Trotz abgebrannter Grillhütte feiert Dodenau ein abgespecktes „Köhlerfest“ zum Einbringen der Kohle

Dodenauer öffnen ihren Kohlemeiler

+
Der erste Korb Holzkohle ist „geerntet“: Oberköhler Otmar Lauth (links) mit Feuerwehrchef Frank Biebighäuser-Becker präsentiert das Ergebnis wochenlanger Arbeit.Fotos: Malte Glotz

Battenberg-Dodenau - Hitze unter einem Haufen Erde hat in den vergangen Wochen knapp zweieinhalb Tonnen Holz zu Kohle verwandelt. Am Samstag wurde der Meiler am Wildgehege schließlich geöffnet.

Niemand hätte es den Dodenauern wohl verübelt, wenn sie nach den Ereignissen der vergangenen Woche keine Lust mehr auf Kohle, Feuer, Hitze und Asche gehabt hätten. Doch so sind sie nicht: Bei Nieselregen wollten am Samstagmorgen mehr als 50 Bewohner des Dorfes in Sichtweite zu den Überresten der abgebrannten Grillhütte sehen, wie der Kohlenmeiler am Wildgehege geöffnet wird und sein wertvolles Gut preisgibt.

Ein Fest, wie ursprünglich geplant, war die Zeremonie nicht - und doch war sie mehr als ein Arbeitseinsatz. Eilig war ein kleines Bierzelt aufgebaut worden, neben der Köhlerhütte brannte ein Feuer. Am Meiler herrschte durchaus Atmosphäre, als Otmar Lauth zum ersten Spatenstich ansetzte und die ersten Zentimeter Erde vom Meiler hob. Lauth hatte zuvor erklärt, er sei sehr froh, dass seine Arbeit - also der Meiler - nichts mit dem Unglück wenige Dutzend Meter weiter zu tun habe. Er erläuterte den Zuschauern, dass der Meiler unter der Erdschicht in den vergangenen Wochen durchgehend eine Temperatur von 600 bis 800 Grad gehabt hätte. Eine Woche zuvor sei Wasser in den Meiler gegeben worden, um sein Inneres etwas abzukühlen - dennoch dampfte derweil hinter ihm der feuchte Erdhügel.

Vorsichtiges Arbeiten nötig

Bis Lauth und seine Hilfsköhler schließlich die ersten Brocken Kohle aus der Erde zogen, sollte einige Zeit vergehen. Mehrfach musste ein Schlepper mit voller Schaufel qualmendes Erdreich abfahren, während Lauth und seine Mannen sich immer tiefer in den Meiler wühlten. Dabei waren sie stets darauf bedacht, den Hügel nur von oben v-förmig zu öffnen: Ein Schaden am unteren Rand des Meilers hätte einen Kamin-Effekt auslösen können - nicht nur eine Gefahr für Köhler wie Zuschauer, sondern auch das Aus für die Kohle. So arbeiteten sich die Köhler langsam durch die Erde, bis sie schließlich auf die Reste der über dem Holz liegenden Kartoffelsäcke stießen.

Bis der erste kleine Korb mit den schwarzen Brocken gefüllt war, dauerte es. Doch dann ging es immer schneller. Bald war ein großer Teil der Kohle freigelegt. Wie in einem kleinen Steinbruch arbeiteten die Männer - meist nutzten sie, lediglich von Handschuhen geschützt, ihre Finger, um die Kohle zu „ernten“. Schließlich füllten sich die bereitstehenden, großen Metallkörbe mit der Kohle, und die Feuerwehr schritt ein: Die heiße Kohle musste in Wasser getränkt werden, damit sie sich an der frischen Luft nicht selbst entzündete. Derweil durften die Zuschauer die noch warmen Kohlen genauer unter die Lupe nehmen.

Programm beim Verkauf

Das Rahmenprogramm für das am Wochenende geplante Köhlerfest musste wegen des Brandes ausfallen, wie Ortsvorsteher Wolfgang Stein in seiner kurzen Begrüßung bedauerte. Eigentlich, sagte er, hätte er eine „feurige Rede“ halten wollen - dazu aber sei ihm nicht mehr zumute. Er dankte insbesondere der Feuerwehr des Battenberger Stadtteils für ihre Arbeit in den vergangenen Wochen, am Meiler und während des Brandes der Grillhütte. Die Kameraden hatten ursprünglich eine historische Wehrübung zur Eröffnung des Meilers geplant.

Da die Besucher der Meileröffnung auf Programm verzichten mussten, soll am nächsten Wochenende die Ausgabe der Kohle in etwas größerem Rahmen begangen werden: Die Ehrung der Hilfsköhler soll dann stattfinden, wahrscheinlich mit Musik. Ortsvorsteher Wolfgang Stein kündigte an, sich mit den Verantwortlichen besprechen zu wollen - im Laufe der Woche möchte er dann ein kleines Rahmenprogramm für den Kohlenverlauf auf die Beine stellen.

Kommentare