Dorfkneipe wird zu Asylbewerberheim

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Hatzfeld-Holzhausen - Der Landkreis braucht mehr Platz für Asylbewerber: Das erste zusätzliche Heim nimmt nächste Woche 17 Bewohner auf. Die frühere Wirtschaft "Holzhäuser Stube" ist dafür umgebaut worden.

Schon nächste Woche ziehen die ersten Asylbewerber im ersten Stock der ehemaligen Dorfkneipe ein, insgesamt 17 könnten untergebracht werden, sagte Bernhard Hentrich, Besitzer der Hauses. Er hat einen Vertrag mit dem Landkreis Waldeck-Frankenberg geschlossen und das Fachwerkhaus zur „Gemeinschaftsunterkunft“ umgebaut. Weil in Fürstenberg 33 Asylbewerber ihre derzeitige Bleibe verlassen müssten, wären die 17 Plätze in Holzhausen „schnell belegt“, sagte Hartmut Wecker, Pressesprecher des Landkreises. Es handele sich um das fünfte und zugleich kleinste Heim im Kreis. „Es ist betriebsbereit“, bestätigte er Hentrichs Angaben.

Beim Ortsbeirat wird das Vorhaben kritisch gesehen. Ortsvorsteher Oliver Zissel betont aber, dass dies nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun habe. „Wir haben einfach Bedenken, weil die Infrastruktur im Dorf nicht die Beste ist“, sagte Zissel auf FZ-Anfrage. Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sei schlecht, es gebe keine Geschäfte und keine Beschäftigungsmöglichkeiten. „Deshalb sehen wir das in einem so kleinen Dorf als Problem an.“

Diese Bedenken seien dem Landkreis mitgeteilt worden. Auf keinen Fall stelle man sich aber in die „rechte Ecke“, sagte Oliver Zissel. Man sei lediglich der Meinung, dass größere Orte besser geeignet seien. Die Bedenken des Ortsbeirats teilt Hatzfelds Bürgermeister Uwe Ermisch. Die Stadt habe aber keine rechtlichen Möglichkeiten, ein Heim abzulehnen. Die Verwaltung hat die baurechtlichen Voraussetzungen überprüft und keinen Grund gesehen, die Genehmigung nicht zu erteilen. „Wir haben das zähneknirschend machen müssen.“

Die Wirtschaft mitten im Dorf war bereits Anfang der 90er Jahren ein Heim für Asylbewerber und stand danach lange leer. Die Holzhäuser beklagten den Schandfleck in der Dorfmitte, direkt an Backhaus und Bushaltestelle. Vor sieben Jahren übernahm die Stadtallendorfer Reinigungsfirma Hentrich das alte Haus – und machte daraus, was es schon Jahrzehnte zuvor gewesen war: Ein gutbürgerliches Wirtshaus mit Pension. Zudem nutzte die Firma, die nach Angaben des Geschäftsführers Bernhard Hentrich rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, das Haus als „Schulungszentrum“. Nach einem Wasserschaden im vorigen Winter musste das Haus saniert werden, das habe 80000 Euro gekostet, berichtete Hentrich. Die Wirtschaft ist seitdem geschlossen.

Bernhard Hentrich gibt vor allem die soziale Verantwortung des Unternehmens als Grund an, weshalb die Wirtschaft zum Asylbewerberheim umfunktioniert wird. Die Pension sei „sehr gut“ gelaufen, beim Betrieb der Wirtschaft habe er zumindest keinen Verlust gemacht. Er ist zuversichtlich, dass das Heim nicht zu Problemen im Dorf führt. „Viele der Asylbewerber wollen ja auch arbeiten und was erreichen“, sagte Hentrich. Er habe eine Betreuerin eingestellt, die sich um die Bewohner kümmere.

Angesichts des Mangels an Plätzen für Asylbewerber wird Holzhausen nicht das einzige Dorf bleiben, in dem ein Heim eröffnet wird. Beim Kreis seien weitere Interessensbekundungen, aber keine konkreten Anträge eingegangen, sagte Hartmut Wecker.

Bislang sei es das einzige neue Heim im Stadtgebiet, sagte auch Bürgermeister Ermisch. Im Nachbardorf Laisa gibt es offenbar ähnliche Pläne: Der neue Besitzer des „Haus eins“, eine ehemalige Wirtschaft an der Bundesstraße, plant nach Angaben von Bürgermeister Heinfried Horsel ebenfalls die Einrichtung eines Wohnheims für Asylbewerber. Ein konkreter Antrag liege seinen Erkenntnissen nach aber nicht vor. „Das ist denkbar“, sagte Horsel. Ortsbeirat und Stadt wollten vom Landkreis wissen, um welchen Zeitraum und welche Personenzahl es sich handele. Bislang gebe es keine Informationen dazu.

Hessenweit fehlen Plätze, um Asylbewerber aufzunehmen. Derzeit leben laut Wecker im Kreis 225 Asylsuchende. 106 Plätze müssten nach der Vorgabe des Landes noch besetzt werden, weil in den vergangenen Jahren zu wenige Menschen aufgenommen worden waren. Diese Zahl werde in diesem Jahr aber vermutlich nicht mehr erfüllt werden. Der Zustrom habe sich vor allem aus osteuropäischen Ländern wie dem ehemaligen Jugoslawien verstärkt. Im Juli hatte des Bundesverfassungsgericht die staatliche Unterstützung für Asylbewerber für verfassungswidrig erklärt. Ein neues Gesetz wird derzeit in der Regierungskoalition diskutiert. Asylbewerber sollen künftig fast so viel Geld wie Hartz-IV-Empfänger bekommen.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Holzhausen ist am Freitagabend Thema in einer Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus. Beginn ist um 19 Uhr. Bernhard Hentrich kündigte an, an der Versammlung teilzunehmen.

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