozialgesetzbuch VII.

Neben der Sozialpolitik ist ihm die Landwirtschaft ein wichtiges Anliegen. Bei den Milchpreisen könnte aus Frankes Sicht eine „Doppel-Strategie“ helfen. Zum einen müsse man an die Verbraucher appellieren, die für gute Lebensmittel auch gute Preise zahlen sollen, findet Franke. Zum anderen könnte nach Meinung des Bundestagskandidaten eine Selbstverpflichtung der Landwirte, weniger zu produzieren, dabei helfen, die Preise zu stabilisieren.

Bezüge nach Frankenberg

Die Landwirtschaft ist übrigens auch Frankes Anknüpfungspunkt an das Frankenberger Land. Denn der Hainaer Landwirt Walter Hellmuth ist Frankes Cousin.

Der Vater des Bundestagskandidaten, August Franke, war bis 1984 Landrat des Schwalm-Eder-Kreises. „Auch dadurch hatte ich schon damals Bezüge auch ins Frankenberger Land“, sagt Edgar Franke. Damit er bis zur Bundestagswahl in der Gegend noch bekannter wird, hat der Bürgermeister seit voriger Woche Urlaub – und bis zum 27. September noch viele Termine als SPD-Bundestagskandidat.

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