Umgestaltung des Bahnhofs: Ausschuss ist einstimmig für Einstieg in Detailplanung

Den „Edelstein“ ins Licht rücken

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Frankenberg - Im Leitbildprozess wurde es deutlich: Die Frankenberger stören sich am Zustand des Bahnhofs. Doch auch die Politik hat das historische Gebäude und den Vorplatz seit Jahren auf der Agenda. In den vergangenen Monaten ist jedoch Dynamik in die Angelegenheit gekommen. Unter Umständen beginnt der Umbau schon 2014.

Die Umgestaltung des Bahnhofs ist eines der Kernziele der Stadtsanierung. Und deshalb hat sich Bauamtsleiter Karsten Dittmar schon vor geraumer Zeit Gedanken über die Zukunft des Areals gemacht und Skizzen gefertigt. Intensiver haben sich das Ingenieurbüro Oppermann aus Vellmar und Landschaftsarchitekt Andreas Schmidt-Maas von „PLF“ in Kassel mit dem Gebiet befasst. Und dies im Auftrag und auf Kosten des Nordhessischen Verkehrsverbundes (FZ berichtete exklusiv). Einen Vorentwurf stellten die Planer am Dienstag in den Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung vor. „Jetzt liegt uns eine Arbeitsgrundlage vor“, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß. „Mich hat das Ergebnis begeistert. Aber es handelt sich um einen Vorentwurf. In Details sollte man sich noch nicht hineinsteigern.“

Das Konzept sieht den Abriss aller maroden Gebäude vor; bis auf die unter Denkmalschutz stehende „Perle“, wie Heß das Bahnhofsgebäude bezeichnete. Im östlichen Teil, hin zur Fußgängerzone, sind Parkplätze für Taxen sowie Anruf-Sammel-Taxen eingezeichnet. Ferner Behindertenparkplätze und Tankstationen für Elektroautos sowie der „Kiss&Ride“-Bereich: wo Autos kurz halten, um Fahrgäste abzuholen oder abzuliefern.

Dem eigentlichen Bahnhofsgebäude „sollte ein angemessener Rahmen gegeben werden“, sagte Planer Schmidt-Maas. Vorgesehene ist eine „umlaufende Platzfläche“, die nur von Bussen überfahren werden darf. Viel Raum ist für Grünflächen und Wartebereiche reserviert. „Wir wollen den verstaubten Edelstein wieder ins rechte Licht rücken.“ Der Aufgang zur Marburger Straße ist mit einer breiten Treppe mit zwei Zwischenpodesten angedacht, im Kreuzungsbereich der Friedrichstraße haben sich die Planer „einen Stadtbalkon mit Blick auf den Bahnhof“ ausgedacht.

Zufahrt von Friedrichstraße

Westlich des Bahnhofsgebäudes ist der zentrale Omnibusbahnhof vorgesehen, mit Sichtkontakt zum Bahnsteig. Ferner der „Park&Ride“-Bereich. Die Zufahrt erfolgt jedoch über die Friedrichstraße. Veränderungen sind auch beim Bahnsteig angedacht. Unter anderem soll das erste Gleis wegfallen.

Soweit das Ergebnis des Architekten-Wettbewerbs. Monatelange Diskussionen und Beratungen in den städtischen Gremien sind jedoch nicht möglich. Der Grund: Bis Ende August muss die Stadt den Förderantrag beim Land stellen. Und dies hat zur Konsequenz, dass die Parlamentarier bereits am Donnerstag ab 19.30 Uhr in der Stadtverordnetenversammlung eine erste Entscheidung treffen müssen.

Für den Antrag sind detaillierte Planungsunterlagen erforderlich, die Oppermann und PLF in Abstimmung mit der Stadt erarbeiten müssen. Angefangen von Bodengutachten bis zu einer konkreten Kostenaufstellung. Denn selbst Schätzungen liegen noch nicht vor. „Der Zeitrahmen ist mehr als sportlich“, sagte Dittmar. „Aber wenn wir den Planungsauftrag erhalten, könnte der Umbau in zwei Bauabschnitten bereits Ende 2014 fertig sein“, erklärte Dirk Koch, Ingenieur von Oppermann.

Über das Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungskonzept (GVFG) könnte die Stadt unter Umständen 80 oder sogar 85 Prozent der Investitionskosten erstatten bekommen.

Überrumpelt soll jedoch niemand werden, betonte Heß. Der Stadt sei es sehr wichtig, „auch die breite Masse der Bevölkerung mitzunehmen“. Zumindest die Ausschussmitglieder votierten bereits einstimmig dafür, den Magistrat mit der Vergabe der Detailplanung zu beauftragen. In der August-Sitzung soll dann die finale Abstimmung erfolgen. Und bis dann könnte auch die Frage der Eigentumsverhältnisse geklärt sein.

Wer übernimmt Gebäude?

Die Stadt ist aktuell sowohl in Verhandlungen mit der Bahn, der die Lagerhallen, die ehemaligen Funktionsgebäude sowie Baracken auf dem Gelände gehören, als auch mit dem Eigentümer des eigentlichen Bahnhofsgebäudes. Der luxemburgischen Gesellschaft Patron Elke besitzt derzeit rund 1200 Bahnhöfe in Deutschland. „Es ist nicht unser Interesse, den Bahnhof als Stadt zu kaufen. Ziel sollte sein, Private zu finden, die das Gebäude kaufen oder nutzen“, sagte Heß. Doch Denkverbote dürfe es nicht geben.

Schmidt-Maas warb dafür, die Planung der Umgestaltung von der künftigen Nutzung des Gebäudes zu trennen. „Wo immer die öffentliche Hand bei Bahnhöfen in Vorleistung getreten ist, haben sich schnell Investoren oder potente Mieter für die Gebäude gefunden. Und der zusätzliche Frankenberger Trumpf ist die Nähe zur Innenstadt.“ Ähnlich argumentierte Heiko Völke, Geschäftsführer von Oppermann: „Wenn das Gelände erst einmal schön ist, kommen auch weitere Ideen.“

Ein Video zu den Vorentwürfen ist ab heute Abend im Internet auf wlz-fz.de zu sehen. Oppermann und PLF haben die Vorentwürfe animiert: das Ergebnis ist ein 3-D-Rundgang über das Frankenberger Bahnhofsgelände, wie es nach dem Umbau aussehen könnte.

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