Familie Henézi hat zwei Ferienhäuser in Willersdorf gebaut – und seit Oktober sogar schon Stammkundschaft gewonnen

Aus dem „Edergarten“ hinaus in den Burgwald

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Frankenberg-Willersdorf - Die Eder ist zwar nicht in Sichtweite, doch das Plätschern des Gartenteichs erfüllt ebenfalls seinen Zweck und verstärkt das Gefühl, mitten im Grünen Urlaub zu machen: Seit Oktober empfängt Familie Henézi in ihren beiden Ferienhäusern „Edergarten“ Gäste. Die nutzen das Ederbergland als Ausgangspunkt für Tagestouren in den Burgwald und die umliegenden Städte.

Als Tourismushochburg ist der südöstlichste Frankenberger Stadtteil nicht gerade bekannt. „Vor Jahren soll es hier mal Ferienwohnungen gegeben ha-ben“, weiß Erik Henézi vom Hörensagen. Doch bis Oktober 2011 war Willersdorf ein weißer Fleck auf der Tourimuslandkarte. Deshalb hatte er sogar Verständnis für die Reaktionen des ein oder anderen Willersdorfers, als sich im vergangenen Jahr im Dorf rumgesprochen hatte, dass er zwei Ferienhäuser auf dem Nachbargrundstück seines Wohnhauses in der Straße Am Gemeindegarten bauen wird. „Viele konnten sich einfach nicht vorstellen, was wir vorhatten.“ Doch längst sei diese Skepsis gewichen. „Die, die sich unsere Häuser angeguckt haben, waren alle begeistert.“

In Erfurt geboren, in Willersdorf verheiratet

Im Prinzip erging es den Willersdorfern dabei nicht anders als Erik Henézi selbst, denn es ist keineswegs so, dass er sich mit den Ferienwohnungen einen Kindheitstraum erfüllt hat. Im Gegenteil: „Es hat sich so ergeben.“ Erik Henézi ist von Beruf Polizeibeamter. In Erfurt geboren, verschlug es ihn mit seiner Familie noch vor der Wende nach Gießen. Dort „baute“ er sein Abitur und begann bei der Hessischen Polizei zunächst die Laufbahn für den mittleren, mit dem Studium an der Polizeischule dann für den gehobenen Dienst. Zunächst war er in Frankfurt eingesetzt. Er lernte seine spätere Frau Silvia kennen, eine gebürtige Willersdorferin. Es folgte die Versetzung nach Bad Wildungen. Seit fünf Jahren arbeitet Erik Henézi nun in Frankenberg. Bei den Streifenfahrten durch das Waldecker und Frankenberger Land sei ihm zunehmend bewusst geworden, „in was für einer schönen Gegend wir hier eigentlich leben.“

Zwei miteinander verbundene Ferienhäuser

Vor elf Jahren erfüllte sich Familie Henézi am Ortsrand von Willersdorf dann den Traum vom eigenen Haus. Inzwischen leben sie dort zu fünft: Justin ist 13 Jahre alt, Jordan elf und Jasmin neun Jahre. „Es ist nicht so gewesen, dass ich mit Beruf und Familie nicht ausgelastet gewesen bin, aber irgendwie wollte ich nebenbei noch was machen, irgendwas Handfestes“, beschreibt Erik Henézi – der von sich sagt, dass er, auf deutsch gesagt, Hummeln im Hintern habe. Irgendwann war sie jedenfalls da, die Idee von den Ferienhäusern. Die Frage nach dem Standort war ebenfalls schnell beantwortet: auf dem Nachbargrundstück. Das ähnelte damals noch einem „Jungle“, erzählt der „Herbergsvater“. Unzählige Tannen standen auf dem leicht am Hang gelegenen Grundstück – und mittendrin ein Gartenhäuschen, das jedoch völlig zugewachsen war. „Doch ich hatte eigentlich schon meine konkreten Vorstellungen, wie die Häuser einmal aussehen könnten.“ Bis auf die dicksten Stämme wurden alle Bäume gefällt, um Platz für die Häuser zu machen.

Seine selbst gezeichneten Pläne landeten allerdings schnell in der „Ablage P“. Der Besuch bei einem Frankenberger Architekten öffnete Erik Henézi dann doch die Augen. „Der Fachmann hatte eine top Idee.“ Und zwar zwei Gebäude, die in der Mitte durch einen Wirtschaftsraum verbunden sind – von dort aus werden beide Wohnungen mit Strom und Wasser versorgt. Die Ferienhäuser sind 79 Quadratmeter groß, verfügen über ein Wohn-/Esszimmer mit angeschlossener Küche, ein Bad, einen Hauswirtschaftsraum sowie zwei Schlafzimmer. Für die geschmackvolle Einrichtung war Silvia Henézi zuständig. Doch bevor es so weit war, floss bei der gesamten Familie mancher Tropfen Schweiß. Eine Zimmerei aus einem anderen Frankenberger Stadtteil hat den Rohbau errichtet, mit der Ausführung einzelner Gewerke wurden Fachfirmen beauftragt, „doch das meiste haben wir eigentlich in Eigenleistung gemacht“, erzählt Erik Henézi von der „großartigen“ Hilfe der gesamten Familie und einiger Freunde. „Was wir selber machen konnten, haben wir auch selber gemacht.“ Und das in Rekordzeit. Nur knapp ein Vierteljahr dauerte es vom Richtfest bis zur Fertigstellung.

