Bunker der Geschichte

Die dunkelste Zeit wird nicht vergessen

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Der Burgwalder Bürgermeister Lothar Koch und Wehrführer Francisco Ayora Escandell nehmen die Papiere eines „umstrittenen“ Feuerwehrautos von Frankenbergs Ehrenstadtbrandinspektor Manfred Trost und Bürgermeister Rüdiger Heß (von links) entgegen.

Burgwald - Die ersten Schritte wurden vor mehr als vier Jahren gegangen - gestern hat der Burgwalder Kulturverein eine große Etappe zu Ende gebracht: Der Bunker der Geschichte ist vor rund 200 Menschen eröffnet worden.

Im Vergleich zu anderen Dörfern ist die Geschichte von Burgwald sehr jung: Gerade einmal um die 70 Jahre zählt sie. Und sie gehört nicht zu den angenehmsten Geschichten, denn das Dorf ist aus einer Luftmunitionsanstalt des Dritten Reiches heraus entstanden. Trotzdem - oder gerade deswegen - hat sich die Jugendfeuerwehr auf Spurensuche begeben, wie Bürgermeister Lothar Koch gestern die Anfänge des Projekts beschrieb. Die noch junge Burgwalder Geschichte werde nun ansehnlich im ehemaligen Notstrombunker gezeigt.

Die Gemeinde ist Träger des Projektes, über die Region Burgwald wurde es gefördert - mit Geschichte und Leben gefüllt wird der Bunker vom Kulturverein. Dieser wurde laut Koch am 9. Oktober 2008 gegründet - damit die Erkenntnisse der Jugendlichen aufgearbeitet und in dem Museum aufbewahrt werden können. „Der Verein hat 100 Mitglieder - das ist ein Sechstel der Einwohner“, freut sich Klaus Rühl vom Kulturverein. Die Priorität des Vereins sei die Arbeit am Bunker. Mit dem Herrichten des Gebäudes haben die Mitglieder Ende 2009 begonnen, weil sie auf den Förderbescheid warten mussten. „Es war viel zu tun und es wird immer was zu tun sein.“ Darüber hinaus kümmere der Verein sich um die Verschönerung des Ortes und wolle den Tourismus fördern - mit bereits mehr als 60 Führungen durch Burgwald scheint das kein utopisches Ziel.

„Der Bunker der Geschichte ist symbolträchtig für die dunkelste Zeit des vergangenen Jahrhunderts, die viel Leid gebracht hat“, sagte Landrat Reinhard Kubat. Umso bemerkenswerter sei es, dass die Initiative für das Projekt von der Jugend ausgegangen sei. „Es zeugt von Mut, dass sie sich diesem Teil der Geschichte stellen“, sagte auch Stefan Schulte, der Regionalmanager.

Respekt zollte die Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg vor allem der Jugendfeuerwehr, die sich mit großer Mühe dem schwierigen Thema genähert habe. „Es ist ein gutes Signal, dass gerade die Jugend sich dieses Thema angenommen hat“, ergänzte der Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl.

Frankenbergs Bürgermeister­ Rüdiger Heß hatte ein Geschenk für die Burgwalder im Gepäck: Die „Papiere“ des alten Feuerwehrfahrzeugs. Wie es in den Besitz der Frankenberger kam - darüber haben Koch und Heß mit Augenzwinkern disputiert. Fest steht, dass dieses Fahrzeug nach dem Ende des Krieges in einer Fahrzeughalle in Burgwald stand und plötzlich bei den Frankenbergern war. „Wir können die damalige Zeit nicht nachempfinden“, sagte Heß. „Es war alles kurios. Aber wenn es ein Diebstahl war, dann haben wir das Feuerwehrauto den Amerikanern gestohlen.“ Das Fahrzeug sei jedoch kein Geschenk an Burgwald, sondern eine Dauerleihgabe. „Wäre auch interessant, wenn man verschenkt, was einem gar nicht gehört“, unkte Koch trocken. Den Regenschirm hielt er ihm trotzdem.

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