Schafschur anlässlich des Mühlentages an der Walkemühle

Drei Minuten für das „Entkleiden“ eines Schafs

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Schafschur am Pfingstmontag anlässlich des Mühlentages an der Walkemühle: Schäfermeister Armin Weller (l.) „entkleidete“ seine Tiere.Foto: Frank Seumer

Frankenberg - Die Schafschur erlebten am Pfingstmontag viele Besucher des Naturschutzgebietes „Auf dem Tiergarten“ und der Walkemühle live mit. Der Geismarer Schäfermeister Armin Weller „entkleidete“ rund 40 Tiere von der dicken Wolle.

Seit mehreren Jahren pflegt der Geismarer Nebenerwerbslandwirt und Schäfermeister mit seinen Schafen die Wiesenflächen im Naturschutzgebiet „Auf dem Tiergarten“. Das rund 17 Hektar große Gebiet mit den ehemaligen Kiesbaggerteichen zwischen Eder und Walkegraben dient vielen Wasservögeln als Nahrungs-, Rast- und Brutgebiet. Die Wiesenflächen werden von Merino-Landschafen und Coburger Fuchsschafen beweidet und offengehalten.

Einmal jährlich, meist Ende Mai, steht die Schafschur an. Armin Weller, in der vierten Generation Schäfer in Geismar, hat den fachgerechten Umgang mit den Tieren schon von Kindesbeinen an gelernt. Nach seiner Ausbildung zum Schäfer arbeitete er an der Universität zu Gießen und später beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und legte dort auch seine Meisterprüfung ab.

Die Schafschur gehörte dabei zu den Grundkenntnissen. Innerhalb von fünf Minuten hat er ein Tier komplett geschoren. Mit gut geschärften Messern in der elektrischen Schermaschine fängt er meist am Kopf an und „entkleidet“ die Schafe über den ganzen Körper bis zum Schwanz. Beim Einfangen und „Aufsetzen“ der Tiere waren Sohn Kevin und Neffe Maurice behilflich. Den Rest erledigte der Schäfermeister mit gekonnten Handgriffen allein. Die geschorene Wolle sammelte Tochter Sonja in großen Säcken. Sie wird im Laufe des Sommers verkauft, wobei der Erlös sehr gering ist. Weller rechnet je nach Faserqualität mit drei bis fünf Euro pro Schaf. Insgesamt war er fast fünf Stunden mit dem Scheren beschäftigt. Bei der Kreistierschau am Pfingstsamstag auf der Wehrweide zeigte Weller bereits sein Können mit der Schermaschine.

Viele Besucher verfolgten am Montag neben der Walkemühle die traditionelle Tätigkeit. Sie waren beeindruckt von der Ruhe der Schafe bei der Schur und dem veränderten Aussehen der Tiere im Anschluss. Einige Gäste zeigten sogar Interesse an der Wolle, um sie selbst zu verspinnen. Nach zwei Regenschauern am Nachmittag traten die Tiere, angelockt von einem Eimer mit Getreideschrot, den Rückweg ins Naturschutzgebiet an, wo sie noch den ganzen Sommer und Herbst weiden.

Am Kegelberg-Hang gegenüber der Walkemühle ist eine ganz besondere Schafrasse zu sehen: fünf Jakobsschafe, ebenfalls von Maurice Weller. Die Tiere besitzen vier Hörner und stammen ursprünglich aus Kleinasien. Heute sind sie in Großbritannien weit verbreitet und an ihrem gefleckten Fell zu erkennen.

Von Frank Seumer

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