Dörnholzhausen: 65 Einwohner, 600 Kühe und Werbung in Dubai

Werbefiguren: Die Geschwister Sophia (10) und Andreas (11) machen im Radio und auf Plakaten Werbung für die Hochwald-Molkerei. Foto:  Paulus

Dörnholzhausen. Wenn man die menschlichen Einwohner zählt, ist Dörnholzhausen mit 65 der kleinste Stadtteil von Frankenberg. Zählt man aber die Tiere, dann ist das Dorf vergleichsweise eine Großstadt: Allein die vier Großlandwirte halten zusammen 600 Kühe und Rinder.

„Wir waren schon immer ein Bauerndorf“, sagt Ortsvorsteher Karl Hecker-Michel, ohne das abwertend zu meinen. Wir stellen den Ort in unserer Serie „Kleinste Ortsteile“ vor.

Acht Landwirte hat Dörnholzhausen heute, zwei im Vollerwerb. Die jungen Leute bleiben im Dorf, helfen auf den Höfen, bauen aber auch schicke Einfamilienhäuser am Ortsrand. Elf der 65 Einwohner sind unter 18, nur vier über 80, sagt Ortsvorsteher Hecker-Michel - natürlich auch Landwirt - und trommelt ein paar Kinder und ein Pony für ein Foto an der Dorflinde zusammen.

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Andreas und Sophia Dersch, elf und zehn Jahre alt, treffen wir auf dem Hof ihrerEltern eine Straße weiter. Die beiden machen Werbung für die Hochwald-Molkerei, erzählen sie, und Mutter Anna Monika spielt auf ihrem Handy einen Radiospot ab, den Andreas gesprochen hat. Seine Schwester Sophia ist auf Plakaten zu sehen.

Die Derschs mit ihren fast 200 Kühen und Rindern sind Lieferanten der Molkerei, die Kinder hatten sich für die Werbeaktion beworben und sind nun auf hessischen Sendern zu hören und auf Messen zu sehen. „Sophias Plakate waren schon in Dubai“, erzählt die Mutter stolz.

Ein paar Meter weiter reißt ein Bagger gerade das alte Natursteinpflaster aus dem Hof der Derschs. Sie pflastern neu - unterstützt durch die Dorferneuerung des Landes. „Das wird gut angenommen“, sagt Ortsvorsteher Karl Hecker-Michel über das Förderprogramm. „Das halbe Dorf hat schon was unternommen.“

Hecker-Michel lobt die Dorfgemeinschaft, auch wenn es mit der Feuerwehr nur einen echten Verein gibt. Einige Dörnholzhäuser sind in Vereinen der Nachbarorte Geismar und Haubern aktiv, etwa im Fußball oder der Landjugend. „Hier grenzt sich keiner aus, wir versuchen, vieles gemeinschaftlich zu machen“, sagt Hecker-Michel und erinnert an das 24-Stunden-Pflügen vor einem Jahr. Seit 22 Jahren ist der 61-Jährige Ortsvorsteher, mit der Kommunalwahl nächstes Jahr soll Schluss sein. „Den Nachfolger sollen die Jüngeren unter sich ausmachen“, sagt er und klingt keineswegs besorgt. Und kleinster Stadtteil zu sein, macht ihm auch nichts aus: „Ich fühle mich ganz wohl dabei. Und die Stadt versucht, unsere Wünsche zu erfüllen.“

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Dörnholzhausen: 65 Einwohner und 600 Kühe

Quelle: HNA

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