In Burgwald hofft Hobby-Winzer Franz „Ferry“ Stampf auf einige goldene Oktobertage

Duft von Honigtrauben

Frischen Federweißen angesetzt: Mit der Handmühle stellten dafür jetzt in ihrem Weingarten Ferry und Anneliese Stampf den ersten Saft aus reifen Trauben her. Foto: Völker

Burgwald. „Gib ihnen noch zwei südlichere Tage“, hat Rainer Maria Rilke in seinem berühmten Herbstgedicht gewünscht, „und jage die letzte Schwere in den süßen Wein“. Auch der Burgwalder Hobby-Winzer Franz „Ferry“ Stampf hofft noch auf ein paar goldene Oktobertage, denn nach dem Traumsommer hat der Regen der vergangenen Wochen die Reife seiner Rebsorten in diesem Jahr doch merklich verzögert.

Dunkelrot und zuckersüß sind aber schon die „Heinigl“, die Honigtrauben aus Perbál, Lieblingssorte von Ferry Stampf. Er hat sie aus der Heimat seiner ungarndeutschen Vorfahren mitgebracht, mit deren Weinbau-Tradition sich der 73-Jährige eng verbunden fühlt. Aus Absenkern und Stecklingen hat er fast alle seiner „Heinigl“-Stöcke selbst gezogen, manche von Urlaubsreisen mitgebracht.

Als er mit den ungarndeutschen Heimatvertriebenen aus Perbál 1946 in Birkenbringhausen ankam, war Ferry – so nannten ihn damals alle, weil sein Vater ebenfalls Franz hieß – neun Jahre alt. Wie fast alle anderen Familien hatte sein Vater in Ungarn zur Selbstversorgung Weinbau betrieben, Keller und Weinberg gehörten zum Betrieb mit Landwirtschaft und Metzgerei.

„Ich weiß, dass bereits mein Urgroßvater Andreas Walther in richtig großem Stil Wein nach Österreich exportiert hat“, berichtet er. Der süßliche Duft und die Herbstfarben erinnern ihn in Burgwald noch immer an sein Perbáler Elternhaus.

Der verwinkelte Garten Jägerstraße 10 in Burgwald gleicht einer großen Weinbau-Versuchsanlage. Ferry Stampf, der eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht hat und später als Maschinenschlosser bei Schlesinger arbeitete, hat immer schon zwei Hektar Grünland bewirtschaftet, Schafe und ein Pferd gehalten.

Experimente mit „Ortega“

Jetzt gilt sein ganzes Interesse aber dem Weinbau und er experimentiert mit verschiedenen Rebsorten: der „Ortega“ und dem „Dunkelfelder“ von der Mosel, im Gewächshaus konnten die ersten Trauben des aus Rheinhessen stammenden „Dornfelder“ schon geerntet werden. Daneben gibt es noch kalifornische und russische Trauben.

Etwa 40 bis 50 Liter Wein wird Ferry Stampf dieses Jahr für den Hausgebrauch produzieren. Die Glasballons im Keller sind bereits vorbereitet, im Frühjahr wird der Wein abgezogen und geschwefelt.

Auch ein paar Fässer mit ganz alten Tropfen lagern hier noch. Etwa zehn Liter Burgwalder „Federweißen“ will der Hobby-Winzer schon in den nächsten Tagen ansetzen.

Bis dahin gilt es, den Weingarten gut zu bewachen – die Vögel haben die zuckersüßen Honigtrauben längst entdeckt und sich kräftig bedient.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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