Gemündener Windpark

Durch Dialog zum Ziel

Die „Unendliche Geschichte“ Gemündens: Den Windpark wollen Bürger, kommunale Politik, der Investor VEW und die Waldinteressenten – doch das Regierungspräsidium als Obere Naturschutzbehörde legt stetig neue Prüfaspekte vor. Bis zum Sommer soll geklärt sein, ob zehn oder nur vier Anlagen genehmigt werden.Visualisierung: VEW

Gemünden - Wo steht der Windpark? Wann ist mit einer endgültigen Genehmigung zu rechnen? Wann ist Baustart - und: von wie vielen Anlagen genau? Viele Fragen wurden am Mittwochabend in interner Runde zwischen Waldinteressenten, Politik und dem Investor geklärt.

Die sprichwörtlich „schwere Geburt“ erlebt der Windpark Graurück zwischen Gemünden und Schiffelbach. Bereits in zwei kommunalen Haushalten war Geld aus dem Windpark eingeplant - doch dürfte mit ersten Erträgen auch in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen sein. Die Rodungsperiode ist vorerst vorüber, die Genehmigung seitens des Regierungspräsidiums ist immer noch nicht da, immer wieder treten neue Probleme auf.

Und doch: „Wir halten alle am Projektvorhaben Windpark Gemünden fest“, war das einhellige Fazit eines Hintergrundgesprächs unter dem Titel „Windpark Gemünden - Status Quo“ am Mittwochabend im Schiffelbacher Dorfgemeinschaftshaus. In Zusammenarbeit mit dem Landesprogramm „Bürgerforum Energieland Hessen“ hatte Bürgermeister Frank Gleim die Waldinteressenten aus Schiffelbach und Vertreter der städtischen Gremien eingeladen. Dargestellt werden sollte der Stand des Genehmigungsverfahrens nach dem Abstimmungsgespräch zwischen Regierungspräsidium und dem Verbands-Energie-Werk (VEW).

In einem Vortrag erläuterte dessen Geschäftsführer, Stefan Schaller, den Stand der Planung der ursprünglich elf Windenergieanlagen. Schon während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung hatte Bürgermeister Gleim allerdings berichtet, dass wegen eines Uhus maximal zehn Anlagen umzusetzen seien - vier seien problemlos möglich. „Zehn ist natürlich das Ziel, auch schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit“, sagte Frank Gleim im Nachgang des nicht öffentlichen Abends im Gespräch mit der Frankenberger Zeitung. Zugleich sei aber auch klar geworden: Die VEW setzt das Projekt auch mit vier Anlagen um.

Unmut über Verzögerungen

Schaller machte am Mittwochabend deutlich, welche Prüfaspekte das Projekt durchlaufen muss: Netzanbindung, Zuwegung, Bundeswehr, Brand- und Denkmalschutz, Sichtbeziehung, Umweltverträglichkeit und Naturschutz - verärgert zeigte er sich laut Gleim, dass in der letzten Phase weitere Aspekte der Oberen Naturschutzbehörde aufgebracht worden seien, die durchaus schon im vorbereitenden Verfahren hätten Erwähnung finden können. Auf Nachfragen skizzierte Schaller anhand der Flugrouten des Rotmilans, auf welche Weise zusätzliche Forderungen der Oberen Naturschutzbehörde den Umfang und den Start des Projektvorhabens beeinflussen.

Jedoch zeigte er sich zuversichtlich, dass die Arbeiten an den Zuwegungen - und die damit verbundenen Rodungen - im Herbst 2015 beginnen können. Gleim erklärte gegenüber der FZ: „Wenn eine Genehmigung vorliegt, können auch vorher schon Arbeiten außerhalb des Waldes erfolgen. Etwa die Errichtung einer elektrischen Übergabestation.“ Gleim sagte die städtische Unterstützung für den geplanten Baubeginn der vier als unkritisch erachteten Anlagen für Oktober 2015 zu, um mit der Inbetriebnahme des Windparks Gemünden Ende 2016 zu beginnen. Ziel sei das „optimale Szenario“ einer Genehmigung und des Baus der Anlagen vor Eintreten der nächsten Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2017.

Auch die geplante Bürgerbeteiligung wurde während des Informationsabends angesprochen. „Erst muss die Genehmigung da sein“, sagte Gleim. Dann würde die VEW den Umfang der Beteiligung beziffern können und zugleich für jenen Anteil in Vorleistung gehen - die Bürger hätten dann das Wort über die Art der Beteiligung, etwa durch eine Genossenschaft.Eine vertiefende Informationsveranstaltung des Bürgerforums „Energieland Hessen“ findet am 16. Juni in Kassel statt.

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