20-Jähriger wollte angeblich Freund helfen – 80 Sozialstunden und Schmerzensgeld

In der Disko flogen die Fäuste

Frankenberg. In seinen Augen war es Nothilfe, für das Gericht war es eine unreife Prügelei unter Jugendlichen: Weil er in einer Frankenberger Diskothek einen 21-jährigen Mann mit Fäusten geschlagen hatte, verurteilte Amtsrichterin Andrea Hülshorst gestern einen 20-jährigen Studenten aus dem Frankenberger Land zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und der Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 250 Euro.

Im September vergangenen Jahres hatte der Angeklagte mit einem Freund eine Diskothek besucht. Sein 21-jähriger Kumpel war stark alkoholisiert, zettelte mit einem Gast, einem 21-jährigen Mann, im Rausch einen Streit an – schnell kam es zu Handgreiflichkeiten. Zuvor hatte der 21-Jährige den Gast wüst beschimpft, ihn etwa als „feige Schwuchtel“ bezeichnet. Für seine Übergriffe wurde er bereits in einem anderen Verfahren verurteilt – nun galt es, die Rolle des Angeklagten in der Sache zu klären. Nach eigener Darstellung interpretierte dieser die Situation falsch und wollte seinem Freund zur Hilfe eilen. Als er den Gast mit Fäusten attackierte, sei die Prügelei zwischen seinem Freund und dem Diskobesucher noch in vollem Gange gewesen.

Die Zeugen schilderten allerdings eine andere Version des Hergangs: So seien die Kontrahenten schon getrennt und die Auseinandersetzung beendet gewesen, als der 20-Jährige erneut auf den am Boden liegenden Mann einschlug. Auch Andrea Hülshorst schenkte den Ausführungen des Angeklagten keinen Glauben: „Von Nothilfe kann hier keine Rede mehr sein“, sagte die Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Das Verhalten des Angeklagten stufte ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe als Kinderei ein: „Er hat nach dem Motto gehandelt: Ich muss da mal was geradestellen.“

So liest sich der Lebenslauf des Angeklagten wie das Musterbeispiel eines jungen Mannes aus gutem Elternhaus: Der 20-Jährige begann nach dem Abitur ein Studium des Bauingenieurwesens und wohnt noch bei seinen Eltern. „Hotel Mama“ und auch die finanzielle Abhängigkeit von den Eltern seien Zeichen, dass der Angeklagte noch nicht voll entwickelt sei, sagte Hülshorst und wandte deshalb das Jugendstrafrecht an.

Von Kristin Dowe

Quelle: HNA

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