Gartenhäuschen und Spielgeräte für Kinder

Rund 200 000 Euro hat sich Familie Henézi das Projekt „Edergarten“ kosten lassen. Bereut hätten sie es bisher – trotz aller Rückenschmerzen und Schwielen an den Händen – zu keiner Stunde. Geachtet haben sie auf energiebewusstes Bauen. Ein Gas-Brennwert-Gerät und eine Fußbodenheizung sorgen für die nötige Wärme in den Häusern, die Wände sind alle besonders gedämmt, für Licht sorgen LED-Lampen und statt einer Photovoltaikanlage auf den Dachziegeln ist ein so genanntes Inn-Dach-Photovoltaik-System verbaut worden. „Trotz der Ost-West-Ausrichtung läuft die 26 kW-Anlage phantastisch.“ Die Ausgaben seien zunächst deutlich höher gewesen, „aber in einigen Jahren wird sich dies auszahlen“, sagt Henézi.

Startpunkt für Wander- und Fahrradtouren

Großen Wert haben die Ferienhaus-Betreiber auf die Anlage des Gartens gelegt. Der bietet Urlaub für alle Sinne: „Weil wir hier eigentlich keinen Fahrzeugverkehr haben, hört man den ganzen Tag das Plätschern des Gartenteichs.“ Da könnten die Gäste ebenso entspannen wie in dem Gartenhaus, das auf dem Grundstück steht – und auch als Fahrradunterstand genutzt werden kann. Auch für Kinder wird einiges geboten: Die Garten-Spielgeräte von Familie Henézi stehen auch den jungen Urlaubsgästen zur Nutzung zur Verfügung. „Eigentlich fehlt es unseren Urlaubern hier an nichts“, sagt Erik Henézi und verweist auf die ersten Einträge in den Gästebüchern, denn die Gäste haben das ähnlich gesehen. „Wir hatten schon Urlauber, denen es bei uns so gut gefallen hat, dass sie schon ein zweites Mal hier waren.“ Und so verfügt der „Edergarten“ bereits über einen kleinen Kundenstamm, obwohl es die Ferienhäuser erst ein dreiviertel Jahr gibt.

Bis Ende August, also während der Hauptsaison, seien beide Ferienhäuser belegt. „Unser Ziel ist es, jetzt auch in der Nebensaison noch besser Fuß zu fassen.“ Dafür ist Erik Henézi mit international agierenden Anbietern im Gespräch. Vor allem in einen Vermarkter aus den Niederlanden setzt er große Hoffnungen. In dem Ferienhauskatalog würden die beiden Häuser in der Vier- bis Fünf-Sterne-Kategorie gelistet. Vor allem Gäste von der See und aus flacheren Regionen Deutschlands seien vom bergigen Ederbergland und dem Burgwald begeistert. „Denen gefällt es hier nicht nur landschaftlich gut, sondern sie schätzen auch die zentrale Lage und das Angebot in der Region.“ Die meisten Urlauber würden Ausflüge an den Edersee, nach Willingen und Winterberg oder nach Marburg unternehmen – wenn sie denn nicht in der „herrlichen Natur unterwegs“ sind. „Willersdorf liegt ja wirklich zentral“, sagt Henézi. Der 480 Meter hohe Knebelsrod, die höchste Erhebung des Burgwaldes, gehört zur Gemarkung Willersdorf. Seine beiden Ferienhäuser seien somit ein idealer Ausgangspunkt für Wander- oder Fahrradtouren im Burgwald oder im Ederbergland.

Dass es in Willersdorf zurzeit keine Gelegenheit zum Einkaufen gibt, hätten bisher noch keine Gäste bemängelt. „Dadurch, dass wir in der direkten Nachbarschaft wohnen, bieten wir ja quasi einen besonderen Service und können den ein oder anderen Wunsch spontan erfüllen.“ Weitere Informationen zu den Ferienhäusern der Familie Henézi auch im Internet unter der Adresse www.edergarten.de; Kontakt per E-Mail: kontakt@edergarten.de; per Telefon unter der Nummer 06451/715175.

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