Kreisbauernverband tagt

Eckel: "Landwirtschaft ist wieder sexy"

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Bauernverband

Frankenberg - Während der Mitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes standen nicht nur Berichte und Wahlen auf dem Programm: Die Mitglieder erhielten außerdem eine Führung durch die Geschäftsräume der Frankenberger Bank und Bankvorstand Dieter Ohlsen hielt einen Vortrag.

„Wir wollen weiter die Vertretung für den ländlichen Raum sein“, stellte Vizepräsident Heinrich Heidel, Vorsitzender des Frankenberger Kreisbauernverbands, gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung klar. Er blickte auf Diskussionspunkte und Schwierigkeiten der Landwirte im vergangenen Jahr zurück und gab einen Ausblick auf bevorstehende Entwicklungen bezüglich der europäischen Agrarpolitik. Die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik soll bis 2013 abgeschlossen sein. „2014 beginnt eine neue Förderperiode“, sagte Heidel. In diesem Zusammenhang gebe es bereits einen ersten Entwurf der europäischen Agrarpolitik. Aktuell lägen jedoch bereits 1263 Änderungsvorschläge und -anträge vor, sodass Heidel davon ausging, dass sich die Reform noch eine Zeit lang hinzieht. „Auch der Finanzrahmen muss erst noch abgesteckt werden“, sagte er. Problematik des „Greenings“ Ein Faktor in der geplanten EU-Agrar-Reform ist das sogenannte Greening: Diesbezüglich lautet der Vorschlag der europäischen Kommission, ab 2014 einen Teil der Direktzahlungen an die Erfüllung bestimmter Umweltauflagen zu koppeln. Für jeden Hektar bewirtschaftete Ackerfläche bekommen Landwirte sogenannte Direktzahlungen oder Flächenprämien. Die volle Prämie soll nur der erhalten, der sieben Prozent seiner Ackerfläche für den Naturschutz aus der Produktion nimmt und stattdessen als ökologische Ausgleichsflächen ausweist. Statt Ackerfrüchten sollen dort Hecken, Feld- und Wiesenraine stehen. Berechnungen des Deutschen Bauernverbands zufolge wären davon die Produktion von rund 30 Millionen Tonnen Getreide sowie die Versorgung von etwa 15 Millionen Menschen betroffen. In diesem Zusammenhang erörterte Heidel eine weitere Problematik: Der deutsche Bürger gebe aktuell so wenig Geld wie noch nie für qualitative Nahrungsmittel aus. „Die Wertschätzung muss wieder hergestellt werden“, forderte Heidel. Außerdem dürfte es keine „überzogenen Tierschutz-Standards“ geben. „Als Berufsstand wollen wir zeigen, was landwirtschaftliche Tierhaltung heißt“, kündigte er an. Dabei sollen Vorurteile abgebaut werden, etwa dass größere Tierhaltungsbetriebe nicht tierfreundlich seien. Ackerflächen schonen Mit einem weiteren Problem habe der Bauernverband außerdem auf hessischer Ebene zu kämpfen: dem Flächenverbrauch. Das Land Hessen hat aufgrund von durch Überbauung und naturschutzrechtlichem Ausgleich ein Programm aufgelegt, mit dem der tägliche Flächenverbrauch ? die Ackerland, das für die Produktion von Nahrung genutzt wird ? von ursprünglich 7,5 auf 2,5 Hektar gesunken sei. Stattdessen wird die ursprünglich landwirtschaftlich genutzte Fläche beispielsweise für Siedlungen oder das Aufstellen von Windkraftanlagen verwendet. „Wir haben das Ziel, erneuerbare Energien zu fördern, aber landwirtschaftliche Flächen müssen geschont werden“, sagte Heidel. Auf Kreisebene beschäftigen sich die Mitglieder des Bauernverbands darüber hinaus mit der Schwierigkeit um Pachtverträge und Richtlinien. Heidel betonte: „Wenn wir etwas erreichen wollen, können wir es nur gemeinsam.“ Die Landwirte sollten sich bei Problemen frühzeitig an die Geschäftsstelle wenden, damit Handlungsmöglichkeiten bestehen. Im Anschluss an Heidels Rück- und Ausblick trug Geschäftsführer Matthias Eckel den Kassenbericht vor. Aktuell habe der Kreisbauernverband 1028 Mitglieder, denen insgesamt 21?500 Hektar Land gehören. Viele neue Mitglieder habe der Verband gewinnen können. Eckel habe den Eindruck, Landwirtschaft sei „wieder sexy“. Eine weitere gute Nachricht hatte er für die Landwirte: Eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge sei aktuell kein Thema. „Wir sind seit 15 Jahren beitragsstabil und der billigste Bauernverband“, ergänzte er. Außerdem fanden Wahlen stand. Heinrich Heidel wurde für drei weitere Jahre in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt, ebenso Heinrich Hecker, Ralf Krähling und Matthias Landau als Beisitzer. Zum Abschluss stellte Bankvorstand Dieter Ohlsen die Frankenberger Bank vor und hielt einen Vortrag unter dem Titel „Der Blick in die Zukunft führt (manchmal) in die Irre“.

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