Es geht es um Schadenersatz und Schmerzensgeld

„Eckhard, hol die Kettensäge“: Streit zweier Jagdpächter vor Gericht

Frankenberger Land. Neues im kuriosen Streit zweier Jagdpächter in Eifa: Vor der Zivilkammer des Frankenberger Amtsgerichts ging es am Freitag um Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Bekannt ist seit Anfang Mai der Streit zwischen zwei Jagdpächtern. Derjenige, der nach einer Verurteilung vor Gericht seinen Jagdschein verloren hat, aber nach wie vor Anspruch auf die Hochsitze erhebt („das ist mein Eigentum, damit kann ich machen, was ich will!“), bemerkte am 20. Juni 2015 gegen 21 Uhr, dass sein Mitpächter auf einem der von ihm beanspruchten Hochsitze ansaß.

Unbestritten ist, dass dieser Mann - in diesem Verfahren der Angeklagte - die Leiter erklomm, mit einem Stock gegen den Hochsitz schlug und seinen Pächterkollegen wütend aufforderte, den Hochsitz zu verlassen. Der Mitpächter hatte sich eingeschlossen. Durch die Schläge gegen eine Seitenwand ging eine Plexiglasscheibe zu Bruch. Der verängstigte Jagdpächter rief telefonisch mehrfach um Hilfe. Der Gerufene war kurze Zeit später vor Ort und stellte sich dem wütenden Jagdpächter mit den Worten „Was ist hier los?“ in den Weg.

Daraufhin kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, in deren Folge der herbeigerufene Zeuge unter anderem eine Nasenbein- und eine Schädelprellung sowie eine Verletzung der linken Schulter davontrug. Der Mann war acht Tage krank geschrieben. Er fordert nun Schmerzensgeld und die Erstattung von rund 700 Euro für landwirtschaftliche Arbeiten, die er infolge seiner Verletzungen nicht selbst ausführen konnte, sondern - gegen Bezahlung - an einen anderen nebenberuflichen Landwirt aus dem Dorf vergeben hatte.

Der Beschuldigte gab an, er habe sich in einer Notwehr-Situation „nur verteidigt“. Wörtlich: „Ich habe ihm zwei verpasst. Das war’s.“ Mit einem Stock habe er nicht zugeschlagen. Der Angeklagte behauptet, der Zeuge habe ihm die Brille von der Nase gerissen. Der Zeuge hielt dagegen, der Angeklagte habe gar keine Brille getragen.

„Wahrscheinlich habe ich ihn richtig getroffen“, sagte der Angeklagte auf die Frage, ob der Zeuge zu Boden gegangen sei.

Verbale Beschimpfungen soll es reichlich gegeben haben. Der Angeklagte behauptet, sein früherer Mitpächter habe einen Jagdhund auf ihn gehetzt. Er wiederum habe erklärt, dass er den Hund „totschlagen“ werde. Sein Mitpächter-Kollege habe gedroht, notfalls „von der Schusswaffe Gebrauch“ zu machen.

Der verletzte Zeuge sagte, der Angeklagte habe ihn auf übelste und herabwürdigende Weise beschimpft. Als sein Pächterkollege den Hochsitz nicht verlassen habe, soll der Angeklagte seinen Bruder aufgefordert haben: „Eckhard, hol die Kettensäge. Ich hole ihn jetzt da runter.“

Eine einvernehmliche Lösung, die Richterin Wagner ins Gespräch gebracht hatte, kam für beide Seiten nicht in Betracht. Das Zivilverfahren soll nun am 6. Juli mit der Anhörung weiterer Zeugen fortgesetzt werden.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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