Frankenberger Kaninchenzuchtverein K4

Doktoren züchten heute nicht mehr

+

Frankenberg - Kaninchen umsorgen, züchten, ausstellen – das machen die Mitglieder des Frankenberger Kaninchenzuchtvereins seit 75 Jahren. Geändert hat sich im vergangenen Vierteljahrhundert daran nur die Mitgliederstruktur.

Verschiedene Rassen und Farbschläge, unterschiedliches Alter – dutzende von Kaninchen sitzen in ihren Ställen, bekommen von ihrem Züchter täglich Wasser, Futter und frisches Stroh, werden zur Zucht ausgewählt und gezielt verpaart oder fahren mit auf Tierschauen, um bewertet zu werden. Daran hat sich in den vergangenen 75 Jahren nicht viel geändert. Zumindest im Kaninchenzuchtverein K4 hat sich aber einiges daran geändert, wer die kleinen Langohren versorgt: „Früher durfte nicht jeder in den Verein“, erzählt Frank Schneider. Er ist stellvertretender Vorsitzender. „Nur die bessergestellten Menschen waren Mitglieder: Lehrer und Doktoren etwa.“ Er wäre als Postbeamter und „gewöhnlicher Mensch“ vermutlich gar nicht aufgenommen worden. „Wir wissen, dass der Kaninchenzuchtverein am 20. April 1937 gegründet wurde“, sagt der Vorsitzende Christian Batteux. Viel mehr ist über die Geschichte des Vereins nicht bekannt – das liege vor allem an den Protokollbüchern. Wie Batteux erzählt, fehlen ganze Jahre. Und die Protokolle die da sind, wurden in altdeutscher Schrift geschrieben. „Das ist für uns nur sehr schwer zu lesen.“ Was die beiden Wiesenfelder Züchter Batteux und Schneider noch wissen: Früher hatte nicht jedes Vereinsmitglied eine andere Zuchtrasse. „Mehrere Züchter kauften sich damals gemeinsam einen Rammler“, erklärt Schneider. Weil sich nicht jeder einen eigenen leisten konnte. Ein Vierteljahrhundert später sieht es im Frankenberger Verein ganz anders aus: 22 aktive Mitglieder, darunter drei Jungzüchter, verzeichnet der Verein unter den 55 Mitgliedern. Lehrer und Doktoren seien keine mehr dabei. Aber fast jedes Mitglied züchtet heute eine andere Rasse – oder zumindest in einem anderen Farbschlag: 17 unterschiedliche Rassen in 22 Farbschlägen sind es mittlerweile laut Batteux.

Ganz anders seien damals auch die Schauen gewesen: „Heute dauert eine Ausstellung drei Tage“, erklärt der Vorsitzende. Die Tiere werden am ersten Tag vom Preisrichter bewertet, dann bleiben die Kaninchen noch zwei weitere Tage in ihren Käfigen in der Ausstellungshalle. „Damals wurden die Kaninchen mit einem Handkarren zum Zug gefahren. Dann ging es vom Frankenberger Hauptbahnhof zum Ort der Tierschau.“ Direkt nach der Bewertung ging es für die Tiere und die Züchter wieder in den heimischen Stall.Mehrtägige Schauen richtet der Frankenberger Verein regelmäßig in seinem Vereinsheim im Schnödeweg aus. Am 20. und 21. Oktober steht die sechste allgemeine Nordhessenschau wieder auf dem Programm. Mindestens 450 Kaninchen in 30 Rassen und 40 Farbschlägen werden dort laut Batteux jedes Jahr der Bewertung der Richter ausgesetzt. Die Frankenberger Kaninchenzüchter stellen zudem bei befreundeten Vereinen aus: In diesem Jahr geht es ins sächsische Frankenberg – im vergangenen Jahr waren die dortigen Züchter mit zwölf Kaninchen zu Gast bei der Schau an der Eder. Im November geht es für die K4-Mitglieder zudem zur Landesverbandsschau nach Kassel. Etwa 15 Schauen besuchen die Vereinsmitglieder jedes Jahr. Der Verein sei rührig und viel unterwegs, pflege aber auch die Gemeinschaft. „Natürlich geht es in erster Linie um die Tiere – wie in einem Fußballverein um den Fußball“, sagt Batteux.

Neben den Kaninchen stand in der jüngeren Vereinsgeschichte auch das Vereinsheim im Mittelpunkt der Arbeit. Wie Schneider erzählt, wurde das Heim im Schnödeweg Anfang der 80er Jahre gebaut – in Eigenleistung der Züchter. Es folgte ein Anbau, weil der Platz bald nicht mehr ausreichte. Die heutigen Züchter kümmerten sich um das undichte Dach und das Pflastern der Ausstellungshalle. Viel zu tun gebe es laut Batteux trotzdem noch. Vor drei Jahren bauten die Züchter wieder an: Der Platz war für die Vereinsschau zu klein geworden. Bis zu 560 Tiere können dort seither gezeigt werden.

Das Jubiläum feiert der Verein am 25. August mit einem gemütlichen Abend: Befreundete Vereine und Vertreter aus der Politik und den Verbänden der Kaninchenzüchter stehen auf der Gästeliste. Neben Ansprachen der Gäste stehen Ehrungen auf dem kleinen offiziellen Programm.

Kommentare