Prozess wegen Vergewaltigung

Drei Männer vor Gericht

Frankenberger/Marburg - Nachdem es ohnehin schon recht lange gedauert hatte, bis es in einem Vergewaltigungsfall zur Hauptverhandlung kam, nahm diese am Mittwoch einen sehr ungewöhnlichen Verlauf und wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Drei Männern wird vorgeworfen, am Abend des 1. Mai 2012 in einem Dorf im Frankenberger Land eine damals 16-Jährige gemeinschaftlich vergewaltigt zu haben.

Die Männer, zwei damals 21-Jährige und ein 29-Jähriger, wurden von der Polizei schnell ermittelt und wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft genommen. Weil die Terminierung der Hauptverhandlung auf sich warten ließ und eine U-Haft nicht länger als sechs Monate dauern darf, befanden sich die Männer längst wieder auf freiem Fuß, erschienen aber gestern allesamt zur Hauptverhandlung am Marburger Landgericht mit ihrem jeweiligen Rechtsbeistand. Einer der Angeklagten bediente sich zusätzlich eines Dolmetschers.

Die Männer sollen eine Lage ausgenutzt haben und das zum Tatzeitpunkt stark alkoholisierte Mädchen genötigt haben, sexuelle Handlungen an ihm zuzulassen. In der Anklageschrift, verlesen durch Staatsanwältin Annemarie Petri, heißt es, dass das Mädchen einen Alkoholwert von 2,4 Promille aufwies. Zwar sei das Mädchen schon angetrunken gewesen als es mit einer Freundin auf ihre späteren Peiniger traf, doch habe es dann mit diesen, obgleich es diese gar nicht kannte, noch gemeinsam erhebliche Mengen Wodka getrunken.

Petri führte aus, dass die Männer mit dem Mädchen in eine abseits gelegene Straße gegangen seien. Unter dem zusätzlichem Schutz eines Bauzauns habe schließlich einer der Männer dem Mädchen die Hose heruntergezogen. Das Mädchen soll daraufhin die Hose wieder hochgezogen und dabei gesagt haben, das es das nicht wolle.

Der Mann habe ihm die Hose jedoch erneut heruntergezogen, es in Rückenlage gebracht und ihm dabei die Arme festgehalten. In dieser Lage soll die 16-Jährige schließlich von den drei Männern mehrfach missbraucht worden sein, bis sie von ihrer schon nach ihr suchenden Mutter gefunden wurde.

Bevor überhaupt die Beweisaufnahme mit der Zeugenbefragung beginnen konnte, eröffnete sich durch die einführenden Worte der vorsitzenden Richterin Dr. Heike Schneider ein grundsätzliches Problem, das für den Fortgang der Verhandlung von großer Bedeutung ist. Nach mehreren Verhandlungsunterbrechungen kamen alle Seiten überein, die Hauptverhandlung zu verschieben.

Die Verteidigung zeigte sich nämlich alarmiert, als Richterin Schneider bei dem Versuch zu konkretisieren, wohin es in der Hauptverhandlung gehen könnte, den Paragrafen 179 des Strafgesetzbuches nannte. Dabei geht dieser weiter als Paragraf 177, der sich mit sexueller Nötigung und Vergewaltigung beschäftigt. Im 179er geht es nämlich um den sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger Personen. Ein solcher Missbrauch wird mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Deshalb sei es wichtig zu klären, in welchem Zustand sich das Opfer wie auch die Angeklagten befanden, die ebenfalls alkoholisiert gewesen sein sollen, und wie diese Zustände im einzelnen in puncto Wahrnehmung und bewusster Steuerung zu werten seien.

So müsse auch über die Aussagetüchtigkeit des Opfers kurz nach der Tat gesprochen werden, zumal es insgesamt wohl voneinander abweichende Aussagen vom Opfer geben soll.

Ehe die Verhandlung Mitte Juni wieder aufgenommen wird, erstellt eine Gutachterin über das Opfer ein so genanntes aussagepsychologisches Gutachten zur Glaubhaftigkeit seiner Angaben zur Tat und zur Glaubwürdigkeit seiner Person.

Kommentare